Flying Colors
„Flying Colors“
Mascot/RTD

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Der Special Tip des Monats bezieht sich auf Bands, Musiker oder Projekte, die ein echter Geheimtip sind.

Topmucker trifft Topmucker, der wiederum andere Topmucker mitbringt. Die Entstehung von Flying Colors war zwar etwas anders. Daß es sich bei dem Line-up aber um eine Reihe von gestandnen, hervorragenden Musikern aus unterschiedlichen Genres handelt, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein – eine Supergroup also? So fällt es auch schwer, schubladenbewußten Personen eine stilistische Richtung anzugeben. Sänger Casey McPherson mit seiner kehligen Rock-Stimme irgendwo zwischen Coldplay oder gemäßigten Alternative-Rock-Sounds, ist wohl eher im Popbereich angesiedelt, während beispielsweise Portnoy zuletzt mit Dream Theater ordentlich aufs Ganze ging. Steve Morse wiederum ist seit 15 Jahren bei Deep Purple und spielt mit Dave LaRue bei den Dixie Dreggs. Und Neal Morse… Der frühere Sänger, Keyboarder und Songschreiber von Spock’s Beard ist mittlerweile solo unterwegs und schreibt Songs um Songs für sich und andere Künstler. So sind die Stücke des Debüts bluesig, satt heavy, AOR-like… Kurzum: Diese Scheibe ist enorm vielfältig und abwechslungsreich. Sie klingt klassisch, sie klingt modern. Das ist vielleicht das eigentlich bemerkenswerte an diesem Debütalbum: Daß es alt und neu so eindrucksvoll vermischt. Daß so etwas möglich ist, haben bereits Bands wie Frost, It Bites oder andere gezeigt – die Verschmelzung von Pop- und Rock-Elementen, von Blues und Seventies Rock zu einer brillanten (Prog?)Rock-Scheibe. Aber es wäre wohl kein Album mit Mike Portnoy und Neal Morse, wenn da nicht auch gewisse Bealtes-Einflüsse dabei wären. Sehr deutlich wird dieses bei „Love Is What I'm Waiting For“. Sicher, auch der Eingangsong „Blue Ocean“ hat so seine Beatles-Einflüsse. Aber ebenso wie hier als auch zum Beispiel bei „Everything changes“ wird sehr deutlich, daß Neal Morse seine Finger sehr stark im Spiel hat – beide Stücke erinnern ein wenig an die frühen Spock’s Beard. Dem gegenüber stehen Stücke wie „Should Coulda Woulda“, einer zwar eingängigen aber dennoch ruppigen, progressiven Nummer. „Forever In A Daze“ wiederum ist eine sehr coole Nummer, die funkig und rhythmisch etwas vertrackt rüber kommt. Und dann gibt es mit „Infinite Fire“ ja noch einen sehr intensiven Longtrack, der als AOR-Stück beginnt, sich aber episch entwickelt und mit enorm variantenreichen Gitarren und Melodien aufwartet. Es war eine großartige Idee von Produzent Bill Evans, diese Formation gleichsam „von oben herab“ zu casten. Das Ergebnis ist eine richtiggehende Ohrenweide; ein Album, das nach mehr schreit und von dem man sich erstmal nicht so schnell wird lösen können. Diese Scheibe hat das Zeug, ihre Hörer in den Bann zu ziehen und nachhaltig zu begeistern. Bemerkenswert bei der ganzen Geschichte ist, daß es im Vorfeld keinen großen Rummel um diese Scheibe gab, sie plötzlich einfach da war. Man könnte auch sagen: Sie schlug quasi von irgendwoher plötzlich ein – und es ward richtig absolut klasse!
Sven Meyer
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