D.A.D.

Vier süße alte Halunken!

Über 30 Jahre liegt meine erste Begegnung mit D.A.D. – damals noch als Disneyland After Dark aktiv – mittlerweile zurück, als mich die ersten beiden Alben „Call Of The Wild“ und „Draws A Circle“ im legendären WOM Mannheim umgehauen haben. Zwar waren das schweineteure Importscheiben, aber da hat damals schon unsere halbe Redaktion zugeschlagen. 1989 erfolgte mit „No Fuel Left For The Pilgrims“ der erste offizielle Release durch den Major Warner und mein erstes Interview mit Jesper, wenn ich mich nicht täusche. Für „Riskin’ It All“ war ich sogar in Holland für einen Studio-Bericht, unzählige Interviews und Konzerte sollten noch folgen. Auch die Autogrammstunde – natürlich im WOM Mannheim – war ein Hammer! Dies erzähle ich alles zum Einstand Jesper, bei dem ich mal kurz in Dänemark durchklingle.

„Ich erinnere mich noch an alles! Das ist alles echt verrückt, aber wir sind halt sweet old guys heute!“

 Lange musste man auf neue Kost unserer Lieblingsdänen warten, aber „A Prayer For The Loud“ ist natürlich ein Brett. Aber acht Jahre sind eine verdammt lange Zeit und mir ist es nicht so ganz ersichtlich, was die Band dazu getrieben hat, so ein Päuschen hinzulegen.

„Dafür gibt es verschiedene Gründe“, versucht sich mein Sparringpartner an einer Erklärung. „Der entscheidende Grund war das Jubiläum für ‘No Fuel Left For The Pilgrims’ ... nein, es war ja ‘Riskin’ It All’ mit seinen 25 Jahren, als wir uns gedacht haben, es wäre ganz nett, diese Klassikeralben mal komplett live zu präsentieren. In Europa machten wir diese Tour, wo wir beide Alben am Stück spielten. In Skandinavien haben wir es ein bisschen anders gemacht. Freitags haben wir ‘No Fuel’ aufgeführt, Samstags dann ‘Riskin’ It All’. Das haben wir ein ganzes Jahr so durchgezogen. Und auf eine lustige Art und Weise war das auch unser Tod. Ein lebender und vitaler Künstler, der quasi sein altes Tagebuch zum Besten gibt ... das hat uns echt gekillt! Es hat sich so falsch angefühlt, wir dachten, es wäre eine gute Idee, weil es dem Publikum gefallen könnte, was ja auch der Fall war. Wenn man sich dann noch so lange in der Vergangenheit bewegt, wie wir es getan haben, dann hat man keinen Bock mehr auf neue Songs. Mich hat das schon richtig gefrustet, aber irgendwann war ich in der Lage, außerhalb von D.A.D. mich um mein Soloalbum zu kümmern und aktiv zu werden, was schon eine Herausforderung für mich war.“

 Hmm, so ganz muss ich das wohl nicht verstehen, denn so eine Tour finde ich grandios und wäre gern dabei gewesen. Im Endeffekt bekommt man von alten Recken meist eh nur zwei oder drei aktuelle Stücke präsentiert und frönt gnadenlos der glorreichen Vergangenheit.

„Natürlich war die Tour klasse und hat mächtig Spaß gemacht ... wie soll ich das erklären? Entweder du fühlst dich quicklebendig oder bist am Arsch. Bei uns war es meistens halt Letzteres, aber das haben wir halt ziemlich spät gemerkt.“

 Nun ja, kreativ ausgebremst durch eine wahnsinnig geile Oldie-Tour ... Sachen gibt‘s! Aber wir wollen ja mit unseren Freunden nicht zu hart ins Gericht gehen, denn – das hat ja Jesper bereits angesprochen – ist ja noch die Soloscheibe „Dying Is Easy“ veröffentlicht worden. Eigentlich ein ganz klares D.A.D.-Album, mit dem er sogar auf Tour war, wo er nichts aus der ruhmreichen Vergangenheit gespielt hat.

„Natürlich klingt es wie D.A.D., denn ich bin ja ein Teil davon. Für mich war das aber sehr wichtig, denn ich sagte ja bereits, dass ich es als falsch empfunden habe, so viel Zeit in Musik zu investieren, die 25 oder fast 30 Jahre her liegt. Danach wollten die Jungs nichts mehr komponieren, nicht mehr proben oder gar Demos aufnehmen. Das konnte ich irgendwann nicht mehr ertragen.“

 Aber irgendwann hat es mit der Bandchemie anscheinend wieder geklappt, und so blasen uns D.A.D. wie gewohnt gepfefferte Rocksalven um die Ohren.

„Wenn du schon ein neues D.A.D.-Album auf die Menschheit loslässt“, sinniert der Gute, „dann muss alles stimmen. Es ist sehr viel Rock ’n’ Roll diesmal drin, aber du musst auch die richtige Balance finden. Wir haben uns auch sehr viel Zeit dafür genommen, hatten auch die Freiheit dafür. In dem ganzen Prozess haben wir an die 50 Songs geschrieben, aber uns dann nur auf die Essenz beschränkt.“

 Beim Coverartwork muss ich natürlich schmunzeln, weil es schon ein wenig krass ist. Der bekannte Kuhschädel quasi wie ein Jesus Christus ans Kreuz genagelt oder befestigt, das hat was! Würde ich mir definitiv an die Wand hängen! Gibt bestimmt Ärger, aber ist mit Sicherheit so gewollt, weil da jemand richtig provozieren will, oder liege ich da falsch? Da grinst sich wohl gerade am anderen Ende der Leitung jemand ab.

„Ich hoffe, wir können damit provozieren! Es ist ein Symbol der Macht, das wir auf unsere Art und Weise zerlegen, um ihm die Kraft zu nehmen, welche ihm von den Menschen zugesprochen wird. Und ich finde es geil, dieser Reliquie so die Kraft rauszusaugen. Außerdem ist es auch ein Spaß von uns, unser Maskottchen überall unterzubekommen. Es dürfte ja eh klar sein, dass unsere Religion die Rockmusik ist!“

 Aber klar doch! Und mit dem Titelsong habt ihr ein perfektes Glaubensbekenntnis am Start. Für wen habt ihr denn dieses heftige „Gebet“ geschrieben?

„Well, wir sehen ja, wie loyal, stark und liebenswert die ganze Heavy Rock-Gemeinde ist. Wir sind ja als Punk-Band gestartet ... und die Leute hören uns heute noch! Das finde ich unglaublich! D.A.D., das ist Energie und Melodien, und wir sind so dankbar, dass wir immer noch Musik machen können. Und das verdanken wir allein unseren Fans. Und so ist ‘A Prayer For The Loud’ ein spezieller Song für sie. Ganz einfach beim Konzert die Fäuste gen Himmel recken und laut mitgrölen.“

 Kein Problem damit, aber eins hast du wohl vergessen ... das gilt so ziemlich für all eure Hits, die ihr live zelebriert!

„Stimmt schon ein wenig, aber wir sind echt glücklich, dass wir das erreicht haben. Wir haben echt viel Zeit in die Scheibe investiert, weil wir keinen Bullshit abliefern wollten. Somit sollten auch die Texte glaubhaft sein und natürlich sollst du sie mitsingen können. Vielleicht besteht die kleine Gefahr, dass wir uns mal falsch ausgedrückt haben und es einige nicht nachvollziehen können, weil es sie verwirrt und vielleicht zu kompliziert geschildert ist. Kann sein, muss es aber nicht.“ 

Obwohl das Album erst Ende Mai erscheint, waren Jesper und seine Jungs bereits mit einer kleinen Tour in ihrer Heimat aktiv. Das verblüfft mich natürlich, auch die Tatsache, dass ganze sechs Songs von „A Prayer For The Loud“ sich schon in der Setlist befanden, die natürlich bis dato keiner kannte.

„Bei der Planung für die Shows waren wir der Meinung, dass die Veröffentlichung schon vorher stattfinden würde. Die neuen Stücke zu spielen, war eine Riesensache für uns. Auch für das Publikum übrigens! Du weißt ja selber, dass es schwierig ist, neue Lieder zu präsentieren, die keiner kennt. Da sind die Leute dann verhalten, aber hey, das war nicht der Fall! Und wenn ich das aus der Distanz her betrachte, dann behaupte ich mal, dass nur das Livespielen real ist und etwas zählt. Videos, Interviews, Magazine ... all diese Sachen zählen nicht so viel wie das Abrocken von neuem Material auf der Bühne.“ 

Direkt nach VÖ gibt es eine großangelegte Tour durch Dänemark und Schweden, für die die Daten schon feststehen. Unsere Leser und mich interessieren allerdings logischerweise eher die Deutschland-Termine!

„Ich schätze, wir spielen in Europa so 40 Konzerte. Meines Wissens ist die Tour für Deutschland für Dezember anvisiert, wobei es sein kann, dass wir bereits Ende November bei euch unterwegs sind. In Wacken spielen wir aber auch!“

Text: Chris Glaub 

 

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