Def Leppard

Do you wanna get rocked???

„Do you wanna get rocked???“, schreit Sänger Joe Elliott in die tobende Menge. Die Antwort hallt ihm tausendfach entgegen. Dann legen Joe und seine Bandkollegen Rick „Sav" Savage (Baß), Rick Allen (Drums) sowie die Gitarristen Vivian Campbell und Phil Collen mit einem zweistündigen Rock-Feuerwerk los. Es herrscht Partystimmung, die positive Ausstrahlung der Band überträgt sich binnen Sekunden auf die Fans. So war es vor etwa 24 Jahren, als die „tauben Leoparden“ das „Rock Am Ring“-Festival 1993 rockten und der Welt zeigten, was „Rock“ ist. Fast ein Vierteljahrhundert später scheint es genauso zu sein, betrachtet man deren Auftritt aus Detroit 2016, der gerade auf DVD/ Blu-ray unter dem Titel „ … And There Will Be A Next Time ... Live From Detroit“ erschienen ist. Ein wenig scheint die Zeit still gestanden zu sein, und dennoch ist viel passiert. Prof. Dr. Christof Graf unterhielt sich mit Def Leppard-Gitarrist Phil Collen über die Geschichte der Rock-Supergroup aus den 80ern, die auch heute noch und wieder mehr denn je Kultstatus inne hat.

Def Leppard sind angesagt wie eh und je. Ihr letztes, schlichtweg „Def Leppard“ genanntes Album aus dem Jahr 2015 erreichte erneut Platz #1 der USA Billboard Top Rock Albums Charts. Es war das erste seit dem 2008 veröffentlichten „Songs From The Sparkle Lounge“ und wurde von der Band selbst sowie einmal mehr von Langzeit-Partner Ronan McHugh produziert und in „Joe’s Garage“, dem Studio des Def Leppard-Sängers Joe Elliott, aufgenommen. Es beinhaltete das, was Def Leppard-Fans lange vermißten: eine mitreißende erste Single wie „Let’s Go“, ein baßlastiges „Man Enough“ sowie etwas Hymnenhaftes wie zum Beispiel „Sea Of Love“. Es waren sogar zukünftige Klassiker wie „Blind Faith“ und „Dangerous“ darunter. Im Sommer 2015, bei nur wenigen Konzerten in Deutschland, erklärte Joe Elliot: „Wir haben uns im vergangenen Jahr getroffen, um unser Material zu sichten und vielleicht eine EP mit zwei, drei Lieder aufzunehmen. Aber plötzlich waren da 12 Songs, auf die wenige Wochen später noch zwei weitere folgen sollten. Es ist das erste Album, welches wir aufgenommen haben, ohne bei einem Label unter Vertrag zu stehen, und somit auch das erste, bei dem uns niemand über die Schultern geguckt hat. Unsere kreative Freiheit war gewaltig, und ich glaube, daß man dies auch den Songs anhören kann.“ …
„Und genau das war auch der Grund, auf große Welttournee zu gehen, woraus auch das jetzt erschienene Live-Dokument stammt“, so Phil Collen.

Mit über 100 Millionen verkaufter Alben und einer Karriere, die über drei Jahrzehnte reicht, gilt die 1977 in Sheffield gegründete Band seit jeher als eine der weltweit erfolgreichsten britischsten Rockbands. Def Leppard schufen während ihrer einflußreichen Karriere unzählige Hitsingles und bahnbrechende, mehrfach mit Platin ausgezeichnete Alben. Darunter auch „Pyromania“ (1983) und „Hysteria“ (1987), zwei der erfolgreichsten Alben aller Zeiten mit über 10 Millionen verkaufter Einheiten alleine in den USA, auf denen mehr als 10 Hitsingles, unter anderem „Rock Of Ages“, „Animal“, „Pour Some Sugar On Me“ und „Foolin’“ zu finden sind.
Def Leppard – Joe Elliott (Vocals), Vivian Campbell (Gitarre), Phil Collen (Gitarre), Rick "Sav" Savage (Baß) und Rick Allen (Drums) – überzeugen aber auch über 40 Jahre nach ihrer Gründung im Rahmen ihrer spektakulären Liveshows mit kraftvollen Melodic-Rock-Hymnen und füllen weltweit die größten Hallen. Mit ihren epischen Auftritten und einem Arsenal voller Hits gelten die Rocklegenden sowohl in der Musik- als auch in der Livebranche als die Institution schlechthin.
Seit Ende der siebziger Jahre sind sie die Speerspitze der britischen Rockszene, die schon immer mehr als nur eine Heavy Metal-Band waren. Sie hatten früh das Gespür für Melodien entwickelt, die sie in ihren ungestümen, zu Beginn (1979) noch sehr rauhen Sound einfließen ließen, als sie das Albumdebüt „On Through The Night“ (1980) veröffentlichten und mit „Pyromania“ (1983) den großen Durchbruch erlebten.
Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Def Leppard-Konzert 1993 beim Rock am Ring-Festival. Das war die Zeit zwischen „Adrenalize“ (1992) und „Slang“ (1996). „Aber ‘Slang’ war damals anders und läutete eine Art ‘Down-Phase’ von Def Leppard ein“, erläutert Phil, angesprochen auf die damalige Zeit.
„Ja, das stimmt“, sagt er. „‘Slang’ hatte Blues, viel Melancholie und psychedelische Elemente haben Einzug in den klassischen Def Leppard-Sound gehalten“, erzählt der Gitarrist, der seit 1982 bei der Band ist, die 1977 von Sänger Joe Elliot den Namen erhielt. „Und alle Songs waren irgendwie anders“, sagt Phil über das Album von damals: „Es gab das sehr orientalisch angehauchte ‘Turn To Dust’ oder das emotionale ‘All I Want Is Everything’ oder total rockige Songs wie von uns bekannt aber – alle Songs stammen von derselben Band! ‘Slang’ war ein kleiner Schritt für alle beteiligten Musiker, aber ein großer für die Band Def Leppard. Wir gewannen damals ein neues Selbstbewußtsein aufgrund des Songwritings, und das machte das Album zu einem großen Rockalbum. Bei ‘Hysteria’ [1987] oder meinetwegen auch noch ‘Adrenalize’ (1992) hieß es immer wieder, was für eine tolle Produktion die Scheiben hätten“, beschreibt er den damaligen Sinneswandel. „Das wollten wir zum Beispiel mit ‘Slang’ bewußt vermeiden, denn wir wollen uns ja musikalisch weiter entwickeln, und letztendlich ist die Musik immer wichtiger als die Produktion.“

Die damalige Philosophie war: „Manchmal ist weniger einfach mehr, so war das Erfolgsgeheimnis von Def Leppard.“
„Es ist aber auch die Tatsache, daß hier fünf Musiker und Menschen über Jahrzehnte hinweg eine besondere menschliche Beziehung pflegen und dabei Kunst und Kreativität produzieren und sich auch durch Schicksalsschläge nicht auf ihrem Weg aufhalten lassen, das ist das Add-on, nochmal 20 Jahre und einige Hochs und Tiefs später“, so Phil, und er ist noch immer von der absoluten Integrität der Band und ihrer Mitglieder begeistert.

Steve Clark, der wasserstoffblonde Gitarrist, der mit 30 Jahren 1991 an einer Überdosis Alkohol und Drogen starb, war übrigens nicht der erste Schicksalsschlag, den die fünf „tauben Leoparden“, die 1977 in der mittelenglischen Industriestadt Sheffield als Schülerband anfingen, wegstecken mußten: Silvester 1984 verlor Drummer Rick Allen bei einem Autounfall seinen linken Arm. Doch keine Sekunde dachte die Band daran, ihren Freund deshalb „auszumustern“. Rick, der „Donnergott“, spielte danach auf einem Spezial-Drumkit, das er mit einem Arm und beiden Beinen bedienen konnte. Mit Hilfe einer neuen Schlagzeugtechnik war er wieder in der Lage zu trommeln und Def Leppard blieb er erhalten.
„Und dann gab es auch noch diesen Streit über die Urheberrechte 2012“, erzählt Phil. „Es ging um die Nutzungsrechte unserer älteren Werke unter anderem für digitale Angebote. Aber wir konnten uns mit der Plattenfirma nicht einigen. [Eine Regel im Urheberrecht sieht zum Beispiel vor, daß neue Versionen eigener Lieder auch dann erlaubt sind, wenn die Nutzungs- und Verwertungsrechte bei Dritten liegen – d. Verf.]

Phil, wenn du die Geschichte von Def Leppard Revue passieren läßt und jedem Jahrzehnt eine Überschrift geben würdest, wie würde sie lauten?
„Die 70er waren die Gründerzeit. Da spielten wir wie so viele Schüler- und Coverbands Songs unserer Helden nach. Die 80er waren das Jahrzehnt des Rock. Es war das Jahrzehnt von so großen Bands wie Iron Maiden, Van Halen, Judas Priest. Die Plattenfirmen hatten viel Geld und investierten viel in Bands wie uns. Die 90er waren das Jahrzehnt des Einbruchs. In den 90ern änderte sich sehr viel. Die Plattenindustrie machte weniger Umsätze, es wurden weniger CDs verkauft, und obwohl es viele neue Bands gab, investierte man in ‘Produkte’ kurzfristig, die sich gut verkauften, die Industrie investierte aber nicht mehr in Bands wie uns, auch nicht in die, die nach uns kamen. In den 90ern hatten es Gruppen wie wir schwer. Grunge Rock löste den Rock der 80er Jahre ab. Das ging bis etwa Ende 1999 so. Die 90ern standen für einen großen Wandel, und es wurde nicht auf das Künstlerische, sondern nur noch auf das Business und ‘schnelles Geld machen’ geschaut. Anfang der 2000 war die Zeit der Ernüchterung. Die 90er waren so etwas wie ein Realitätscheck, daß die 80er vorbei waren, und in den 2000er waren wir alle irgendwie plötzlich in der Zukunft angekommen und jeder schaute, wie er mit den neuen Tatsachen, zu denen auch die Weiterentwicklung des Internets und die der Digitalisierung gehörten, zurechtkam. Es dauerte, bis man den Wert einer Band wieder erkannte. Hinzu kam auch, daß es in den 2000ern immer weniger Plattenfirmen gab, die überlebt hatten. Und das beschreibt letztendlich auch die Zeit, in der wir heute leben.“
Text: Prof. Dr. Christof Graf
Pic by Ross Halfin assisted by Kazuyo Horie & John Zocco

 

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