Slade

 „Wir waren größer als T. Rex“

Slade-Mitbegründer Noddy Holder über das wiederveröffentliche Kult-Album „Slade Alive!“

Backslash 1969. Eine Band namens „’N Betweens“ nannte sich in „Ambrose Slade“ um. Damals sahen die noch wie Skinheads aus und rannten dem Erfolg hinterher. Erst 1971 wurden Dave Hill (Gitarre), Jim Lea (bis 1992 am Bass, Gitarre, Geige, Piano), Don Powell (Schlagzeug) und Noddy Holder (bis 1992 Gesang, Gitarre) mit dem verkürzten Bandnamen „Slade“ und Glam-Rock-Hits weltbekannt. „Slade Alive!“, das Album, das Menschen, die in den 70er Jahren rocktechnisch sozialisiert wurden, nie vergessen, erschien erstmals am 24. März 1972. Die LP erreichte Platz 2 der UK Album-Charts und konnte sich in den Billboard Top 200 in den USA (# 158) platzieren. Seit der Veröffentlichung zählt „Slade Alive!“ zu den populärsten Live-Alben aller Zeiten. Obwohl Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger Noddy Holder seit 1992 nicht mehr bei der Band ist und diese aktuell nur noch mit Dave Hill/Don Powell und zwei Neuzugängen tourt, gilt die Reibeisenstimme Noddy Holders als das Markenzeichen von Slade. „Mr. Slade“ Holder erzählte Christof Graf, was es mit dem Album auf sich hat und wie sehr er sich an die Glam-Rock-Zeiten noch erinnert.

Bist du dir 40 Jahre nach der Erstveröffentlichung bewusst, wie legendär Euer Album „Slade Alive!“ überhaupt ist?
„Oh ja, sage ich mal ganz unbescheiden, weil es tatsächlich eine Besonderheit im Rock-Biz darstellt. Nach dem Erfolg der Singles ‘Get Down And Get With It’, ‘Coz I Luv You’ und ‘Look Wot You Dun’ und unserer damals wirklich hart erarbeiteten großen Live-Reputation wollten wir den für uns typischen und damals so nicht von anderen Bands gehörten Live-Sound auch auf einer Platte umsetzen. ‘Slade Alive! ’ wurde 1972 innerhalb von drei Tagen ohne sogenannte ‘Overdubs’ im Command Theatre Studio in London für gerade einmal £ 600 aufgenommen. Unser Manager meinte, es wäre besser, ein Live-Album aufzunehmen als ein Studio-Album, also baute er in dem kleinen Theater ein kleines Studio auf, lud an drei Abenden je 300 Fans ein und wir nahmen alles auf, was wir spielten. Einen Teil der Aufnahmen stellten wir damals der BBC für deren ‘Top Of The Pop’-Sendung zur Verfügung. Aus dem ganzen Material suchten wir uns dann die Songs heraus, die wir am besten fanden. Neben eigenen Titeln präsentiert das Album auch vier Coverversionen, so Ten Years Afters ‘Hear Me Calling’, John Sebastians ‘Darling Be Home Soon’, Little Richards ‘Get Down And Get With It’, das für Slade in der Studioversion Mitte 1971 ein Top 20-Hit in Großbritannien wurde, und Steppenwolfs Klassiker ‘Born To Be Wild’.“
 
Bei „Slade Alive!“ reden wir von einem nunmehr 45 Jahre alten Album. Wie nah sind dir die Erinnerungen daran?
„Die Erinnerungen sind immer noch lebendig, obwohl ich zugeben muss, dass das wirklich extrem lange her ist. Hätte ich keine Autobiografie geschrieben, für die ich viel recherchiert habe, wären die Erinnerungen noch karger, ehrlich gesagt.“

Lass uns ein wenig über die Geschichte von Slade unterhalten …

„Du kannst mich über alles fragen, schließlich habe ich im Jahre 2000 darüber auch ein Buch geschrieben, ‘Who’s Crazee Now? My Autobiography’, aber du solltest wissen, dass ich ‘nur’ bis 1992 bei Slade war und danach eine Solo-Karriere startete …“

Was schon genug Raum für Fragen gibt … Was hast du seitdem gemacht?
„Ich bin eigentlich sehr aktiv, habe 2015 noch ein weiteres Buch mit dem Titel ‘The World According To Noddy: Life Lessons Learned In and Out of Rock & Roll’ herausgebracht und agiere sehr viel als Sprecher bei der BBC. Musik mache ich nicht mehr so aktiv wie die Kollegen Hill/ Powell.“

Und warum seid ihr damals eigentlich auseinander gegangen?
„Alles hat seine Zeit und einen Grund dafür gibt es wohl nicht wirklich. Eigentlich sollte niemand von uns darüber mehr reden, denn als wir um 1991/1992 darüber mit Medien sprachen, hatten wir das Gefühl , jeder erzählte etwas anderes und die Medien machten daraus ihre eigenen Schlagzeilen, was eine gewisse Abnutzung in der Band zusätzlich befeuerte. Kurzum, innerhalb der Band herrschte ‘Kindergarten’. Wir gehören wohl zu jenen Bands, die aufgrund ihrer unzähligen Live-Engagements ausgebrannt waren und uns auf Tourneen begannen, auf die Nerven zu gehen. Solche Diskrepanzen gibt es bei vielen Bands. Die einen bleiben des Geldes wegen zusammen, andere reisen in getrennten Bussen, haben eigene Garderoben und sehen sich tatsächlich nur für die Zeit auf der Bühne und wechseln sonst keine Worte mehr miteinander und kommunizieren nur noch über ihre Manager und wiederum andere trennen sich. Ich bin keiner dieser, die des Geldes wegen das machen oder über Manager kommunizieren, mir ging es um die Band und um die Musik, also entschloss ich mich Ende 1991, mehr für die Familie da zu sein, und schlug der Band eine längere Pause vor, um etwas Abstand voneinander zu gewinnen, anstatt aufgrund der etwas nervenden Nähe weiterzumachen. Doch die Band hatte schon eine UK- und anschließende Europa-Tour gebucht, ohne mich zu fragen. Hätten Sie mich gefragt, hätte ich nein gesagt, also wurde ich nicht gefragt und sagte nein zur Tour. Die Konsequenz war, dass ich die Band verließ und dieses Kapitel schloss. Wäre ich geblieben, wäre es gewesen, als wäre ich mit der falschen Frau verheiratet geblieben, und das gleich dreimal zur gleichen Zeit. Es war gut, dass ich gegangen bin.“

Dennoch machst du jetzt Promotion für ein „Slade-Album“ …
„… an dem ich maßgeblich zu Zeiten seiner Entstehung beteiligt war und als Gründungsmitglied viel dazu zu sagen habe. Aber du hast recht, und ich gebe solche Interviews wirklich nur noch sehr selten und auch nur, weil mir das Album sehr am Herzen hängt.“
Text: Prof. Dr. Christof Graf
Pic by Barry Plummer

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