Styx

Das Raumschiff „Styx“ startet zurück in die Zukunft
Im Gespräch mit einem Gitarristen über eine Reise zum Mars

Die Band gibt es schon länger, als man denkt. Für viele beginnt die Existenz der US-amerikanischen Rocker allerdings erst mit einem ihrer größten Hits „Boat On The River“ (1980). Andere haben Styx vielleicht schon durch ihre härtere Gangart bei den Singles „Renegade“ oder „Blue Collar Man“ des damals schon achten Albums „Pieces Of Eight“ 1978 etwas früher entdeckt. Die wenigsten kennen Styx seit Anbeginn im Jahre 1972. Jetzt erscheint von der amerikanischen Band, die ursprünglich aus Chicago stammt, deren 16. Studioalbum namens „The Mission“. Gründungsmitglied und Gitarrist James Young sprach mit Prof. Dr. Christof Graf darüber und informierte über den aktuellen Stand der Dinge bei „Styx“.

Die Organisation von Telefoninterviews mit US-amerikanischen Bands ist derzeit nicht immer die einfachste. Die Kunst, das Prozedere, gebuchte virtuelle Telefon-Konferenzräume zu beherrschen, beherrschen oft auch deren Organisatoren selbst nicht. Und so benötigte es drei Anläufe, um auch dieses Interview zunächst nicht zu Stande zu bringen. Zum vereinbarten Termin im telefonischen Konferenzraum und unter mitgeteilter Backup-Nummer war niemand zugegen. Umso erfreulicher war es dann, als schließlich Styx-Gründungsmitglied und Gitarren-Mastermind James Young einige Minuten später auf meinem Handy zurückrief und sich für die kleine Unpässlichkeit, nicht erreichbar gewesen zu sein, entschuldigte. Ich wiederum bat darum, auf der Landline nochmal anzurufen, damit ich das Gespräch besser mitschneiden könne. Mr. James Young, sagte nur „Jawoll“, legte auf und rief nochmal auf der Landline an und das Interview konnte seinen Lauf nehmen.
Um keine Zeit der vereinbarten 30 Minuten Gesprächszeit zu verlieren, stieg ich gleich mit der Frage ein, warum nach dem letzten Studioalbum „Big Bang Theory“ aus dem Jahre 2005 zwölf Jahre vergehen mussten, um endlich an einem neuen Machwerk zu arbeiten?
„Nun ja, wir waren ja die letzten zwölf Jahre nicht untätig und wir sind eine Band, die zwar als ‘Chicago-Band’ gesehen wird, aber eigentlich sind wir über die gesamten USA verstreut. Jedes unserer sechs Mitglieder lebt mittlerweile in einem anderen Bundesstaat. Da ist es nicht immer einfach, gleiche Interessen unter einen Hut zu bringen. Jetzt geht es darum, das 40-jährige Jubiläum der Veröffentlichung vom Album ‘The Grand Illusion’, unserem bestverkauften Album aller Zeiten, zu feiern. Und das feiern wir mit der Arbeit an einem neuen Album.“

Ein großer und nicht selten vorzufindender Aufwand, schließlich handelt es sich nicht um ein Bandjubiläum …
„Nun ja, wir könnten es unser 45-jähriges Bandjubiläum nennen, aber Spaß beiseite, es ging darum, den richtigen Zeitpunkt zu finden. ‘The Mission’ wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren in den ‘Blackbird Studios’, ‘The Shop’ und ‘6 Studio Amontillado’ in Nashville aufgenommen. Die einzelnen Songs dokumentieren, wie wir alle noch gut funktionieren und harmonisieren.“

Das Album wurde in Nashville aufgenommen. Viele Musiker aus der Singer/Songwriter-Szene gehen nach Nashville, um Alben aufzunehmen. Wolltet ihr gar etwas Country-orientiert aufnehmen?
„Nein, es hatte eher organisatorische Gründe. Tommy Shaws Frau kommt aus Nashville und zog wieder dahin. Tommy selbst kommt aus Alabama, nicht weit weg von Nashville, und so ließen wir uns nach Nashville locken. Tommy, als derzeitig kreativer Leader der Band kennt dort sehr viele Studios, die auch schon von zahlreichen Class-Rock-Bands genutzt wurden. Ansonsten sind wir alle verstreut, leben in Chicago, New York und Los Angeles, sind aber schon eher Südstaatenorientiert.“

Das Album ist ein Konzeptalbum. Welche Geschichte steckt dahinter?
„Die 14 neuen Songs sind aus der Perspektive einer sechsköpfigen Crew geschrieben worden, die für den Jungfernflug der Raumfähre ‘Khedive’ angeheuert wurde. Die Besatzung der ‘Khedive’ besteht aus dem anpackenden Piloten, dem innerhalb der Crew ausgleichenden ersten Offizier, einem dem Erfolg der Mission eher skeptischen, aber gleichzeitig genialen Ingenieur und einem herausragenden Trio aus Wissenschaftler, Astrophysiker und Survival-Experte. Tommy Shaw [Sänger und Gitarrist von Styx] ist für die Story des Albums verantwortlich. Die hat er zusammen mit Will Evankovich [Shaw/Blades, The Guess Who] geschrieben. Wir betrachten es als unser mutigstes und symbolträchtigstes Album seit ‘Pieces Of Eight’. Motiviert, dieses Album als Konzeptalbum mit dieser Story zu entwickeln, wurden wir durch die Ambitionen der NASA, auf dem Mars nach Leben zu suchen.“

Glaubst du an ein solches außerirdisches Leben?
„Es geht nicht darum, ob ich oder wir als Band daran glauben. Ich bin aber von der Idee fasziniert, sich von der Ignoranz zu verabschieden, dass das Leben auf der Erde das einzige existierende sein könnte. Vielleicht liegt es daran, dass wir einer Generation angehören, die völlig fasziniert davon war, dass man von der Erde mit einer Rakete zum Mond fliegen kann. Also warum sollte man 50 Jahre später nicht auch zum Mars fliegen können und dort etwas finden, von dem man nicht weiß, dass es existiert.“

Und diese 14 neuen Songs erzählen davon? Was kannst du über die Stücke sagen?
„Das Album startet nach einer einführenden Ouvertüre, die die Startvorbereitungen musikalisch begleiten, und geht dann in den Song ‘Gone Gone Gone’ über. Ein Song, der einfach nur das aussagen soll, was beim Start einer Rakete passiert: Es wird Gas gegeben, abgehoben. Und genau das soll der Song wiedergeben: Styx geben wieder Gas und zwar genauso und in dem AOR-Sound, wie man uns kennt. ‘Hundred Million Miles From Home’ ist ein typischer Easy-Going-Mid-Tempo-Rock-Song, den man immer und überall hören kann, um gute Stimmung zu bekommen. ‘Trouble At The Big Show’ ist musikalisch ein Song, der mich an mein großes Vorbild Jimi Hendrix erinnern soll. Ihn sah ich damals schon vor seinem Woodstock-Auftritt live als Neunzehnjähriger vier, fünf Mal zuvor. Ein unvergessliches Erlebnis, dessen unvergessliche Faszination ich nun nochmal musikalisch verarbeiten wollte und diese Faszination passt gut zu unserer ‘Marsreise’. ‘Locomotive’ beschreibt das Instrument, das uns von der Erde zu einem anderen Ort bringt. ‘Radio Silence’, den Moment der Separation, der Moment, wenn plötzlich alles still um einen ist. Du kannst es auch anders erklären. Und so sind eigentlich alle Songs zu verstehen. Stell dir einfach vor, wie es ist, wenn du im Jahre 2017 noch immer kommunizierst wie 1969. Nämlich ohne Smartphones. Stell dir einfach vor, wie du dich fühlst ohne Tablets, IPhones und Laptops, ohne W-LAN auskommen zu müssen. Darüber gehen viele dieser neuen Styx-Songs. Vordergründig beschreiben sie eine Reise zum Mars, tiefgründig sind sie auch als Analogien zu sehen. Und dementsprechend ist auch ‘The Greater Good’ zu sehen. Es geht darum, zu hinterfragen, wie wichtig dir Deine Lieben sind und was du bereit bist, für sie zu geben, loszulassen, für sie auf etwas zu verzichten. Und ‘Time May Bend’ ist die logische Folgeantwort darauf: Die Zeit wird es zeigen, inklusive der Gedanken, ob es richtig ist, das die Zeit entscheiden zu lassen. Und ob es womöglich ‘Ten Thousand Ways To Be Wrong’ gibt, weiß ich nicht, aber es ist wichtig herauszufinden, welche Alternativen man im Leben hat. ‘Red Storm’ verlässt ein wenig die Meta-Ebene der Songs und beschreibt schlichtweg die Ankunft auf dem roten Planeten. Und im elften Song ‘All Systems Stable’ macht sich in der Storyline eine gewisse Entspannung breit. Die Aufgabe ist geschafft und man kann sich Neuem widmen. ‘Khedive’ ist das ägyptische Wort für ‘großer Krieger’ und ehrt jene, die ‘Großes’ bewirkt haben. ‘The Outpost’ beschäftigt sich mit der Veränderung, auch mit dem, was Veränderung bei Menschen bewirkt, wenn man ‘Großes’ wie zum Beispiel eine Reise zum Mars, bewirkt hat. Der finale Song ‘Mission To Mars’ ist so etwas wie eine Art Zusammenfassung all solcher Gedanken. Soviel zum Konzept des Albums, soviel zur Geschichte eines jeden Songs, wenn man mich spontan wie du jetzt darauf anspricht. Musikalisch ist ‘The Mission’ ein zeitloses Styx-Album geworden und soll an Alben wie ‘The Grand Illusion’ und ‘Pieces Of Eight’ erinnern, an die 70er Jahre und an die Art von Progrock, mit der Styx immer in Verbindung gebracht wird und die wir eben jetzt nochmal zurück in Erinnerung bringen wollten.“
Text: Prof. Dr. Christof Graf
Pic: Rick Diamond

 

 

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