Kissin’ Dynamite

Das ganz große Gefühl!

Vor elf Jahren traten fünf Jugendliche aus dem schwäbischen Burladingen (Tübingen) von Null auf Hundert ins Heavy-Metal-Rampenlicht. Die Rede ist natürlich von Kissin’ Dynamite, die mit ihrem Debütalbum „Steel Of Swabia“ selbst altgediente Rockexperten in ganz Deutschland überraschten. Von da an war der Siegeszug nicht mehr aufzuhalten und die junge Band eilte von Erfolg zu Erfolg. Ich durfte damals schon das erste Interview für unser Break Out in Köln führen, weshalb ich mich auch freute, als mich unser Herausgeber erneut mit dieser Aufgabe betraute. Klar, die Jungs könnten vom Alter her locker meine Kinder sein, was aber nichts daran ändert, dass die Musik von Kissin’ Dynamite qualitativ schon seit jeher sehr erwachsen klingt. Letztes Jahr feierte die Gruppe um die Rampensau mit der Hammerstimme Hannes Braun ihr 10-jähriges Bühnenjubiläum, das mit der Live-CD/DVD „Generation Goodbye Live“ in Bild und Ton festgehalten wurde. Dieses Live-Dokument bestätigte, was jeder Fan vorher wusste: Kissin’ Dynamite fühlen sich am wohlsten auf der Bühne und geben ihre unbändige Energie eins zu eins an ihr treues Publikum weiter. Und jetzt, ein Jahr nach den Feierlichkeiten, steht schon mit „Ecstasy“ das neue Studio-Langeisen bereit, das den nächsten Schritt in Richtung Gipfel einleiten sollte. Und so unterhielt ich mich erneut mit dem äußerst positiv selbstbewussten und höchst motivierten Frontmann Hannes nicht nur über alte und neue Zeiten. Der machte auch schon gleich nach der ersten Frage mein vorher festgelegtes Fragen-Konzept kaputt, indem er sofort mit der Tür ins Haus fiel und über das Covergirl die Verbindung zum neuen Langeisen herstellte ...

Hannes, zuerst die wichtigste Frage vorab: Wer ist das verdammt hübsche Covergirl vom neuen Album und hast du ihre Telefonnummer?
„Haha, du bist mir vielleicht einer, das hat mich bis jetzt noch kein Journalist am Anfang gefragt! Ich habe zwar ihre Telefonnummer, aber die kannst du auch ganz leicht selber rauskriegen. Das ist Anna Lena, ein Model das wir gebucht haben, weil sie genau das gewisse Etwas hat, das wir für den Look unseres Covers gesucht haben. Sie sollte sexy wirken, aber nicht bitchy, und sie drückt mit ihrem zufriedenen Gesichtsausdruck genau das aus, was wir mit dem Titel ‘Ecstasy’ gemeint haben. Die meisten Leute denken natürlich bei dem Wort Ecstasy in erster Linie an die Droge, die jedoch das hervorrufen soll, was das Gefühl Ecstasy meint, also Ekstase und völlige Zufriedenheit. Und für mich sieht Anna Lena auf diesem Bild völlig in sich feiernd aus. Sie strahlt genau diese vollkommene Zufriedenheit aus und das wirkt auf mich und auf uns völlig ekstatisch.“

Gott sei Dank, ich dachte schon ihr verherrlicht jetzt den Drogenkonsum (was von mir natürlich scherzhaft gemeint war!).
„Nein, natürlich nicht! Wer eine nähere Beziehung zu Drogen hat, kann sich das natürlich so herleiten, wenn er will. Aber wir haben den Albumtitel auch nicht willkürlich gewählt. Erstens gibt es den gleichnamigen Song, der sehr positiv ist und dieses Gefühl der Ekstase in sich verkörpert, und zweitens zieht sich diese Stimmung wie ein roter Faden durch das ganze Album. Also die ganz großen Emotionen wollen wir mit der Platte hervorrufen, wenn du Songs wie ‘I’ ve Got The Fire’ oder ‘Not Alone’ hörst, doch auch bei negativeren Titeln von der Message wie ‘Heart Of Stone’ werden immer von uns die großen Gefühle angesprochen. Wir wollen diese Emotionen ganz nah an die Menschen heranzoomen. Das ist auch der Unterschied zu ‘Generation Goodbye’, das textlich ein wenig weltverbesserlich war und musikalisch damit einhergehend etwas bombastischer. Jetzt setzen wir vermehrt auf positive Vibes, Leichtigkeit und sozusagen die direkte Gefühlswelt.“

Ich muss gestehen, dass ich von euch noch kein Album gehört habe, das mir von Anfang bis Ende so gut gefallen hat wie jetzt „Ecstasy“. Irgendwie klingt es back to the roots, deckt aber die ganze Palette moderner Rockmusik ab, von Stadion-Rock über Balladen bis hin zu treibenden Metalnummern. Und dazu immer diese unwiderstehlichen Melodien, die mich mitreißen. Und von technischen Spielereien zu „Megalomania“ ist Gott sei Dank auch nichts mehr zu hören.
„Danke, das freut mich zu hören. Pass auf, ich beschreibe es jetzt mal etwas bildhaft: Ich vergleiche unseren Werdegang ganz gerne mit einem Menschen, der durch verschiedene Stadien im Leben geht. Bei unserem Debüt ‘Steel Of Swabia’ waren wir ja tatsächlich fast noch Kinder, die nicht wussten, was sie machen und wo sie hin wollen. Wir hatten noch viele Vorbilder und Idole und genauso klang unser erstes Album auch. Mal schienen AC/DC durch und mal klangen wir nach Edguy, Iron Maiden oder Helloween, aber es hatte noch keinen eigenen Stempel. Wie auch mit 15 oder 16?“

Das ist schon klar, trotzdem klang euer Debüt schon sehr professionell und musikalisch ausgereift. Das betraf vor allem die vorzügliche Produktion, die internationalen Maßstäben entsprach. Vor allem live schien es so, als handelte es sich bei euch um ganz abgezockte Hunde. Nicht wenige mutmaßten damals, dass nicht jeder Ton auch aus dem Instrument kam, nach dem es klang. Irgendwie klangen die ersten Konzerte „zu“ perfekt und durchgestylt.
„Ja, das glaube ich gerne, aber die meisten Leute vergaßen, dass wir uns schon lange vor dem Album jeden Tag im Proberaum eingeschlossen und uns die Finger wund gespielt hatten. Wir waren schließlich eine Schülerband, die schon viele Auftritte hinter sich hatte und dementsprechend auch richtig gut eingespielt war. Aber klar mussten wir zu der Zeit noch viel üben, was sich dann bei den ersten Shows nach ‘Steel Of Swabia’ ausgezahlt hat.“

Ich habe dich unterbrochen, wie ging es dann weiter für euch?
„Dann kam ‘Addicted To Metal’, das dann nicht mehr ganz so krass nach links oder rechts außen ausgeschweift war, und mit ‘Money, Sex And Power’ hatten wir erstmalig ein eigenes Identitätsmerkmal am Start. Jetzt bleibe ich mal beim Kinderbild, jetzt kommst du in die Pubertät und alles schaltet sich ab, willst dich selber neu erfinden und alles in Frage stellen. Das war dann der Punkt von ‘Megalomania’, den wir auch übrigens nicht bereuen. Es war für uns ein ganz wichtiges Album, bei dem wir Grenzen ausloten konnten. Außerdem sind uns synthetische Klänge bis in die heutige Zeit erhalten geblieben, aber nicht mehr von vornherein hörbar und in dem Ausmaß wie bei ‘Megalomania’. Die hatten wir ja schon auf dem letzten Album ‘Generation Goodbye’ ziemlich zurückgeschraubt. Insgesamt kann man schon behaupten, dass unser neues Album mehr oder weniger back to the roots ist, was jedoch auch der Leichtigkeit an der Sache geschuldet ist und auch am Entstehungsprozess liegt. Wir waren ja mit der letzten Platte zwei Jahre auf Tour und kamen nach den Festivals letztes Jahr im Spätsommer erstmal zur Ruhe. Wir waren auch ehrlich gesagt richtig platt. Unser Vertrag mit unserer letzten Plattenfirma AFM lief aus und ich hatte ein Gespräch mit unserem Trommler Andi, der ja unser Haupttexter ist, dass wir erstmal langsamer und nicht gleich ein neues Album machen müssten. Zumal gingen wir nicht auf die Suche nach einem neuen Label. Lustigerweise hatten wir kurz nach diesem Gespräch just for fun wieder angefangen Songs zu schreiben. Das hatten wir ewig nicht getan, weil wir vorher immer eine Deadline hatten, wann die neue Scheibe fertig sein muss, um die Verträge zu erfüllen. In diesem Falle war das halt nicht so, wir konnten völlig ohne Druck und unbefangen an die Sache herangehen. Als wir ungefähr die Hälfte der Songs für ein etwaiges neues Album fertig hatten, rief mich der Ben Voss von Sony an und sagte, dass er uns unbedingt haben wollte. Okay, so kam es dann, und um den Kreis zu schließen, ist der Begriff ‘back to the roots’ für ‘Ecstasy’ eine logische Konsequenz. Und zwar deshalb, weil dieses Album all das verkörpert, was Kissin’ Dynamite im Innersten ausmacht, weil es aus einer inneren Leichtigkeit heraus entstanden ist, um es etwas blumig zu beschreiben.“

Du hast gerade die letzte große Tour angesprochen. Jetzt geht es bald wieder auf Konzertreise, wie das ja auch normal ist, wenn man als Rockband eine neue Scheibe draußen hat, die man promoten möchte. Zuletzt wart ihr ja als Headliner unterwegs und eure Shows waren auch sehr gut besucht. In Kürze geht es als Support für Powerwolf durch Europa, bedeutet das nicht einen kleinen Rückschritt?
„Die letzte Tour lief mehr als okay, es war sogar die erste erfolgreiche Headliner-Tournee bisher von uns, wir haben insgesamt vor über 10.000 Leuten gespielt! Das Ding war, dass wir ein Standing erreicht hatten, das am Ende zu stagnieren drohte. Klar, Abkacken ist das Schlimmste, was dir als Musiker passieren kann, aber Stagnation ist eben die zweite Stufe davon. Du kennst uns, wir sind immer noch jung, wir sind immer noch hungrig und wollen immer noch mehr. Ein Indiz dafür ist der Schritt zurück zu einem Major-Label, und was das Touren angeht, mag es vordergründig wie ein Schritt zurück aussehen. Aber die Wirklichkeit ist, dass wir uns als Vorgruppe von Powerwolf größer präsentieren können. Powerwolf ist mit DIE Band der Neuzeit im Metal und der Vorverkauf läuft wirklich großartig! Das heißt, wir werden jeden Abend ziemlich sicher vor zwei- bis dreitausend Leuten stehen, was noch mal eine ganz andere Hausnummer für uns ist, als wenn wir alleine auf Headliner-Tour gehen würden, wo wir ein paar Hundert bis vielleicht 1.000 Fans hätten. Das Wichtigste für uns ist allerdings, dass die meisten Zuschauer uns noch nie gesehen, allenfalls mal von uns gehört haben. Wir sind eine ausgesprochene Live-Band und können Leute gut von uns überzeugen, das wissen wir. So sieht also unser Plan dahinter aus. Aber ich kann alle unsere Fans beruhigen, es wird noch eine Headliner-Tour zum Album von uns zu einem späteren Zeitpunkt geben, den ich allerdings noch nicht genau benennen kann.“
Text: Peter Hollecker
Pic: Patrick Schneiderwind

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