Saxon

Neues aus der Stahlschmiede

Anfang 2018 kommt Großes auf uns zu: Gleich zwei NWOBHM-Stahlrösser scharren ungeduldig mit den Hufen, neuen Stoff unters Volk zu bringen. Eine kleine Nasenlänge vorn sind dabei Saxon, die es im Februar mit „Thunderbolt“ gehörig krachen lassen werden, während sich die Kollegen Judas Priest mit dem genauen Veröffentlichungstermin ihres neuen „Firepower“-Epos noch ein wenig Zeit lassen.

Anfang des Jahres, hieß es bis dato bei den Priestern lapidar, doch lang kann es nicht mehr dauern, da ab März bereits eine Nordamerika-Tour zusammen mit Saxon und den Black Star Riders anberaumt wurde. Ein echtes Traum-Paket, für das auch hierzulande viele Metaller ihre Seele verkauft hätten und das in den US of A prompt für volle Kassen sorgen wird. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Etwas bescheidener, aber nicht weniger kultig sieht da die Zusammenstellung für die zuvor stattfindende Saxon-Mini-U.K.-Tour im Februar aus; denn dort stoßen die NWOBHM-Recken Diamond Head samt den wiedererstarkten Mädels von Rock Goddess zum Tour-Tross hinzu. Ob diese jedoch auch bei den vier Deutschland-Dates mit von der Partie sein werden, steht noch in den Sternen. Passen würde es allemal, denn mit dem nur per Streaming-Link (ein bisschen mehr Vertrauen in den angestammten Schreiber wäre auch nicht schlecht) verabreichten Material zeigen Biff & Co. auf ihrem mittlerweile zweiundzwanzigsten Langeisen „Thunderbolt“ wieder einmal mehr, wo der Hammer hängt. Potz Blitz – im wahrsten Sinn des Wortes! Bevor ich jedoch Peter „Biff“ Byford selbst dazu befragen kann, schlägt mir die verabredete Einwahlnummer zur Telefonkonferenz ein Schnippchen und ich lande unvermittelt bei Drummer Nigel Glockler, der mir wiederum mitteilt, dass er auf einen Anruf aus Schweden wartet. Nach einem, wie ich sagen muss, kleinen, echt sympathischen Schwätzchen mit dem wieder gesundeten Fellgerber, lande ich nach mehreren Versuchen mit Hilfe einer Notfallnummer endlich bei Biff, der wahrscheinlich an diesem Tag seine Promofrau am liebsten auf den Mond geschossen hätte, da er mir – um die Dinge zu vereinfachen (wie er selbst sagt) – kurzerhand seinen privaten Anschluss übermitteln darf. Shit happens!
Jener trippelt natürlich schon auf der Stelle, da die ganze Aktion den gesamten Interviewplan nach hinten verschiebt. Als Einstieg und auch um etwas Ruhe in die Angelegenheit zu bringen, fühle ich dem Guten erst mal auf den Zahn und frage, wie es sich denn anfühlt, mit solch alten Weggefährten wie Diamond Head auf Tour zu gehen, die damals quasi im selben Fahrwasser mitschwammen. Kommt da nicht ein wenig Melancholie und Sehnsucht nach den alten Zeiten auf? Biff sieht’s eher pragmatisch.
„Diamond Head kennen wir gut; Rock Goddess weniger. Für mich ist es einfach ein gutes Package für die Fans, mit dem wir in erster Linie ‘Thunderbolt’ promoten wollen“, stellt der Sänger gleich klar. „Mit beiden Combos haben wir schon länger nicht mehr zusammen gespielt, so dass wir dachten, dies wäre eine gute Idee.“

Doch ich lasse nicht locker: Wie fühlt es sich denn an, ausgerechnet mit den Komparsen die Bühne zu teilen, mit denen man schon vor über 30 Jahren unterwegs war? Hast du eine Erklärung dafür, dass diese Gruppen heute wieder stark gefragt sind; gar über einen gewissen Kultfaktor verfügen?
„Nun, es sind einfach gute Bands, die offensichtlich über ein immer noch gefragtes musikalisches Erbe verfügen. Insofern haben sie es auch verdient, sich mit uns einem größeren [und sicherlich auch jüngeren – d. Verf.] Publikum zu präsentieren.“

Geschenkt. Und trotzdem: Blickt man angesichts dessen nicht auch manchmal wehmütig auf alte Zeiten zurück?
„Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht der Typ Mensch bin, der der Vergangenheit hinterher weint. Wir hatten wirklich eine fantastische Zeit in den Achtzigern; sie ist der Grund dafür, dass es uns nun schon so lange gibt. Maiden, Whitesnake, Motörhead und letzten Endes auch wir zehren noch heute davon. Tolle Erinnerungen sind eine Sache, dennoch blicke ich eher nach vorn. Wir stehen heute mehr denn je als professionelle Rockband da, sind regelmäßig auf Tour. Fazit: Man sollte immer weiter gehen, ohne jedoch die Vergangenheit aus den Augen zu verlieren.“

Danke für die Vorlage, denn diese Aussage trifft des Pudels äh Saxons musikalischen Kern wie der berühmte Arsch auf den Eimer. So verknüpft beispielsweise auch die neue Scheibe „Thunderbolt“ die Trademarks der Anglosachsen mit weise dosierten modernen Elementen, die das Liedgut auch anno 2018 zeitgemäß um die Ecke biegen lassen.
„Das ist unter anderem auch Andy Sneap zu verdanken, der unserer Mucke den modernen Feinschliff verpasste. Was die Songs angeht, steuern hauptsächlich Nibbs [Carter, Bass] und ich den Löwenanteil bei. Inhaltlich schau ich mich nach Themen um, die mich interessieren [Biffs Faible für Kriegsgeschichten ist ja bekannt – d. Verf.] oder berühren und die im Zusammenspiel mit den Melodien gut passen. Wir gehen jedes Album völlig neu an; versuchen uns nicht selber zu kopieren. Dennoch soll unsere Achtziger-Identität mitnichten unter den Teppich gekehrt werden. Wir versuchen eher die Einflüsse der Achtziger, Neunziger mit den aktuellen zu verbinden, ohne uns zu verbiegen. Diese Mischung kommt anscheinend auch ganz gut bei den Leuten an und viele warten schon drauf, was wir nun schon wieder aus dem Hut zaubern. Wir sind nicht vorhersehbar, verstehst du? Man weiß nie, was einen genau erwartet, und das macht auch die gewisse Wildheit bei Saxon aus ...“

... die Biff und seine Mannen selbst im fortgeschrittenen Alter jung wirken lässt.
„Deswegen fackelten wir auch nicht lang herum und fragten bei Amon Amarths Johan Hegg an, ob er ein Duett mit mir singt. Vor so was ist uns nicht bange, wenn du verstehst, was ich meine.“

Und ob! Der Mann wird sich einen Elch gefreut haben.
„Wir wollen in erster Linie unseren Fans Unterhaltsames bieten. Denen muss das gefallen; wenn das der Fall ist, sind auch wir happy!“

Dieses Niveau schon auf 22 Alben zu halten, das ist kein Pappenstiel, wenn du mich fragst.
„Es ist sogar ziemlich schwer, immer wieder neue Riffs und Themen zu finden. Klassiker wie ‘Dallas 1 P.M.’ oder ‘Princess Of The Night’ schreibst du nur einmal im Leben. Also musst du fast schon weitergehen und Inhalte, musikalische Ideen finden, die ähnlich begeistern können, um dein Publikum immer wieder neu zu gewinnen.“

Blickst du da nicht manchmal erstaunt auf die ganzen Scheiben zurück und wunderst dich, wie weit ihr gekommen seid?
„Weniger. Man muss mit der Musik einfach seinem Herzen folgen. Unsere Musik ist immer Ausdruck unserer Leidenschaft gewesen. Wenn mir eine bestimmte Melodie oder Textzeile gefällt, dann ist’s um mich geschehen. Dann ziehe ich das durch und glaube dran. Und wenn man an das glaubt, was man macht, dann ist man glücklich. So einfach ist das.“

Ein gutes Lebensmotto obendrein. Trotzdem kann nicht jeder Normalo so aus seiner Haut.
„Eines steht fest: Es gibt nichts Normales beim Rock ’n’ Roll!“, lacht Biff.

Im Laufe der Jahre fügten Saxon hier und da stilistische Elemente hinzu und schielten beispielsweise Mitte der Achtziger mit „Innocence Is No Excuse“ vielen zu sehr in die kommerzielle US-Ecke und wurden deswegen von den HM-Traditionalisten abgestraft.
„Es waren schon komische Jahre – die späten Achtziger, frühen Neunziger. Die Mucke wandelte sich total und jeder schaute auf die Gruppen aus Amerika. Hinzu kam noch die Grunge-Welle, ganz fantastisch!“, resümiert der Frontmann wohl eher ironisch. „Eine absonderliche Phase, nicht nur für britische Bands, wenn du mich fragst. Doch auch deutsche Gruppen vom Schlage Accept hatten darunter zu leiden. Gott sei Dank hielten die Fans zu uns, so dass wir mit einigen anderen überleben konnten.“
Text: Petra Rottmann

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