Quatro, Scott & Powell

Die drei Oldies von der Glam-Stelle

Es ist wahrlich sehr, sehr lange her, dass ich zu den rockigen Klängen von Suzi Quatro, The Sweet oder Slade regelmäßig pubertätsbedingte Euphorie-Anfälle bekam und meinen damals noch sehr schlanken Körper samt langem, aber schon damals etwas dünnem Haar zu deren Rhythmen ungelenk in alle erdenklichen Richtungen schlenkerte. So etwas fand beispielweise in der Keller-Bar des Freundes meines Schulfreundes Wolfgang unter dem Einfluss mehrerer Tassen Champagnerweizen und meistens völlig ohne weibliche Gesellschaft statt.
Nun ja, mit zarten vierzehn Jahren wusste man weder mit Alkohol noch mit Mädchen so richtig umzugehen. Aber die Begeisterung für den Rock ’n’ Roll, die konnte man im Zigarettendunst in relativ schalldichten Kellerverliesen neben der Waschküche und mit einem Glas Kaltschale in der Hand schon mal richtig üben. „Cum On Feel The Noize“ von den bärigen Slade, „Ballroom Blitz“ von den zwischen Bubblegum und hartem Rock changierenden Sweet oder „Can The Can“ von der lederhäutigen Suzie Quatro sind unvergessliche Soundtracks aus diesen zähen Nachmittagen im adrenalinschwangeren Zwielicht, in dem wir uns vor einer autoritären, uns unverständlichen Welt versteckten, die wir dann doch immer viel zu früh und mehr oder weniger indisponiert wieder betreten mussten, um spätestens zuhause Anschisse und/oder Ohrfeigen für was auch immer zu kassieren.
Solche Begebenheiten scheinen aus einer völlig anderen Welt zu stammen, aus einem anderen Jahrhundert, aus einer Zeit, in der man so jung war, dass man nicht mal Hoffnung auf irgendetwas brauchte. Es reichte völlig aus, wenn man von den Erwachsenen in Ruhe gelassen wurde und man mit seinen gleichaltrigen Kumpels abstruse Träume teilte oder sich gemeinsam schwedische FKK-Heftchen mit schwarzweiss-verschwommenen Bildchen anguckte. Wo die herkamen, ist mir schon lange entfallen. Sie taten jedenfalls ihre Wirkung, haha, früher oder später.
Damals lebten wir vollkommen in der real existierenden Zeit. Niemals hätten wir uns irgendwelche Gedanken gemacht, was die Musiker, die gerade unsere gleichzeitig angstvollen und unbekümmerten Teenager-Tage beschallten, später einmal tun würden. Ob sie über den Tag hinaus Erfolg haben würden, ob sie in zehn, zwanzig, dreißig oder mehr Jahren noch einmal unseren Weg kreuzen und was sie in der langen Zwischenzeit wohl durchmachen würden, das war uns doch völlig egal. Absurde Gedanken, sowas. Es muss eine glückliche, geradezu Zen-mäßige Zeit gewesen sein damals, trotz allen Widrigkeiten. Davon gab es mehr als genug, ganz nebenher. Egal. Weit weg, lange her.
Leider habe ich alle drei Bands zu ihrer Blütezeit niemals live auf der Bühne gesehen. Keine Kohle. Sie waren etwas für den damaligen Beat Club oder auch für die Disco-Sendung des blödelnden Lackaffen Ilja Richter im TV. Suzi Quatro kam dann allerdings Mitte August 2005 zu einem Open-Air-Konzert in den Stadtgarten meiner Heimatstadt Konstanz. Das war zwar nett, denn sie wackelte sehr ausgiebig mit ihrem Jeans-Po ins Publikum. Aber die Magie der frühen Tage war an diesem heißen Sommertag zwischen all den Touristen und Wohlstandsbürgern an Biertischen nicht mehr nachzuempfinden.
Sowohl Suzi als auch Slade und The Sweet treten bis heute noch live auf, die beiden Letzteren naturgemäß in Besetzungen, die nicht mehr allzu viel mit denen ihrer Erfolgsjahre zu tun haben. Ihre Konzerte dürfen getrost vor allem als Nostalgie-Veranstaltungen angesehen werden. Die guten alten Zeiten, ach ja. Mancher kennt sie noch und erinnert sich gerne einmal daran.
Deshalb ist das, was jetzt passiert ist, schon ein ziemlicher Paukenschlag. Denn dass sich Suzi mit dem originalen Sweet-Gitarristen Andy Scott und dem Slade-Drummer Don Powell, der ebenfalls von Anfang an in der Band war, zu einem Trio zusammen tut und eine ziemlich gute Platte aufnimmt, damit hätte wohl niemand gerechnet. Rein nominell ist das tatsächlich DIE Supergruppe des frühen Glam-Rocks. Das hat immer noch Glamour und da sind die Erwartungen zumindest bei den alten Rock-Fans dementsprechend hoch.

Ich habe die Ehre, Frau Quatro am Telefon zu diesem Projekt persönlich befragen zu dürfen. Leider scheint sie nicht in bester Stimmung zu sein, weshalb das Gespräch etwas zäh verläuft. Vielleicht die falsche Tageszeit, wer weiß? Trotzdem erzählt sie gleich von sich aus, wie es zu der bemerkenswerten Kombination QSP (für Quatro, Scott & Powell) kam.
„Nun, die Idee zu dieser Zusammenarbeit liegt schon etwa zehn Jahre zurück. Den guten Andy Scott kenne ich ja schon sehr lange und er hat mir auch schon viel geholfen, beispielsweise bei der Produktion meines Albums ‘Back To The Drive’ von 2006. Wir waren auch öfter gemeinsam auf Tour und gerade auf meiner letzten Reise durch Australien im Jahr 2015 hatten wir viel Spaß zusammen und verstanden uns, musikalisch gesehen, sehr gut. Die ersten gemeinsamen Aufnahmen machten Andy, Don und ich schon etwa 2014. Das waren alles Covers und uns ging es erst einmal nur darum, musikalisch zusammenzufinden, das Terrain abzustecken, in dem wir uns bewegen wollten und wie das am Ende klingen würde. Das klappte ganz gut und deshalb verfestigte sich der Gedanke, vielleicht eine ganze Platte zusammen aufzunehmen. Lange war dafür aber keine Zeit vorhanden, weil wir ja ständig mit unseren angestammten Bands unterwegs waren. Aber als wir endlich mal die Covers im Kasten hatten, kam auch die Lust auf, eigene Lieder zu schreiben.
Vielleicht lag es an Just Like A Woman von Bob Dylan, das wir als letztes Cover aufnahmen, dass der Knoten platzte. Denn ich war so happy mit diesem Song, der mir wie auf den Leib geschrieben vorkam, dass ich mich danach direkt an unser erstes eigenes Stück machte. Das ist Long Way From Home. Ich spielte meine Ideen dazu den anderen Zwei vor und sie stiegen sofort darauf ein. Wir arbeiteten alles gemeinsam aus. Als das Stück fertig war, merkten wir, dass wir tatsächlich einen eigenen, für uns passenden Sound gefunden hatten. Es klang, als ob wir schon immer zusammen gespielt hätten. So etwas ist natürlich sehr motivierend und es ging dann nicht mehr so lange, bis wir die ganze Platte aufgenommen hatten. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dem Resultat, es ist eine starke Scheibe geworden und ich hoffe sehr, dass sie auch unseren Fans gefällt!“
Text: Jürgen Lugerth

 

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