Judas Priest

„Die 80er waren das beste Heavy-Metal-Jahrzehnt überhaupt“

Judas Priest-Mitbegründer und Bassist Ian Hill erinnert sich an die „Turbo-Dekade“

 „Man sagt, die 80er waren das beste Heavy-Metal-Jahrzehnt überhaupt“, bestätigt „Fast“-Gründungsmitglied und Bassist Ian Hill, der seit 1970 bei der 1969 gegründeten Metal-Legende Judas Priest im wahrsten Sinne des Wortes stets im Hintergrund, aber nie im Weg steht. 2014 kam mit „Redeemer Of Souls“ das letzte Studioalbum heraus. 2015 waren „Priest“ unter anderem Headliner bei den „Rock im Revier/ Rockavaria“-Festivals . 2016 erschien mit „Battle Cry“ ein Live-Mitschnitt vom „Wacken-Open Air“-Auftritt des Vorjahres. Jetzt erschien mit „Turbo – 30th Anniversary Edition“ eine remasterte Version des 1986er Original-Albums mit einem sensationellen Bonus-DOCD-Konzert. Frontmann Robert Halford macht sich derzeit ein kleinwenig rar, wohnt in Florida und hebt sich die Promotiongespräche für eine im Sommer/Herbst 2017 kommende Gesamtwerk-Box auf. Doch Ian Hill weiß auch sehr viel über Geschichte und Zukunft der Heavy Metal-Legende „Judas Priest“ zu erzählen.

Das Album, dessen Originalfassung im Jahr 1986 erschien, präsentiert auf der ersten CD Priest-Klassiker wie zum Beispiel „Turbo Lover“, „Parental Guidance“ oder „Locked In“. Was war an dem „Turbo“-Album so besonders?
„Es ist das untypischste aller Judas Priest-Alben und wohl auch das experimentellste. Mit ‘Turbo’ bewegten wir uns auf komplett unbekanntem Territorium. Wir haben immer daran geglaubt, daß es für Metal keine Grenzen geben darf – und deshalb packten wir technische Neuerungen in unsere Songs. So entstanden neue Ideen, und wir transportierten unseren Sound auf einem neuen Level. Was zu der damaligen Zeit zum Beispiel wirklich neu war, war der Gebrauch von Gitarren-Synthesizern im Metal-Bereich. Die Tracks demonstrieren auch eine andere Seite unserer Kreativität und zeigen, daß Judas Priest musikalisch auf die speziellen Befindlichkeiten jener Zeit reagieren konnte – die ‘Fuel For Life’-Tour brachte diese Dekadenz der 80er dann so richtig auf den Punkt! Davor war es nicht mehr so und danach auch nicht wieder.“

Waren die 80er Jahre wirklich abonniert auf Heavy Metal?
„Es liegt wohl nicht an den 80ern selbst, es war wohl eher Zufall, daß gerade in den 80ern der Metal so in Mode kam. Metal brachte gegenüber all dem Glam-Rock der 70er und dem Aufkommen der sogenannten Supergroups einfach nur Abwechslung. Wir waren schneller, lauter und erregten Aufmerksamkeit. Und der Metal nahm Einfluß auf neue Lebensstile und neue Moden. Es war die Zeit der ‘Kutten’ und Leder-Outfits, was den Leuten wohl gut gefiel und sie es nachahmten. Aber das begann auch schon in den 70ern mit Bands wie AC/DC, Rainbow und Whitesnake. Nur wir spielten eben den Rock noch schneller.“

Und es kamen Bands wie Van Halen, Def Leppard, Iron Maiden hinzu. Viele Bands, die sich nach euren Songnamen benannten wie zum Beispiel „Exciter“, „Running Wild“, „Sinner“ oder „Steeler“ wurden gegründet. Wie wirkte das auf euch?
„Judas Priest hatten stets ihr eigenes Profil. Wir waren es, die zweistimmige Gitarrenharmonien, die Twin-Guitars in den Rock einführten. Bei uns gab es dann auch den opernhaften Gesang, tiefergestimmte Gitarren und Powerchords, was dann alles zum Markenzeichen von Judas Priest wurde und so schnell auch nicht kopierbar war. Und wenn sich dann Bands nach unseren Songs nennen, ist das schon eine Art Ehre und Tribut, den man uns zollt.“

CD 2 und CD 3 des neuen Sets bieten das Konzert „Live in Kansas City“, das während der 1986er „Fuel For Life“-Tournee aufgenommen wurde. Kannst du dich, 31 Jahre nach diesem Gig, noch genau an dieses Konzert erinnern, und wie gehst du überhaupt mit Erinnerungen um? Wie präsent sind für dich die 70er oder 80er Jahre? Erinnerst du dich an Details?
„Es gibt Dinge, die sind wie gestern, manche sind extrem weit weg. Es ist wie mit Erinnerungen an deine Kindheit, manches ist noch sehr präsent, manches kommt wieder, wenn du daran erinnert wirst, manches ist einfach weg. Wenn du an so einem Stück aus der Vergangenheit kramst, wühlst du irgendwie auch in deiner eigenen Vergangenheit, und vergessen geglaubte Dinge kommen zurück. So ist es auch mit diesem Konzert, es ist eines derjenigen, die in Erinnerung geblieben und auch noch in bester Qualität vorhanden sind. An die US-Tournee 1986 erinnere ich mich noch sehr gut. Und das Kansas-Konzert ist einfach ein gutes Statement für den damaligen Zeitgeist.“

Im letzten Jahr brachtet ihr „Battle Cry“ heraus, ein Live-Mitschnitt vom Wacken Open Air des Vorjahres. Welche Erinnerungen habt ihr an Wacken?
„Wacken ist für alle Metaller etwas Besonderes, und jede Band ist stolz darauf, dort zu spielen. Unter all den großen Festivals ist Wacken aus Künstlersicht das künstlerfreundlichste. Ich habe selten etwas so Durchorgansiertes erlebt wie Wacken, vielleicht sind aber die Deutschen auch einfach nur gut im Organisieren. Aber es war nicht das erste Mal, daß wir in Wacken waren, 2012 spielten wir dort schon einmal, allerdings nicht als Headliner. Wacken ist so eine Art Woodstock für die härtere Gangart. Darüber hinaus war die ganze Tour eine solche, auf der wir versuchten, aus jeder Judas Priest-Epoche etwas zu spielen. Wir gehören nicht zu jenen Bands, die müde werden, unsere alten Songs immer wieder zu spielen. Wir wissen, was unsere Fans gerne hören. Und da gehören eben ‘Breaking The Law’ und ‘Metal Gods’ unbedingt dazu. Wenn wir ehrlich sind, sind alle Judas Priest-Mitglieder Fans ihrer eigenen Songs, wir können uns also gut in unsere Fans hinein versetzen.“

Judas Judas Priest begann 1969 als Blues-Band? Wie kam der Wandel zustande?
„Ja, es war Alan Atkins, der einstige Sänger, der mit dem Gitarristen Bruno Stapenhill und dem Schlagzeuger John Partige und dem Gitarristen John Perry die Band gründete. Damals, Ende der 60er, spielten alle Bands eine Mischung aus Rock, Blues und Rock ’n’ Roll. Die wenigsten Bands hatten eigenes Material. Die meisten spielten die Blues-Klassiker nach. Oder etwas Jazz oder Rock ’n’ Roll. Nur die kreativeren, allen voran Bands wie The Beatles schrieben eigene Songs. Und jeder, der das alles nicht nur hobbymäßig machte, versuchte eigene Songs zu schreiben. Die Ursprungsband fiel wieder auseinander. Der spätere Band-Gitarrist, Kenneth ‘K. K.’ Downing stieg ein, und der frühere Sänger Alan Atkins gründeten schließlich die Gruppe Freight, der auch ich angehörte. Zuvor gab es noch einen Musiker namens John Ellis, der anfangs noch zu der Band gehörte, die später Judas Priest werden sollte. Attkins und Ellis verließen die Band irgendwann. K.K. wollte zuvor bei Atkins Gruppe spielen, wurde aber abgelehnt. Nachdem sie dann doch zueinander gefunden haben, gaben wir der Band einen neuen Namen … Judas Priest und das sogenannte Original-Line-up von Judas Priest entstand, und das muß so um 1973 gewesen sein.“

Und wie kam dann Rob Halford als Sänger zur Band?
„Das ist irgendwie meine Schuld. Ich lernte Robs Schwester Sue kennen, datete sie öfters, und wir wurden ein Paar. Später heiratete ich sie, aber die Ehe wurde wieder geschieden. Sue wußte um unsere Suche nach einem Sänger für unsere Band, und sie meinte nur, du mußt dir einmal meinen Bruder anhören, der singt in einer Band namens Hiroshima und hat eine Wahnsinnsstimme. Der Rest ist Geschichte.“
Text: Prof. Dr. Christof Graf
Pic by Ross Halfin/Sony Music

 

 

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