Alice Cooper

Abnormale Normalität

Was lange währt, wird endlich gut. Diese Redensart passt auf die etwas längere Wartezeit, die es im Vorfeld des dann doch noch stattfindenden Interviews benötigte. Alice Cooper meldet sich letztlich vor dem Soundcheck zur am selben Abend in Salt Lake City stattfindenden Live-Show zu Wort, um über die Hintergründe zum neuen Album „Paranormal“ Auskunft zu geben.

Die Eingangsfrage nach seinem persönlichen „Handicap“, natürlich bezogen auf das Golfspiel von Alice, beantwortet Mr. Furnier auf seine typisch zynische Art und Weise, indem er vom eigentlichen Thema ablenkt.
„Es gibt mehrere Handicaps in meinem Leben, aber ich setze natürlich für mich meine Prioritäten. Das sind zum einen morgens Golf zu spielen und zum anderen am Abend eine Rock ’n’ Roll-Show zu absolvieren.“

Ok, dann kommen wir zum eigentlichen „Handicap“ und damit zum aktuellen Studioalbum und der etwas längeren Wartezeit bis nun endlich „Paranormal“ das Licht der Musikwelt erblickt. Mittlerweile sind rund sechs Jahre ins Land gezogen, eine Zeit, in der Alice Cooper allerdings nicht auf der faulen Haut gelegen hat. So hat er zusammen mit unter anderem Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp unter dem Banner der Hollywood Vampires gezockt und dabei seinen Spaß gehabt, wie er selbst noch einmal euphorisch unterstreicht.
„Alleine die Geschichte mit den Hollywood Vampires nahm einige Jahre in Anspruch. Wir schrieben zusammen ein komplettes Album, suchten die passenden Musiker dazu aus, nahmen die Scheibe letztlich in Johnnys Haus auf und spielten eine ganze Menge Live-Shows. Da findest du dich plötzlich in einer völlig anderen Band wieder, als du es gewohnt bist. Das war momentan schon eine gewisse Umstellung. Immerhin musst du erst einmal herausfinden, wie dieses spezielle Gefüge funktioniert im Vergleich zu anderen Bands. Das Großartige aber war die Tatsache, dass es trotz der Ansammlung mehrerer Alphamännchen in dieser Truppe mit Johnny Depp oder Joe Perry und all den anderen absolut keinen einzigen Egotrip eines Einzelnen gab. Alle waren und sind immer noch äußerst kooperativ und kollegial, denn jeder hatte das gleiche Ziel vor Augen, ein gutes Album zu veröffentlichen und Spaß dabei zu haben. Es funktionierte sehr gut, und deshalb werden wir im nächsten Jahr wieder gemeinsam auf Tour gehen, und ein weiteres Studioalbum ist ebenfalls schon in Planung. Zuerst ist aber nun wieder Alice an der Reihe , und auch hierzu werden wir noch in diesem Jahr wieder zu euch nach Europa kommen.“

Die genauen Tourdaten stehen bereits fest und sind an anderer Stelle nachzulesen.

Glaubt ein Alice Cooper eigentlich selbst an paranormale Geschehnisse?
„Um ehrlich zu sein, ist die ganze Karriere von Alice eher ‘paranormal’. Wir haben schon immer etwas anderes gemacht als all die anderen Bands. Die wahre Definition von paranormal ist für mich letztlich, etwas anders zu sein, eben neben der sogenannten Normalität zu stehen und somit auf gewisse Weise abnormal zu sein. Ich finde den Albumtitel sehr treffend, denn der verleiht der ganzen Scheibe einen mysteriösen Anstrich. Außerdem sind die Songs im Vergleich zu unseren bisherigen Alben auch wieder etwas unterschiedlich ausgefallen, was wiederum sehr treffend zu dem Titel selbst passt. Dieses Mal sind auch wieder interessante Gastmusiker mit an Bord. Wir haben neben Roger Glover von Deep Purple auch den Ausnahmeschlagzeuger Larry Mullen JR von U2 und Billy Gibbons von ZZ Top mit dabei. Außerdem sind dieses Mal auch die Mitglieder der original Alice Cooper-Band mit dabei, also Dennis Dunaway am Bass, Michael Bruce an der Gitarre und Neal Smith an den Drums. Gitarrist Glen Buxton kann ja leider nicht mehr mit dabei sein. Ich wollte eben den Jungs unbedingt die Möglichkeit geben, neue Songs zu schreiben und an ‘Paranorma’` aktiv mitzuarbeiten. Das Endergebnis kann sich wahrlich hören lassen, wie ich finde, denn sie haben letztlich drei coole Songs geschrieben, die auch auf dem Album verewigt sind.“

Wie kam der Kontakt zu den Kumpels von früher zustande? Gab es eine längere Funkstille zwischen den einstigen Musikerkollegen oder riss der Kontakt über all die Jahre sowieso nie vollständig ab?
„Die Alice Cooper-Band löste sich 1974 auf. Zwischen uns gab es damals kein böses Blut und auch keinen Streit. Keiner war auf den anderen sauer und niemand von uns schimpfte öffentlich über den anderen. Wir waren im Grunde immer irgendwie in Kontakt, mal mehr, mal weniger. Wenn wir in bestimmten Städten auftraten und einer der Jungs schaute bei meiner Show vorbei, dann holte ich denjenigen auch mit auf die Bühne, wenn es irgendwie ging. Als wir darüber sprachen, dass ich sie gerne auf meinem neuen Album mit dabei hätte, sagten sie sofort zu. Sie schrieben drei wirklich gute Songs und ich wollte natürlich auch, dass sie auf dem Album zusammen spielen sollten. Sie klingen einfach ganz eigen. Dann hatten wir noch eine weitere Idee, nämlich die Jungs live mit auf der Bühne stehen zu haben. Das werden wir bei den anstehenden fünf Shows in London auch so handhaben. Wir werden erst den Großteil der regulären Live-Show mit der Tour-Band spielen, und danach kommen dann die Jungs der original Alice Cooper-Band auf die Bühne, um den Schlussteil der Show zu übernehmen. Das wird eine sehr coole und spezielle Angelegenheit, auf die ich mich schon freue. Ich bin mir sicher, dass die eingefleischten Alice Cooper-Fans das lieben werden.“

Gibt es für alle anderen Alice Cooper-Fans in Europa diese Chance nicht?
„Momentan sind nur diese fünf Live-Shows so geplant. Wenn das allerdings vom Publikum so gut angenommen wird, wie ich meine und hoffe, dann müssen wir mal schauen, ob und wie wir das noch weiter ausbauen können. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, das auch an anderer Stelle so zu spielen.“

War denn beim gemeinsamen Jammen und Arbeiten am neuen Album das Gefühl früherer Tage sofort wieder da?
„Ach, es fühlte sich im Grunde exakt so an, als hätten wir uns nie getrennt. Wir spielten genau so zusammen, wie wir das früher getan hatten, obwohl mittlerweile so viele Jahre dazwischen liegen. Leider ist ja Glen Buxton nicht mehr unter uns. Er hat schon eine große Lücke hinterlassen. Glen hatte einen ganz eigenen Sound und eine eigenwillige Spielweise. Mit dieser Lücke mussten wir nun einmal umgehen, aber Dennis ist ein sehr guter Songschreiber, das war er schon damals. Als wir jetzt wieder alle zusammen waren, fühlte sich das einfach großartig an. Dennoch muss ich sagen, dass meine aktuelle Tour-Band aus handverlesenen Musikern besteht und die bisher beste ist, mit der ich je auf Tour war. Sie sind einfach unglaublich auf der Bühne.“

Wo genau in Hollywood steht eigentlich dieser ganz spezielle Musikerpool, aus dem Alice Cooper regelmäßig seine überragenden Musiker herausfischt? Derzeit gehört eine gewisse Nita Strauss zur Truppe, die zusammen mit Ryan Roxie und Tommy Henriksen hörbar lässig die Saiten an des Meisters Seite schrubbt.
„Ja, es gibt tatsächlich einen gewissen Pool an Musikern, die hier eigentlich jeder kennt und deren Aktivitäten wir wahrnehmen. Dazu gehören neben mir auch Steven Tyler und Ozzy, die beiden kennen auch alle möglichen Musiker, die Talent und etwas auf dem Kasten haben. Ich entdeckte beispielsweise unsere Gitarristin Nita Strauss. Sie ist einfach unglaublich, sie schrubbt die Leadgitarre wie keine andere und auf der Bühne ist sie ein wahrer Killer. Innerhalb der Band mag sie jeder, sie ist so eine Art kleine Schwester für uns alle. Ich bin sehr froh, sie mit in der Band zu haben. Wir haben überhaupt eine sehr solide Truppe, da kann ich mich nicht beklagen.“
Text: Tom Klaner
Pic: Rob Fenn

 

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