Ghost

Von Rattenplagen und ewigem Leben

Das lang erwartete vierte Studioalbum meiner okkulten Lieblingsschweden Ghost ist da! Es hört auf den Namen „Prequelle“ und ist eines der mit Spannung erwarteten Alben 2018. Ghost haben ja bereits mit dem Vorgänger „Meliora“ den Grammy für „Best Metal Performance“ (für den Song „Cirice“) einstreichen können. Die darauffolgende EP und der Ohrwurm „Square Hammer“ legten noch einen drauf und machten den Song zu dem bis dato größten Hit der Band. Groß war die Spannung, wie es weitergeht und wer der Nachfolger von Papa Emeritus III wird. Nun ist es raus. Es ist diesmal kein Papa, sondern so etwas wie ein Lehrling namens Cardinal Copia. Wenn dieser sich bewährt, könnte er zu Papa Emeritus IV. werden. Klingt alles sehr spannend. Über dies und weiteres habe ich mit dem Sprachrohr von Ghost gesprochen, den ich weiterhin nur Nameless Ghoul nennen werde.

Alles fing ja damit an, dass Ghost im September 2017 ihr letztes Konzert der „Meliora“-Tour in Schweden spielten. Beim letzten Song „Absolution“ wurde dann Papa Emeritus III. von zwei Männern in dunklen Anzügen an den Armen gepackt und unsanft von der Bühne entfernt. Die Fans waren entsetzt und kreischten. Daraufhin ging das Licht aus und ein alter Herr im Papstgewand mit Krückstock und Sauerstoffmaske erschien auf der Bühne. Dieser stellte sich als Papa Emeritus Zero vor und kündigte einen Wandel an. In Italienisch sagte er leise: „Die Party ist vorbei, das Mittelalter kann beginnen ...“. Damit war es dann monatelang still um Ghost, und die Fans und Medien spekulierten wie wild.

Im März wurde dann eine US-Tour für Mai angekündigt und das Plakat gab einen ersten Look auf den „neuen“ Frontmann frei. In Leder gewandet sah er sehr Rock ’n’ Roll aus. Das Motto der Tour: „Rats On The Road“. Dies ließ darauf schließen, dass es eine erste Single namens „Rats“ geben wird. Vorab erschien allerdings ein Video mit dem Titel „Chapter One: New Blood“, in dem Sister Imperator, so etwas wie eine Mentorin über Ghost, mit Papa Nil (Papa Emeritus Zero) sprach. Sie deutete an, dass es einen Wandel geben und der neue Frontmann bald vorgestellt wird. Es klopfte, und Sister Imperator meinte begeistert „He is here!“ Die Kamera zeigte eine große halbdurchsichtige Kirchentür und eine Silhouette dahinter. Damit endete das erste Teaservideo. Fans waren extrem ungeduldig und wollten den neuen Frontmann sehen. Dies dauerte aber noch ein paar Wochen. Dann folgte „Chapter Two: The Cardinal“, in welchem der neue Frontmann als Cardinal Copia vorgestellt wurde. Dieser ist das erste Mal kein Papa (lateinisch: Papst) und entstammt einer anderen Blutlinie. Papa Nil zeigte sich wenig begeistert, musste aber eingestehen, ihm eine Chance zu geben. Die ersten Fan-Reaktionen waren verhalten und entsetzt, hatte man doch Papa Emeritus III. lieb gewonnen und wollte am liebsten ihn wiederhaben.

Aber dann kam der große Schock: In „Chapter Three: Back On The Road“ wurden die drei bisherigen Papas beim Plaudern am Tisch gezeigt und einer nach dem anderen umgebracht. Dann wurden sie aufgebahrt und in Roadcases gesteckt. Dann folgte der Hinweis, dass sie auf der Tour den VIP-Pass-Inhabern aufgebahrt in Särgen mit Glasdeckel für Selfies zur Verfügung stehen. Somit ist auch das Schicksal der bisherigen Papas enthüllt, so traurig es auch sein mag.

Wie kam es zu der Idee, mit der Tradition zu brechen und einen Cardinal anstelle eines Papa Emeritus IV. zu präsentieren?
„Um die Leute zu überraschen. Es gibt eine ganz feine Linie zwischen Tradition und Unberechenbarkeit, und ich finde es wichtig, diese auch mal zu überschreiten! Jede Band hat bestimmte Wiedererkennungsmerkmale. Wenn man sich aber zu oft wiederholt, passiert nur eins – man stagniert irgendwann. Unter all den Merkmalen die Ghost ausmachen, fand ich, dies war es wert, einmal zu verändern.“

Warum hast du dich dazu entschieden, die bisherigen Papas umzubringen und aufzubahren? Dies wird ja oft mit Päpsten gemacht.
„Genau deshalb! Damit hast du dir die Frage schon selbst beantwortet. Ich meine, jeder hat gefragt und sich gewundert und es war im Grunde unvermeidbar gewesen zu zeigen, was aus den bisherigen Papas geworden ist.“

Was war die Inspiration für den Look von Cardinal Copia? Mich erinnert er an eine Mischung aus Bela Lugosi und Vincent Price.
„Richtig! Er ist so etwas wie ein Stereotyp von Männern wie eben Bela Lugosi und Vincent Price. Klassische Männer aus alten Schwarzweiß-Filmen, die wir mit Klasse und Eleganz verbinden.“

Gibt es einen Denkprozess beim Entwickeln der Charaktereigenschaften? Papa I. war, wie ich finde, der Unheimlichste und hat nicht viel geredet. Dies steigerte sich dann, und Papa Emeritus III. war ein charmanter Redner mit einem schwarzen und zweideutigen Sinn für Humor. Machst du dir Gedanken darüber, wenn du einen neuen Charakter entwirfst, wie er sich auf der Bühne gibt?
„Darüber denke ich eigentlich nicht viel nach und möchte darüber auch nicht so viele Worte verlieren. Es ist in dem Bereich der Vorstellungskraft vom Publikum und ich denke, darüber sollte man nicht viel nachdenken beziehungsweise die Leute am Denkprozess teilhaben lassen. Aber ich glaube, der Grund, warum Papa I. nicht so animiert war wie Papa III. oder jetzt der Cardinal, ist einfach die Tatsache, dass wir in der Zwischenzeit vor immer mehr Leuten gespielt haben. Die Liveshows von 2010 im Vergleich zu den heutigen, dazwischen liegen Welten. Hätten wir das beibehalten, wären wir keine größere Band geworden. Es wäre unnatürlich gewesen. Das Verhältnis zwischen Band und Publikum hätte sich nicht weiterentwickelt und wäre nicht gewachsen, wenn wir alles so beibehalten hätten wie zu den Anfängen 2010/2011.“

Was hat das Albumkonzept über Tod und Sterblichkeit inspiriert?
„Ich weiß es nicht, um ehrlich zu sein. Vielleicht ist es das Alter, wo man beginnt über gewisse Dinge nachzudenken, haha. Ich bin ja keine 20 mehr. Ich habe mich schon immer für das Philosophieren über den Tod und das Leben interessiert. Es ist mit Sicherheit daher kein Zufall, dass jetzt das vierte Album genau dieses Thema behandelt.“

Erster Vorgeschmack war dann in der Tat der Song „Rats“, der Anfang April veröffentlicht wurde. Fans waren etwas irritiert von dem poppigen Stil und vor allem dem tanzenden Cardinal Copia. Dies waren ja die ersten bewegten Bilder von ihm. Vorher gab es nur Promofotos. Der Song handelt von den „Ratten“ unter uns, die uns hintergehen. Jeder hat sicher so eine Erfahrung schon einmal gemacht. Leute, die vorgeben deine Freunde zu sein und dir dann lächelnd ein Messer in den Rücken rammen. Dieser Song ist eine Abrechnung mit solchen falschen Freunden und ein Versprechen, dass sie es büßen werden. Das ganze verpackt in einen Ohrwurmhook wie „never to forgive, never to forget“ und einen zuckersüß, poppigen Refrain, der einfach ansteckt mitzusingen. In dem Video sieht man den Cardinal ausgelassen tanzend durch die Gegend wirbeln. Dies schockte viele Fans, es sei „zu viel des Guten und nicht mehr Ghost“. Aber was ist Ghost? Ich würde sagen das unberechenbare und das, was für einen jeden von uns die Band im Herzen ausmacht. Aber zurück zu „Rats“.
Text: Marcel Suck

 

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