Black Country Communion

Der perfekte Zeitpunkt

Im Jahre 2010 wurde auf Initiative der Produzenten-Koryphäe Kevin Shirley die anglo-amerikanische Supergroup Black Country Communion aus der Taufe gehoben. Noch im selben Jahr veröffentlichten Glenn Hughes, Joe Bonamassa, Jason Bonham und Derek Sherinian das Debütalbum BCC „I“, welches bei den Rock-Gourmets weltweit für Begeisterungsstürme sorgte. Das Nachfolge-Werk BCC „II“ war nicht minder erfolgreich und die Band legte Energiegeladene Live-Shows der Extraklasse auf die Bühnen, was auf dem Konzert-Mitschnitt „Live Over Europe“ eindrucksvoll dokumentiert ist. Ein paar Tage, nachdem Glenn Hughes 2012 auf Promotion-Tour für das grandiose dritte Album „Afterglow“ in Deutschland unterwegs gewesen war, überschlugen sich die Ereignisse und die Band Black Country Communion war Geschichte.
In den vergangenen fünf Jahren baute Joe Bonamassa seine überaus erfolgreiche Solo-Karriere weiter aus, wobei ihn Derek Sherinian bisweilen begleitete, und Glenn Hughes veröffentlichte unter Mitwirkung von Jason Bonham 2014 das phänomenale California Breed-Album. Nachdem dieser Band leider nur ein recht kurzes Leben beschert war, legte Glenn in 2016 mit „Resonate“ ein herausragendes Album unter eigener Flagge vor, das ihn in absoluter Bestform präsentiert. Deshalb hatte ich eigentlich gehofft, Glenn endlich mal wieder auf Solo-Tour mit einer seiner legendären Live-Performances im grandiosen Musiktheater Rex in Bensheim genießen zu dürfen. Bullshit, liebe Freunde, daraus wird nichts, denn das, was eigentlich niemand für möglich hielt, ist tatsächlich passiert: Black Country Communion ist wieder am Start. Der gute Glenn ist es wieder, der – zwecks Promotion des am 22.September erscheinenden Albums „BCC IV“ – im Juli der wissbegierigen Journaille zur Verfügung steht.

Hi Glenn, es ist klasse, dich nach 2012 und 2014 wieder zu treffen. Wie geht es dir?
„Hi Martin, ich freue mich auch, dich wiederzusehen. Mir geht es blendend, ich bin sehr zufrieden, wie die Dinge mit BCC momentan laufen. Vor fünf Jahren zur Promotion von ‘Afterglow’ war ich zwar euphorisch, aber auch unsicher und etwas verzweifelt, da ich schon irgendwie ahnte, dass das Ende von BCC nahe war, und ich nicht wusste, wo die Reise hingehen wird. Ich glaube, da glich ich eher einem Wrack.“

Nun ja, beim California Breed-Interview vor drei Jahren warst du erheblich besser drauf und richtig enthusiastisch. Schade, dass diese Band nicht von Bestand war, aber so ist das wohl im Musikbusiness. Dafür hast du mit „Resonate“ ein saustarkes Solo-Album am Start.
„Danke, schön, dass es dir gefällt. Ja, mit California Breed war ich damals sehr glücklich, aber in den fünf Jahrzehnten, die ich im Geschäft bin, habe ich gelernt, mit diesem ständigen Auf und Ab zu leben. Mal steckt man das besser weg und mal schlechter.“

War die Reunion von BCC wirklich so einfach, wie es in der Presseinfo steht?
„Das war ganz problemlos. Als ich mit Deep Purple in New York war, um unseren ‘Hall Of Fame’-Award entgegenzunehmen, rief Joe Bonamassa mich an, um mir zu gratulieren und mich zu einem Dinner einzuladen, wenn ich wieder in L.A. bin. Schon bald darauf war dies der Fall, und wir sprachen darüber, ein neues Album aufzunehmen. Wir fühlten, dass die Zeit dafür reif ist. Der perfekte Zeitpunkt! Obwohl wir beide – ganz besonders Joe – sehr beschäftigt sind, fanden wir ein Zeitfenster, das glücklicherweise auch für Jason und Derek passte, um das Album in Angriff zu nehmen.“

Und dieses Album, mein lieber Glenn, ist wieder verdammt gut geworden. Herzlichen Glückwunsch dazu!
„Danke dir! Es tut verdammt gut zu hören, dass das Album auf Gefallen stößt. Ich selber finde es auch sehr stark!“

Ich liebe alle Songs auf der Scheibe, aber es gibt doch einige, die besonders hervorstechen. Das sind gewiss für jeden Fan verschiedene Stücke. Einer meiner absoluten Favoriten ist „Over My Head“. Dieses Lied hat so eine wunderbare Leichtigkeit, die man von BCC-Songs so eigentlich nicht gewohnt ist.
„Ja, das mit der Leichtigkeit stimmt, wobei ich der Meinung bin, dass wir eine ähnliche Entspanntheit auch bei ‘Last Soul’ von BCC ‘I’ hatten. Damals war ich mir schon nicht sicher, ob das Stück zu uns passt, aber ich spielte es meinen Bandkollegen vor und sie liebten es. Der Song erhielt sehr viel Airplay. Ein solches Lied ist sehr wichtig für eine Band. ‘Over My Head’ hat einen fetten Groove, einen einprägsamen Refrain, und einen Touch von Mainstream, der bei den Rocksendern sehr gut ankommen wird. Ich höre ihn schon im Radio laufen.“

Ein ganz wundervolles und sehr bewegendes Stück ist „The Last Song For My Resting Place“. Es würde auch prima auf ein Joe Bonamassa-Album passen.
„Joe hatte die Idee zu diesem Song. Er schrieb die Lyrics und einen großen Teil der Musik, in die auch eine Mandoline und eine Geige involviert sind. Es geht hier um die letzten Gedanken von Wallace Hartley, des Violinisten und Kopfes des legendären Klassikorchesters der Titanic, der bei deren Untergang versuchte, so viele Passagiere wie möglich vom Schiff zu spielen, und dabei selber sein Leben opferte. Ich liebe die Dramaturgie, Schwere und Dunkelheit im mittleren Teil. Joes Gesangsperformance auf diesem wundervollen Stück Musik ist grandios!“

Liebe Leser, jetzt wird’s etwas heavy, denn der nächste Song, den ich anspreche, handelt von einer üblen, widerwärtigen Grausamkeit, die Menschen unschuldigen Tieren antun. Ich ziehe mein California Breed-T-Shirt aus, und unter diesem erscheint mein Sea Sheppard-T-Shirt. Sea Sheppard ist eine weltweit aufgestellte Organisation, die sich dem Schutz der Meere und deren Tierwelt zur Aufgabe gemacht hat. Glenn schaut ob dieser Aktion zunächst etwas erstaunt, versteht aber, als er das Sea Sheppard-Logo erkennt, sofort, welcher Song mir nun am Herzen liegt.
„Wow, Martin, das war eine gute Aktion! Ich weiß genau, dass du damit den Song ‘The Cove’ ansprichst. Das ist ein ganz bitteres Thema, das mich umtreibt. Dieses Stück befasst sich mit einem unglaublich grausamen Drama, das sich jedes Jahr aufs Neue an der Küste von Tajii in Japan ereignet. Dort werden tausende Delfine in eine Bucht getrieben und auf unvorstellbar brutale Weise regelrecht abgeschlachtet. Baby-Delfine werden direkt vor den Augen ihrer Mutter gekillt, oder umgekehrt, und die entsetzt zuschauenden Familienmitglieder leiden und ahnen, dass sie als Nächstes niedergemetzelt werden. Wie krank sind die Leute, die das tun, und diejenigen, die das absolut in Ordnung finden? Stell dir vor, dein Kind, deine Frau oder deine Mutter würde vor deinen Augen auf brutalste Weise getötet. Ich unterstütze seit mehreren Jahren den Delfinschützer Ric O’Barry bei seinem Bestreben, die Delfine zu retten. Ich habe ihm versprochen, einen Song über dieses sinnlose, brutale, lebensverachtende Szenario zu schreiben, das sich in dieser Bucht seit etlichen Jahrzehnten abspielt und zu einer total hirnlosen Tradition verkommen ist, die jeglicher menschlicher Vernunft und Liebe entbehrt. Was sind das nur für Barbaren, die solche Massaker begehen und dabei noch nicht mal rechtlich verfolgt, sondern im Gegenteil vom Gesetz noch geschützt werden. Ich bin eine sehr ruhige und friedfertige Person, aber es gibt Dinge, die mich unglaublich wütend machen. Ich habe ein ganz massives Problem damit, wenn Tiere gequält oder getötet werden. Täglich werden auf unserem Planeten 24 Millionen Tiere getötet. Das ist eine unvorstellbare Zahl, und der Gedanke daran macht mich ganz krank!“
 
Daraus schließe ich, dass du Vegetarier oder sogar Veganer bist.
            „Ich bin Vegetarier, der auf dem besten Weg zum Veganismus ist.“

Cool, da geht’s dir ebenso wie mir, ich bin seit 21 Jahren überzeugter Vegetarier, auch auf dem Weg zum Veganismus, aber bisweilen überwältigt mich die Lust auf ein leckeres Stück Käse.
„Wow! Hey, das finde ich absolut phantastisch, und ich bin überzeugt, dass es in Zukunft immer mehr Menschen geben wird, die diesen Weg einschlagen.“

Hast du dieses Gemetzel in der Bucht selbst angeschaut? Wie konntest du das verkraften?
„Martin, ich kann das überhaupt nicht verkraften, aber ich musste es mir anschauen, um die grausame Tragweite dieses Verbrechens zu verstehen und in die Welt hinauszutragen. Ich bin ein Botschafter und Lehrer, der Missstände kundtut. Meine Lyrics hatten schon immer eine Aussage, und diese hier sind mir besonders wichtig. Das Delfinprojekt hat mein Leben verändert, und ich werde mich bis zu meinem Tod für diese Tiere einsetzen. Zu ‘The Cove’ wird demnächst ein Video erscheinen, das sich hauptsächlich mit der Schönheit, Anmut und Intelligenz der Delfine befasst und so das grausame Drama für jeden Zuschauer greifbar macht. Ich hoffe, dass wir auf diese Art viele Menschen wachrütteln und animieren können, sich auch für die Tierwelt zu engagieren. Das Filmmaterial haben Ric und sein Sohn Lincoln zur Verfügung gestellt. Ich war sprachlos wie brillant es Joe gelungen ist, mit seinem grandiosen, einfühlsamen Gitarrenspiel die grausame und düstere Stimmung dieses Dramas einzufangen.“
Text: Martin Pietzsch
Pic: Neil Zlozower

 

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