Scorpions

Fünfzig Jahre und kein bißchen leise

Die Hannoveraner sind stetig unterwegs. Fast zwei Jahre feiert die Band nun ihr fünfzigstes Jubiläum weltweit, welches auch mit ein paar Tiefschlägen zu kämpfen hatte. Nun stand Anfang Dezember 2016 das letzte Konzert dieser Tour in Berlin an – als zweiter Anlauf. Wir konnten die Gitarristen Matthias Jabs und Rudolf Schenker vor der Show abfangen und ihnen ein paar Eindrücke von dieser Tour und auch ein paar Informationen für kommende Aktivitäten entlocken.

Wenn wir einmal ehrlich sind, so sind wir doch alle froh, daß die Scorpions es sich 2013 mit ihrem Rücktritt anders überlegt hatten. Ob man die Band nun mag oder nicht, ihre Verdienste um die deutsche Musik und natürlich insbesondere die deutsche Rockmusik sind unbestritten. Und wenn man sich einmal die Liste der Bands durchliest, die einmal als Vorband der Scorpions agiert hatten, kann man heute nur den Kopf schütteln: Bon Jovi, Def Leppard, Van Halen und Metallica sind nur ein paar Namen, die deutlich machen, welche Macht diese Band im internationalen Rockgeschäft ist. Nun steht mit dem Berliner Konzert die letzte Show dieser Tournee an.
„Ja, das ist das letzte Konzert dieser Tour“, bestätigt uns Gitarrist Matthias Jabs. „Aber bevor das falsch interpretiert wird: Das ist nur das letzte Konzert dieser Tour und nicht das letzte Konzert im Allgemeinen. Wir machen auch nächstes Jahr wieder was. Wir brauchen jetzt nur mal eine Pause“, wirft er gleich hinterher. „Wir finden es auch ganz toll, hier aufzuhören, da wir hier in Berlin 2015 bereits eine Woche geprobt hatten, bevor wir dann in China die Tour starteten. Nun beenden wir die Tour hier und schließen quasi den Kreis.“

Und man ist froh, daß die Tour zuende geht?
„Ja, es wird Zeit, die Batterien wieder aufzuladen“, gesteht Matthias. „Neulich habe ich gelesen, daß wir 127 Konzerte in siebenundzwanzig Ländern gespielt haben. Das kann man auf jeden Fall mal machen. Und wir denken, daß wir im Hinblick auf die Masse der Konzerte einiges getan haben und uns einfach mal ein paar Monate Pause verdient haben.“

Wie verlief die Tour denn bisher?
„Hammer“, antwortet Rudolf sofort. „Mehr kann man dazu nicht sagen. Wir haben weltweit gespielt. Die Nachfrage und auch das Resultat, also die Reaktionen der Fans, waren phantastisch. Das liegt uns ja auch sehr am Herzen, wenn wir so eine Tour starten. Das Schöne ist, daß wir inzwischen ja auch Generationenübegreifend sind. Wenn man mal einfach ins Publikum schaut, dann sieht man wirklich drei Generationen an Fans, die zu unseren Konzerten kommen. Das ist schon klasse. Da kommen Eltern mit ihren Kindern, aber auch Jugendliche mit ihren Freunden. Und jetzt, da die zielgerade vor uns liegt, da schaut man mit einem lachenden und einem weinenden Auge darauf. Auf der einen Seite ist es wirklich schade, jetzt die Tour zu beenden, wo es so großartig läuft. Auf der anderen seite wissen wir, daß wir die Pause jetzt dringend brauchen. Wenn man mal bedenkt, wir sind seit 2009 beinahe ununterbrochen unterwegs und haben in dieser Zeit vier Alben veröffentlicht. Da kann man schon sagen, daß wir uns das jetzt verdient haben.“

Daß so eine Tour definitiv ihre Spuren hinterläßt, konnten Fans am 21. März 2016 live erleben. Das erste Mal in ihrer Karriere mußten die Scorpions ein Konzert nach nur einer Handvoll Songs abbrechen, weil Klaus seine Stimme verloren hatte.
„Es war halt die Jahreszeit für so etwas“, erklärt uns Rudolf. „Da lag ein Virus in der Luft, so einfach ist das. Das ist menschlich und kann leider passieren. Dann kommen noch weitere Umstände hinzu. Es waren einige in der Crew krank. Bei dem einen schlägt das mehr an, bei dem anderen weniger. Und beim Sänger geht so etwas meistens auf die Stimmbänder.“
„Das ist natürlich schon ein komisches Gefühl, so eine Show mittendrin komplett zu beenden“, ergänzt Matthias. „Aber wir haben natürlich auf Klaus vertraut. Der hat schon öfter vor einer Show ein ungutes Gefühl gehabt, ob er es packt. Dann hatte er sich eingesungen, und dann hat doch alles funktioniert. Diesmal war es halt nicht so. Klaus hatte vor der Show, auch beim Einsingen, das Gefühl, daß er in der Lage ist, durchzuhalten. Sonst hätten wir die Show auch nicht gemacht. Wir hatten in den späten Achtzigern einmal eine Show wegen Krankheit verschieben müssen. So etwas ist blöd, aber nützt ja nichts, wenn es nicht geht. Wenn man aber bedenkt, wie lange die Scorpions bereits unterwegs sind, ist die Zahl solcher Vorfälle verschwindend gering.“
„Was mich ehrlich gefreut hatte, war die Reaktionen der Fans“, setzt Rudolf fort. „Die waren unglaublich verständnisvoll. Da wurde nicht gebuht oder gepfiffen. Die Fans haben die Arena ruhig und geordnet verlassen. Ich habe von einem Fan gehört, der kurz zur Toilette gegangen ist, wiederkam und sich auf seinen Platz gesetzt hatte und sich wunderte, warum alle Fans die Halle verlassen. Er dachte, daß wir eine Pause einlegen. Ein anderer Fan meinte dann wohl nur, daß die Scorpions keine Pause machen, die Show wäre vorbei. Das fand ich schon amüsant. Aber wir haben die Show vor ein paar Tagen in Hamburg nachgeholt und haben die Fans für März entschädigt.“

Im Mai folgte der nächste Schicksalsschlag für die Band. Der langjährige Drummer James Kottak konnte aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht weiterspielen. Mit Ex-Motörhead-Drummer Mikkey Dee wurde jedoch schnell ein Ersatz rekrutiert. War er die erste Wahl?
„Eigentlich schon“, antwortet Matthias. „Wir kennen natürlich Unmengen an Musikern und fähigen Drummern. Doch die sind meistens in festen Bands drin, und wir wollten keine Lösung, die nur ein paar Wochen hält. Der Drummer sollte schon eine komplette Tour mitspielen können. Nun kam es ja, daß Lemmy leider verstorben ist und Motörhead sich dadurch aufgelöst hatten. Also war Mikkey der Erste, der uns einfiel, als es um einen passenden Ersatz ging. Also hab ich ihn angerufen, und er hat gleich zugesagt.“

Im September 2016 wurde Mikkey Dee zum offiziellen Bandmitglied erklärt. Wie fühlt es sich als Band an, einen solch energetischen Drummer als festes Mitglied zu wissen?
„Es fühlt sich wunderbar an“, erzählt uns Rudolf freudig. „Mikkey ist ein guter Typ, der immer frei ausspricht, was er denkt, und das spielt, was er fühlt. Er ist technisch perfekt und als Mensch total super. Wir kennen uns schon lange und wußten daher, daß es auch menschlich passen würde. Außerdem war er schon immer Scorpions-Fan, weswegen für ihn dann auch ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Also gibt es nur Gewinner auf beiden Seiten. Es ist aber auch für James wichtig, daß er seine Gesundheit jetzt in den Griff bekommt. Deswegen hat sich das einfach angeboten.“

Jetzt liegt das Motto der Tour ja auf dem fünfzigsten Jubiläum der Band. Eine lange Karriere, die viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Gab es im Vorfeld Überlegungen, nochmals alte Weggefährten auf die Bühne zu holen, so wie damals beim ersten Auftritt auf dem Wacken Open Air?
„Na ja, mit Uli haben wir in Japan ein paar Songs gespielt“, erklärt Rudolf. „Das hatte gepaßt, weil er gerade auch vor Ort war, und er hat sich auch gefreut, das machen zu können. Aber so eine Sache ist auch nichts, was man auf einer kompletten Tour über machen kann. Natürlich freuen sich die Fans, wenn Heman, Michael oder Uli mit uns die Bühne teilen. Aber die haben alle einen strammen Terminkalender. In Wacken war das etwas anderes, da es nur ein Konzert war und dort zufällig auch alle Zeit hatten. Das war schon schön, und ich würde es auch gerne wiederholen. Mal sehen, ob und wann das klappt.“
Text: Pat St. James
Pic by Mark Theis

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