Pink Cream 69

Musikalische Dickschädel

Der Titel der neuen Pink Cream 69-Scheiblette sagt eigentlich schon alles aus, was man zum neuen Album der Karlsruher Hardrock-Gilde wissen muss: „Headstrong“ ist somit nicht nur Ausdruck einer gewissen typisch männlich-stoischen Beharrlichkeit, sondern zeigt allen mit Nachdruck, dass man sich anno 2017 von nichts und niemanden mehr verbiegen oder unterkriegen lässt.

Eine Einsicht, die vor allem im fortgeschrittenen Alter immer mehr die Überhand gewinnt und anhand welcher die Pinkies gleich zu Anfang mit der umtriebigen Heavy-Schnitte „We Bow To None“ (vorab als Video veröffentlicht) unmissverständlich jedem Zweifler klar machen, wo der Hammer hängt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man sich von irgendwelchen äußeren Umständen, Situationen, Personen beeinflussen ließ: Sogar der Anspruch, sich selbst als Musiker möglichst innovativ und zeitgemäß zu präsentieren, wurde rigoros fallen gelassen, schaffte dadurch Platz für ein neues, „altes“ Selbstverständnis und geht quasi als eine eindeutige Rückbesinnung auf die typischen PC 69-Qualitäten durch die Decke. Dafür steht „Headstrong“ samt der beigefügten Bonus-Livescheibe mit all der notwendigen Konsequenz; trotz der vielfältigen Aktivitäten seiner Mitglieder – sei es bei Unisonic, Almanac oder wie sie sonst noch alle heißen mögen. Vielleicht haben aber auch genau jene dazu beigetragen, sich beim eigenen Baby eindeutig auf die Stärken der Band zu konzentrieren. Egal wie, der Funke springt sofort über: Fett-melodisch groovig eingängiger Hardrock alter PC 69-Schule schlägt hier voll durch, an dem nicht nur die Fans der ersten Stunde ihre helle Freude haben werden. Allein schon die Tatsache, dass sich auf „Headstrong“ kaum eine Ballade ausmachen lässt, spricht Bände. Überhaupt beschleicht einen das Gefühl, dass sich die Truppe selten so einig über den Ausgang der Geschichte war, wie der mittlerweile in Holland lebende Frontmann David Readman (der das komplette Album mühelos in vier Tagen volle Pulle einsang) an diesem Tag äußerst entspannt ebenfalls zu Protokoll gibt.
Um beim Thema zu bleiben: Blickt man auf die nun schon dreißig Jahre währende Vita der Band, mussten sich die Pinkies in ihrer Karriere schon öfter verbiegen oder sich zumindest stark den jeweiligen Gegebenheiten anpassen und das Beste daraus machen. Davon kann Readman im wahrsten Sinne des Wortes ein Liedchen singen, der 1994 nicht nur den Platz des omnipräsenten, zu Helloween abgewanderten Fronters Andi Deris ausfüllen musste, sondern quasi unbewusst mit der Scheibe „Change“ (1995) eine zeitgemäße stilistische Umbruchphase einläutete, die damals nicht jeder nachvollziehen konnte. Wobei die CD an sich nicht schlecht war, sondern einfach nur ihrer Zeit voraus und damit zu viel, zu anders fürs Pink Cream’sche Fangemüt.
„Das stimmt zu hundert Prozent. Würden wir eine solche Platte mit dem Sound jetzt rausbringen, würde sich kein Mensch mehr daran reiben. Schon allein deswegen, weil Dennis als Basser/Produzent und ich in den letzten 22 Jahren gelernt haben, auf was es bei Pink Cream 69 ankommt. Insofern denke ich auch, dass ‘Change’ gewissermaßen seiner Zeit voraus war. Doch von all dem hatte ich damals keine Ahnung. Als ich in die Band kam, hatte ich keinen blassen Schimmer, für was PC 69 standen. Beim ersten Gig fielen mir nur die bunt aufgebrezelten Fans auf. So kann ich im Nachhinein nur sagen, dass sich daher eigentlich eher die Jungs in der Band dem aktuell vorherrschenden Zeitgeist anpassen mussten, während mich das weniger tangierte. Erst als wir dann auf Tour gingen, durfte ich doch feststellen, dass die Leute etwas ganz anderes erwarteten. Und dass,obwohl bereits der Vorgänger ‘Games People Play’ [1993] etwas düster-intellektuell à la Queensrÿche – also ganz im Gegensatz zu den viel melodischeren Alben der Frühphase – ausfiel.“

Doch zurück zu „Headstrong“:
„Objektiv betrachtet, haben wir uns schon zur letzten Scheibe ‘Ceremonial’ [2013] nicht ‘verbogen’, sondern machten das, was wir wollten – mit dem heuer umso mehr erklärten Ziel, die ganze Sache etwas härter anzugehen. Die Tatsache, dass ich mittlerweile auch bei Almanac singe und Dennis mit den wesentlich metal-lastigeren Unisonic unterwegs ist, wirkt sich logischerweise auch auf unsere eigene Mucke aus.“

Positiv, frischer und gradliniger, wie ich finde. Auf mich wirkt „Headstrong“ wie eine Frischzellenkur nach einer längeren musikalischen „Sinnsuche“, die meines Erachtens schon vor neun Jahren zu „Electrified“ (1998) einsetzte, das damals auf mich denselben frischen unbekümmerten Eindruck – also typisch PC 69 – wie die neue CD machte.
„Absolut! Mit der Platte waren wir wieder im Geschäft, wenn du verstehst, was ich meine. Mit ‘Electrified’ waren wir wieder in der richtigen Spur. Was nicht immer leicht ist“, gibt David unumwunden zu. „Schließlich gibt es immer jemanden, der einem etwas einzusingen versucht, und oft steht man sich auch selbst im Weg, weil man den Über-Kreativen spielen will. Dabei beschlich auch mich persönlich zuweilen das Gefühl, den roten Faden verloren zu haben. Umso schöner finde ich es, dass wir spätestens jetzt auf dem richtigen Weg sind.“

Auch ich bin mehr als froh, dass die Pinkies heuer ihren höchsteigenen melodischen Hardrock-Dickschädel mehr denn je durchgesetzt haben!
„It has to rock! Das ist alles, was zählt.“

Mir kommt es so vor, als ob die Truppe auch untereinander wieder mehr an einem Strang zieht und es einfach nochmal wissen wollte. Ein neu entzündeter Funke ...
„Da liegst du ziemlich richtig! In den Jahren zuvor lag bei uns der Live-Sektor ziemlich brach. Ein Manko, das wir letztes Jahr ausmerzten. Klar, dass sich dies auf den Zusammenhalt in der Band auswirkt. Was mir an Pink Cream 69 von Beginn an gefallen hat, war dieser unabdinglich ernste Drang, gute Musik zu machen. Das steht zwar immer noch als erste Prio auf unserem Zettel; doch auch der Spaß an der Sache soll bei uns nicht zu kurz kommen. Wir haben uns ein wenig locker gemacht und sehen das Ganze nicht mehr so bierernst und verzwungen. Dadurch geht uns alles leichter von der Hand. Ich weiß mittlerweile, wann ich wo vielleicht etwas aggressiver oder eben emotionaler singen muss. Wir probieren auch technische Gimmicks aus. Dennis entwickelte beispielsweise ein Faible für alte Mikrofone, motzte die museumsreifen Dinger auf oder baute gleich neue, die nach althergebrachtem Muster funktionieren. Und was soll ich sagen, der Sound ist einfach nur geil!“
Text: Petra Rottmann
Pic by Julia Braun Rising Arts

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