Doro

Lang lebe die Königin

Seit nunmehr fünfunddreißig Jahren währt die Regentschaft der Queen of Metal Doro Pesch. Natürlich ist das ein Grund zu feiern, und wie geht das besser als mit einem neuen Album? Und genau das hat auf sich warten lassen. Während Doro die Fans bisher wie am Fließband in regelmäßigen Abständen mit neuem Material versorgt hatte, mussten sie diesmal knappe sechs Jahre warten, bis ein neues Album das Licht der Welt erblickt. Dieses kommt dafür aber im Doppelpack. Warum es so lange gedauert hat und wie es zum ersten Doppelalbum in ihrer Karriere kam, hat uns Doro beim Frühstück verraten.

„Ich weiß auch nicht, was diesmal so lange gedauert hat“, entschuldigt sich Doro gleich zu Beginn. „Es ist mir auch echt ein bisschen peinlich, denn eigentlich lasse ich die Fans ja ungerne warten.“

Na ja, so ganz ohne ihre Doro haben die Fans ja die Zeit nicht verbringen müssen, denn schließlich kamen 2016 die Jubiläums-DVD „Strong And Proud“ und die EP „Love’s Gone To Hell“ auf den Markt. Und letztes Jahr gab es noch einmal eine Zusammenstellung aller deutschsprachigen Songs von Doro.
„Ja, das war quasi eine Art Trostpflaster“, verrät uns die Queen of Metal. „Ich wusste ja, dass ich schon Ewigkeiten am Album gesessen habe, und wollte den Fans wenigstens etwas geben, um die Wartezeit zu verkürzen. Für ‘Love’s Gone To Hell’ hatten wir ja die Möglichkeit bekommen, das großartige Musikvideo zu drehen, weshalb wir dann uns dazu entschieden haben, den Song auch gleich als EP zu veröffentlichen, damit die Fans schon einmal einen kleinen Eindruck von der neuen Platte bekommen. Eigentlich sollte das Album ja auch bald darauf folgen.“

Aber da kam der guten Doro ihr rastloser Geist dazwischen, denn sie war kurz darauf Teil der renommierten Rock Meets Classic-Tour und etwas später folgten auch weitere Auftritte mit ihrer Band.
„Ja, die Rock Meets Classic-Geschichte konnte ich nicht ausschlagen. Das war eine so schöne Zeit, mit all den tollen Musikern unterwegs zu sein, herrlich. Ich bin auch megastolz, denn ich bin bisher die einzige Musikerin in der Geschichte von Rock Meets Classic, die einen nagelneuen Titel mit Orchester präsentieren konnte. Und das war dann ‘Love’s Gone to Hell’.“

Aber so etwas hebelt den Produktionsplan natürlich auch aus.
„Ja, das stimmt“, gibt die Sängerin zu. „Dadurch, dass ich viel unterwegs bin, musste ich immer wieder kleine Zeitfenster nutzen, um an der Platte weiterzuarbeiten. Allerdings sind dadurch halt auch immer mehr Songs entstanden. Bis ich irgendwann so viele zusammen hatte, dass wir uns dazu entschieden, ein Doppelalbum an den Start zu bringen.“

Eine schöne Entschädigung für die Fans, die so lange warten mussten.
„Das stimmt, ich habe die Fans bisher noch nie so lange warten lassen.“ Man merkt, dass Doro das noch immer unangenehm ist. „Aber, ich denke, dass die Fans mit dem Album zufrieden sein können.“

Der Doppel-Longplayer hört auf dem Namen „Forever Warriors, Forever United“ und man merkt auch den Unterschied zwischen den beiden Alben, die man durchaus als eigenständig sehen kann. Denn während der erste Teil „Forever Warriors“ phasenweise recht brachial ausfällt, schlägt die zweite Scheibe „Forever United“ eher ruhigere Töne an – ohne jedoch komplett in den Balladen-Faktor zu fallen.
„Das hat sich tatsächlich so herauskristallisiert, als ich mit meinem lieben Freund Andreas Bruhn, der das Album auch produziert hat, die Songs zusammengestellt habe. Da haben wir auf die verschiedenen Stimmungen geachtet und dachten uns, dass man die Tracks gut trennen könnte.“

Andreas Bruhn ist ein guter Stichpunkt. Der ehemalige Gitarrist von Sisters of Mercy arbeitet schon lange mit Doro zusammen und hat auch mit ihr zusammen nicht nur den Großteil der Songs geschrieben, sondern auch eingespielt, was schon ein wenig verwundert, schließlich hat Doro seit Jahren ein stabiles Line-up. Doch genau dieses Line-up trägt sehr wenig zum Album bei.
„Ich bin sehr stolz auf meine Jungs“, beschwichtigt uns die Sängerin. „Das ist eher aus der Situation entstanden. Ich bin viel unterwegs und schicke Andreas dann viele Ideen, die mir einfallen. Um Zeit zu sparen, spielt Andreas dann viel selber ein oder fragt Freunde, die irgendwelche Parts einspielen. Das ist tatsächlich nur für die Vorproduktion gedacht gewesen. Quasi als Demo, damit ich die Melodie habe und mir vorstellen kann, wie der Song schlussendlich klingt. Der eigentliche Plan war, dass meine Band dann wirklich alles final einspielt, doch das Material war so, wie Andreas es produziert hatte, schon perfekt, so dass die Jungs nicht nochmal ins Studio mussten. Manchmal läuft es so, beim nächsten Mal wieder anders. So ist das manchmal in der Musik.“

Dass Doro unheimlich viele Freunde in der Szene hat, ist seit jeher bekannt, schließlich geben sich bei ihren Jubiläumsshows auch die Top-Stars aus der Metalszene die Klinke in die Hand. Seien es Hansi Kürsch von Blind Guardian oder Ex-Nightwish-Chanteuse Tarja Turunen. Aber auch die Scorpions in Form von Gitarrist Rudolf Schenker und Klaus Meine gaben sich bereits die Ehre. Kein Wunder also, dass Doro auf viel Unterstützung hoffen konnte, als es um das neue Album ging.
„Ja, ich habe mich sehr gefreut, dass viele meiner Freunde mitgemacht haben“, grinst Doro. „Beim Song ‘All For Metal’ zum Beispiel haben Mille von Kreator, Chuck Billy von Testament, Jeff Waters von Annihilator, Sabaton und Warrel Dane mitgemacht. Gerade über Warrel Danes Stimme freue ich mich sehr, weil er ein sehr guter Freund war und leider zu früh verstorben ist.“

Aber auch Johann Hegg ist nicht nur auf diesem Song zu hören, sondern hat auch noch ein eigenes Duett mit Doro. „If I Can’t Have You, No One Will“ heißt er und könnte schon fast als Fortsetzung zum Amon Amarth-Hit „A Dream That Cannot Be“ gelten, bei dem Doro damals auch mitgesungen hatte.
„Ja, ich habe auch schon in diese Richtung gedacht“, gibt die Sängerin zu. „Ich hatte mich damals wirklich gefreut, dass dieses Duett mit Amon Amarth zustande gekommen ist, denn ich finde die Band grandios und wollte immer mal was mit den Jungs machen, hatte mich aber nicht getraut zu fragen, weil ich dachte, dass sie absagen, weil das einfach nicht passt. Dann kam eines Tages die Anfrage, und ich bin gleich zu den Jungs geflogen. Und das Witzigste ist, dass es der Band tatsächlich genauso ging. Sie waren alle Fans von mir und wollten mit mir arbeiten, haben sich aber auch nicht getraut zu fragen, weil sie dachten, dass ich absage. Das war ein echt schöner Zufall. Und deshalb ist auch dieser Song entstanden, weil Johann und ich einfach wunderbar harmonierten.“

Doch auch alte Weggefährten von Doro wie Tommy Bolan, der gemeinsam mit ihr das Warlock-Album „Triumph And Agony“ eingespielt hatte, geben sich die Ehre.
„Ich habe letztes Jahr im Zuge des ‘Triumph And Agony’-Jubiläums einige Shows gespielt, bei denen wir auch Tommy eingeladen hatten“, erinnert sich Doro. „Wir stehen ja immer noch sehr gut in Kontakt. Zu dieser Zeit ist dann die Idee aufgekommen, dass Tommy auch auf diesem Album mitmacht. Ich habe ihn gefragt, und er war gleich begeistert.“

Genau wie Saitenhexer Doug Aldrich (The Dead Daisies), der auch spontan für Doro ein paar Parts beisteuerte.
„Doug und ich wollten schon Ewigkeiten zusammenarbeiten“, erzählt uns die Sängerin. „Allerdings scheiterte es immer daran, unsere Terminkalender zu koordinieren. Nun hat alles gepasst und ich bin megaglücklich mit dem Ergebnis.“

Eine eher ungewöhnliche Kooperation findet sich beim Song „Backstage To Heaven“, denn hier spielt Klamauk-König Helge Schneider mit.
„Ich habe 2013 mein dreißigjähriges Bühnenjubiläum eingeleitet und Helge hat meine Show vom Bühnenrand verfolgt. Er ist ja vielfältig an Musik interesseiert. Nach dem Konzert kamen wir ins Gespräch und er hat angeboten, auch mal etwas beizutragen, wenn ich seine Hilfe brauche. Und für diesen Song haben wir ihn dann gefragt, ob er vielleicht das Saxophon spielen würde. Er ist ein fantastischer Musiker und hat den Track unheimlich bereichert.“

Doch leider hat sie nicht jeden Musiker bekommen, den sie gerne auf dem Album gehabt hätte. Auch wenn sie nicht ganz unschuldig ist.
„Ich hätte gerne Rob Halford gefragt, ob er einen Song mit mir macht“, verrät uns Doro. Warum ist es nicht dazu gekommen? „Um ehrlich zu sein, ich habe mich nicht getraut zu fragen“, lacht sie etwas verlegen. „Judas Priest waren gerade im Studio, und ich war sogar in der Nähe und kenne ihren Produzenten Andy Sneap, der ja nun auch Glenn Tiptons Part bei Judas Priest übernommen hat. Ich hätte hingehen und fragen können und ich bin sogar überzeugt, dass Rob zugesagt hätte. Aber da ist immer noch eine Art Hemmschwelle gewesen. Vielleicht kriege ich aber Rob beim nächsten Doro-Album dazu. Das wäre noch ein großer Traum von mir.“
Text: Pat St. James
Pic: David Havlena

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