Tora Tora

Nightmare on Beale Street? 

Tora Tora aus Memphis, Tennessee gehörten Ende der Achtziger beziehungsweise Anfang der Neunziger zu den aufstrebenden Blues Rock-Sternchen. Zusammen mit Bands wie etwa Tesla und anderen Truppen dieses Genres erreichten Tora Tora mit ihren beiden Studioalben „Surprise Attack“ und „Wild America“ achtbare Erfolge. Leider erschien das dritte Studioalbum, das bereits fertig im Kasten war, wegen des Einzugs der Grungewelle nicht mehr. Erst viele Jahre später, als es wieder schick wurde, bislang unveröffentlichte Tracks unters Volk zu bringen, kamen die Fans in den verspäteten Genuss der Songs. 

Mit „Bastards Of Beale“ erblickt nun tatsächlich eine neue Tora Tora-Scheibe das Licht der Rock Welt, mit der die Amis durch ihre frischen unverbrauchten Blues Rock-Songs aufhorchen lassen.

 Tora Tora-Sänger Anthony Corder sitzt zur Zeit des Interviews in Nashville und zeigt sich am Telefon deutlich hörbar frohen Mutes, was seiner Aussage nach vor allem an den ersten positiven Resonanzen bezüglich des neuen Tora Tora-Werkes liegt.

„Ja, wir selbst sind wohl am meisten aufgeregt über das bisherige Ergebnis beziehungsweise die Reaktionen zum neuen Album. Wir hatten gar nicht geahnt, dass es jemals wieder eine solche Nachfrage nach uns geben könnte, als wir uns 2008 wieder zusammengetan hatten, um nur ein paar einzelne Gigs zu spielen. Als 2016 unser Bassist Patrick sehr ernst erkrankte, wurde uns allen so richtig bewusst, wie wir in all den Jahren mit unserem Gesundheitszustand umgegangen sind, vor allem auf Tour. Dieses einschneidende Erlebnis rüttelte uns schon irgendwie wach, denn sobald es an die Gesundheit geht, macht dir so etwas richtig Angst. Und nach dreißig Jahren Freundschaft leidest du natürlich immens mit deinen Freunden mit. Schließlich sind wir schon eine Ewigkeit befreundet, unser Bassist und unser Drummer kennen sich schon seit ihrem achten Lebensjahr, also mehr oder weniger ihr ganzes Leben lang. Selbst als wir als Band einige Zeit pausierten, verloren wir uns nie aus den Augen und hielten stets den Kontakt zueinander aufrecht. Patrick wurde zum Glück wieder gesund und wir wurden zur Monsters Of Rock Cruise eingeladen. Dort trafen wir viele andere Bands von früher wieder, es war ein wahnsinnig schönes Erlebnis, dort dabei zu sein. Da auch viele Booker und Promoter mit an Bord waren, wurden einige von ihnen auf uns aufmerksam, weil sie gar nicht wussten, dass es uns als Band wieder gab. Kurze Zeit später fragten uns bereits Frontiers Records, ob wir nicht Lust hätten, ein neuen Studioalbum einzuspielen. Auf so etwas hatten wir als Band natürlich insgeheim immer wieder gehofft, und nun ist es Wirklichkeit geworden. Wir waren auch während unserer Auszeit immer kreativ tätig und jetzt, da unsere Kinder bereits im Erwachsenenalter und aus dem Gröbsten raus sind, ist der perfekte Zeitpunkt, es noch einmal mit Tora Tora wissen zu wollen.“

 Damals wurde den Amis ja wie eingangs erwähnt die berüchtigte Grungewelle zum Erfolgsverhängnis.

„Ja, als wir unser drittes Studioalbum fertig eingespielt hatten, kam plötzlich diese immense Grungewelle und spülte uns förmlich weg. Bei unserer damaligen Plattenfirma wechselten die wichtigen Leute ihre Positionen und unser Fürsprecher wurde plötzlich für Soundgarden und Extreme benötigt. Das gönnten wir ihm ja auch, aber für uns bedeutete dies letztlich den Todesstoß. Ich war damals 24 Jahre alt, der Plattendeal war weg und ich wusste nicht, was ich machen sollte.“

 Das klingt nach einer Neuorientierung.

„Ja sicherlich, aber obwohl wir alle unsere normalen Jobs haben, blieb die Musik für uns immer präsent. Wir schrieben immer nebenbei an Songs, weil Musik einfach unsere Passion war und immer noch ist. Ich selbst arbeite hauptberuflich im Unterhaltungssektor und unterrichte junge Musiker bezüglich der heutigen technischen Möglichkeiten im Unterhaltungsgeschäft. Es tut gut zu sehen, wie die jungen Musiker langsam heranreifen.“

 Da kann der gute Anthony ja aus dem eigenen Nähkästchen erzählen und diverse Tipps geben.

„Ja, vor allem kann ich ihnen sagen, was sie als junge Musiker definitiv nicht machen sollten. Mir macht meine Arbeit richtig Spaß, vor allem auch weil die jungen Leute sehr aufgeregt an die Sache herangehen und einige von ihnen tatsächlich den Willen und Glauben besitzen, dass sie ihre Musik veröffentlichen und dann gleich ein Star und berühmt werden.“ 

Zurück zum aktuellen Album, auf dem laut Anthony Corder eigentlich nur nagelneue Songs zu finden sind.

„Sicherlich sind einige ältere Ideen oder Fragmente mit eingeflossen, aber auf ‘Bastards Of Beale’ sind nur neue Songs zu finden und keine bislang unveröffentlichten Tracks. Wir möchten unseren Blick nicht zurück werfen, sondern nach vorne richten. In den Songs steckt unser aktuelles Herzblut, nicht das der Vergangenheit. Es ist eine richtige Gemeinschaftsproduktion, die wir dank der modernen Medien umsetzen konnten. Es ist schon toll, wenn du dir heutzutage Videos oder Sounds einfach so zusenden kannst.“

 Das neue Tora Tora-Album trägt den Titel „Bastards Of Beale“. Die „Beale Street“ ist eine sehr bekannte Straße in Memphis, die als Touristenmagnet gilt. So sind dort heute sowohl das Hard Rock Café oder der B.B. Kings Blues Club angesiedelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestimmten dort noch, ähnlich wie auf der Reeperbahn, Vergnügungsstätten, Casinos beziehungsweise Spielhöllen und Stripclubs das Gesicht und das Treiben der Straße.

„Ja, diese Straße hat für jeden Menschen dort eine ganz eigene Bedeutung. Hier wurde der Blues geboren, übrigens einer der Hauptgründe, warum dort so viele Touristen anzutreffen sind. Für mich ist das Viertel der eigentliche Geburtsort des Blues. Im September 1912 komponierte hier W.C.Handy [nein, dieser schwarze Musiker hat nichts mit der Erfindung dieser mobilen Teile zu tun – Anmerkung des Verfassers] seinen ersten erfolgreichen Blues-Song ‘Memphis Blues’. Aus dessen Feder stammt ebenso der ‘Beale Street Blues’, ein Song, der 1916 dazu beitrug, die ursprünglich als ‘Beale Avenue’ bezeichnete Straße in die Beale Street umzubenennen. Viele der großen Blues- und Jazz-Musiker traten hier auf, wie etwa Muddy Waters, Albert King oder B.B. King. Seit 1977 ist die Beale Street offiziell zum ‘Home Of The Blues’ ernannt. Wir wurden in einem Magazin als die ‘Bastards Of Beale’ bezeichnet, und diese Bezeichnung gefiel uns so gut, dass wir sie als Albumtitel übernahmen. Ich glaube, das trifft es ganz gut und beschreibt uns sehr passend. Wer noch nie in der Beale Street war, kann das nicht nachvollziehen, also auf nach Memphis, Tennessee.“

Text: Tom Klaner

Pic: Chris Neely

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