Def Leppard

Mit reinem Gewissen

Es gibt Jubiläen, die nimmt man eher nebenher wahr. Es gibt aber auch essentielle Jubiläen. Zur zweiten Kategorie muss zwangsläufig der dreißigste Geburtstag des Def Leppard-Meilensteines „Hysteria“ gezählt werden. Einem der besten Rock/Hard Rock/Pop-Alben aller Zeiten, das auch nach drei Jahrzehnten nichts von seiner Faszination, Qualität und Perfektion eingebüßt hat.
Gitarrist Phil Collen erinnert sich.

Das Album ist bereits vor elf Jahren wiederveröffentlicht worden. Damals in der „Deluxe Edition“ mit Bonustracks und einer Bonus-CD sowie einem sehr informativen Booklet.
„Nun ja“, lacht Phil. „Der neunzehnte Geburtstag war aber irgendwie kein richtig cooler Anlass. Der dreißigste hingegen schon. Das Hauptargument für die neue Version ist aber die Tatsache, dass viele der ‘Hysteria’-Singles immer noch auf der ganzen Welt gespielt werden. Und viele ‘Hysteria’-Songs finden sich natürlich auch in unseren Konzert-Sets wieder. Das wird auch immer so bleiben. Sie sind einfach viel zu gut, viel zu relevant, um sie wegzulassen oder mit anderen Songs zu ersetzen. Deswegen gaben wir dem Projekt schnell grünes Licht. Und ich muss sagen, die aufwendigste Version [Super-Deluxe-Version] von allen ist auch ein echtes Prachtstück. fünf CDs, zwei DVDs, zusätzliche vier Bücher, eine wertige Verpackung mit einigen Gimmicks. Das kann man machen!“

DVD Nummer 2 enthält die ursprünglich vor vierzehn Jahren veröffentlichte Dokumentation „Classic Albums – Hysteria“. Hätte es sich hier nicht eher angeboten, die DVD „In The Round In Your Face“ dazuzupacken?
„Eventuell schon, aber wir haben uns dazu entschieden, ‘In The Round In Your Face’ in zwei Teile aufzusplitten und auf zwei CDs aufzuteilen und dem Package beizulegen. Die reine Audiospur des Konzerts von damals ist noch nie veröffentlicht worden. Und auf dieses Konzert, das damals in erster Linie in der McNichols Sports Arena in Denver, Colorado mitgeschnitten worden ist, sind wir immer noch mächtig stolz. “

Dafür habt ihr die Livesongs aus Tilburg von vor dreißig Jahren weggelassen. Diese waren auf der Bonus-CD der Deluxe-Edition vor elf Jahren noch da. Sehr schade eigentlich. Die Mitschnitte von „Elected“, „Love And Affection“, „Billy’s Got A Gun“ und vor allem „Rock Of Ages“ mit den „Not Fade Away“, „My Generation“, „Radar Love“, „Come Together“ und „Whole Lotta Love“-Zitaten waren essentiell.
„Jetzt, wo du es erwähnst“, grübelt Phil. „Sofern ich mich erinnern kann, gibt es dieses Konzert sogar komplett. Das hätten wir gut und gerne verwenden können.“

Wer war in der „Hysteria“-Phase eigentlich der Hauptentscheider darüber, welche Songs auf dem Album landen und welche nicht? Hört man sich nämlich auf einer der neuen Bonus-CDs einen Song wie „Ring Of Fire“ an, stellt sich die Frage, weswegen er damals nicht auf dem Album gelandet ist.
„Unser Produzent Mutt Lange war damals quasi der Architekt, der für den Bau des Albums hauptsächlich zuständig war. Bei „Ring Of Fire“ kann ich mich daran erinnern, dass der Song einfach nicht gut genug war, um ihn auf das Album zu packen. So hat es Mutt damals zumindest gesehen. Und wir eigentlich auch. Wir waren einfach zu sehr von der überragenden Qualität von Songs wie ‘Animal’ geblendet. Und da hat ‘Ring Of Fire’ nicht so gepasst. Dafür hatten wir eine erstklassige B-Seite. Das gibt es manchmal … Man arbeitet an einem Song und ist total angetan davon. Dann aber geht es plötzlich nicht richtig weiter und man legt ihn beiseite. Und kehrt Jahre später zu ihm zurück und stellt ihn komplett fertig – und ist begeistert. In dem Falle von ‘Hysteria’ war es ein wenig seltsam. Da gab es einige Songs aus der Session, die wir erst Jahre später in überarbeiteten Versionen veröffentlichten oder sie zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellten. Und zwar auf dem ‘Retro-Active’-Album. Das Problem an der Sache war natürlich, dass Steve Clarke in der Zwischenzeit verstorben war!“

Steve Clarke war dein bester Freund, dein Gitarrenpartner in der Band. Hat dieses neue Projekt noch mehr Erinnerungen an ihn geweckt?
„Eigentlich nicht … Ich denke sowieso immer an ihn. Er ist für mich immer da. Insbesondere bei den Konzerten. Ich drehe mich hier und da zur Seite um und habe das Gefühl, er steht neben mir. Und wenn ich an Songs wie ‘Gods Of War’ oder ‘Animal’ denke, wenn ich sie spiele oder höre … Ich versetze mich fast immer in diesen Raum in Dublin, wo wir mit Steve an ihnen gearbeitet haben. Ich kann mich konkret an die Gitarrenparts erinnern, mit denen er ankam und die den Songs diese Prise Außergewöhnlichkeit gegeben haben! Das Ding mit Steve war wirklich … Er hatte diese anderen Ideen … Wenn du mit einem Gitarristen in einem Raum sitzt und ihn spielen lässt, kommt er meistens mit ähnlichen Ideen wie seine Kollegen an. Aber Steve spielte in einer anderen, eigenen Liga. Er hatte diesen besonderen Touch, den ich vor und nach ihm niemals mehr gehört habe. Teilweise war es so, als würde er ein anderes Instrument spielen. Es aber auf der Gitarre wiedergeben. Er hatte andere Blickwinkel, andere Konzepte. All das war sehr erfrischend, einzigartig, genial.“

Wann hast du ihn eigentlich zum ersten Mal getroffen?
„Ich habe noch bei Girl gespielt. Ich muss einundzwanzig oder zweiundzwanzig gewesen sein. Steve war ungefähr zwei Jahre jünger. Er war von Anfang an anders, aber als ich dann später zu Def Leppard kam und wir uns als Band entwickelten, wurde er – wie der Rest von uns – besser und besser. Diese Entwicklung innerhalb einer Band darf man nicht unterschätzen. Wenn ich mir heute aktuelle Mitschnitte von unseren Konzerten anhöre, bin ich erstaunt darüber, wie viel besser wir jetzt alle singen! Wir haben auch zu ‘Pyromania’- oder ‘Hysteria’-Zeiten gewiss schon gut gesungen. Aber jetzt singen wir alle viel besser. Mit jeder weiteren Tournee werden wir bessere Sänger – und natürlich Musiker. Aber im Studio hat es Mutt damals bereits draufgehabt, alles und noch viel mehr aus uns herauszupressen. Er sagte immer, dass er das Gefühl hat, dass dieses Album etwas Außergewöhnliches ist. Und dass wir unser absolutes Maximum geben müssen, um es auch in zwanzig Jahren noch mit gutem Gewissen hören zu können. Und was soll ich sagen … Jetzt sind es dreißig Jahre: Und unser Gewissen ist absolut rein! Das Album ist wirklich zeitlos und es kommt sogar aus den Achtzigern [lacht].“

Wie sehr war Mutt eigentlich an dieser Neuauflage beteiligt?
„Wir haben ihn lediglich um seine Erlaubnis gebeten. Er vertraut uns aber. Er kennt uns gut und er weiß, dass wir mit so einem Vermächtnis wie ‘Hysteria’ keinen Unfug treiben würden. Er kennt auch Joe Elliott sehr gut und er weiß, dass Joe in seinem Archiv wirklich alles besitzt und dass auch die seltensten Songversionen doch noch auftauchen – wenn Joe nach ihnen sucht. Joe ist ein guter Typ und einer meiner besten Freunde. Aber mit seinem Organisationstalent erstaunt er mich immer wieder. Wenn es um die Aufarbeitung der Vergangenheit geht, kramt er fast immer Sachen hervor, an die sich garantiert niemand von uns mehr erinnern kann. Und Joe hat zu jeder noch so seltenen Aufnahme immer noch eine tolle Geschichte parat [lacht].“
Text: Nikolas Krofta
Pic: Universal Music

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