Strife

Das vergessene Power-Trio 

Wir Deutschen lieben Schubladen und so wurde für Heavybands aus den Siebzigern, vorrangig unbekannte oder obskure Acts, die Schublade Proto-Metal eingerichtet. Doch der Begriff ist gar nicht mal schlecht, denn bevor es „richtigen“ Heavy Metal gab (1980 wäre so ein Wendepunkt), ging es gerade in den Siebzigern heftig zu Werke. Strife aus England passen perfekt in diese Kategorie. Und da ich durch den Sampler „Damn, This Stuff Is Heavy“ Kontakt zu John Reid bekam, muss das für ein Feature im Break Out genutzt werden.

 „Ich habe den Begriff Proto-Metal von einigen Leuten gehört und ich hoffe, dass wir einige mit unserer Musik beeinflussen konnten“, sagt der Gitarrist. „Ich weiß, dass Def Leppard oft zu unseren Gigs kamen und sicherlich werden auch andere Bands vor Ort gewesen sein“, fügt er hinzu.

 Und seine Vermutung sollte richtig sein, denn nur ein Jahr nach dem zweiten Strife-Album „Back To Thunder“ ging in England die New Wave Of British Heavy Metal (so richtig) los. So nennt der Labelinhaber von Shadow Kingdom (USA), Tim McGrogan, Strife auch das fehlende Glied zwischen 70s Hardrock und der NWOBHM in seiner Online-Werbung für die beiden Wiederveröffentlichungen.

„Es freut mich sehr, dass Tim und andere Menschen, die uns altersbedingt nie live sehen konnten, der Meinung sind, dass wir vielleicht einen Einfluss auf die NWOBHM hatten. Wir haben mit vielen dieser Gruppen auch live gespielt, zum Beispiel Judas Priest, Iron Maiden, Motörhead. Vielleicht haben ja auch manche etwas von uns mitgenommen? Ich habe aber höchsten Respekt vor all diesen Bands“, meint John. Was hätte ich gerne diese Konzerte gesehen!

 Was aber waren die Einflüsse für John, als er mit dem Musizieren begonnen hat?

„Ich begann 1963 in Liverpool, als die Beatles gerade groß wurden. Das war ebenso ein Einfluss wie die Rolling Stones. Zu dieser Zeit hatte ich meine einzige andere Band vor Strife: The Klubs. Wir sind eine Art Kultband gewesen, da wir uns von dem typischen Merseybeat unterschieden. Da begann ich dann auch Songs zu schreiben. Als Gitarrist war Jimi Hendrix mein größter Einfluss. Sein unorthodoxer Stil brachte mich dazu, meinen eigenen Stil zu entwickeln“, was ihm auch gelungen ist.

 1975 erschien das Debüt „Rush“ auf Chrysalis Records und der überlange Titelsong ist heute ein Fanfavorit. Warum picken die Leute immer gerne dieses eher schwierige Stück heraus?

„Dieses Lied besteht eigentlich aus Ideen für gleich viele andere Songs, die ich dann schließlich zusammengefasst habe. Gordon, Paul und ich hatten eine Chemie und blindes Verständnis zueinander, die ich nicht in Worte fassen kann. Das hatte zur Folge, dass wir stundenlang jammen konnten und dabei gegenseitig unseren Ideen gefolgt sind. Ich glaube, dass die Fans ‘Rush’ besonders mögen, weil es das Album-Finale ist und über 15 Minuten lang. Die Liveversion auf ‘Rockin’ The Boat’ ist der Beweis, zu was wir drei fähig waren, und es zeigt, wie wir damals gespielt haben“, überrascht mich John mit einem Live-Album, von dem ich bis eben noch nichts gehört habe. Und wieder etwas Neues auf der Einkaufsliste!  

Habt ihr nach der Veröffentlichung von „Rush“ viel gespielt oder seid auf Tour gewesen?

„Strife haben bestimmt 200 bis 250 Nächte pro Jahr gespielt und wir haben auch verschiedene Support-Touren absolviert. Leider konnten wir einige davon nicht zu Ende bringen, da die Hauptband nicht mochte, wie gut wir beim Publikum ankamen. Wir hatten großartige Shows mit Status Quo und Slade, was vom Energielevel auch gepasst hat. Andere Acts waren auch auf Chrysalis, wie Ten Years After, UFO, Procul Harum, Leo Sayer, Robin Trower oder Jethro Tull. Aber wir waren auch mit Thin Lizzy, Ian Gillan oder Ginger Baker unterwegs. Dann waren da aber auch unsere Vorbands, die nicht unbekannt blieben: Judas Priest, Motörhead, Saxon, Supertramp und viele andere“, erinnert sich John und erneut wünscht man sich hier eine Zeitmaschine.  

Dass der Erfolg ausblieb wird bei diesen Aufzählungen nur noch obskurer und bizarrer. Und in der Tat, was man als Trio auf die Beine gestellt hat, war außergewöhnlich. Hatte man dennoch Gedanken an einen Keyboarder oder weiteren Gitarristen?

„Wir haben es mit einem zweiten Gitarrist probiert und er war auch wirklich sehr gut. Auch dachten wir, dass unser Sound dadurch besser werden würde. Dann traten wir zu viert auf und es passierte etwas Seltsames: Wir kamen nicht mehr so gut an wie zuvor und es gab auch keine Rufe nach Zugaben. Das ging ein paar Shows so und dann hatten wir einen Gig ohne ihn. Plötzlich waren die begeisternden Reaktionen wieder da und wir trennten uns von ihm. Vielleicht hat die visuelle Chemie als Trio gefehlt, auch wenn das schwer zu erklären ist. Auf jeden Fall haben wir danach zu dritt weitergemacht“, schildert John die Versuche, den Sound von Strife zu verdichten.

 Ich fand das zweite Album „Back To Thunder“ von 1978 in einem Second-Hand-Laden. Mir fiel das Cover auf, dann sah ich, dass die Scheibe auf Gull erschienen ist. Als Fan der ersten Judas Priest-Alben (ich sammle alle Versionen und alles Drumherum) war ich Feuer und Flamme. Als ich die Scheibe zuhause auflegte, war es dann endgültig vorbei. Was ein Hammer! Doch wie kamen Strife an Gull? Sollten sie vielleicht sogar die „Heavy-Lücke“ schließen, die Priest mit ihrem Weggang zu CBS (heute Sony) hinterlassen haben?

„Wir hatten Probleme mit Chrysalis und haben die Firma direkt nach ‘Rush’ verlassen. Danach lagen wir fünf Jahre auf Eis, durften also kein neues Album bei einer anderen Firma veröffentlichen. Als sich die Lage verbesserte, schauten wir uns nach einem neuen Label um, und Gull boten uns einen guten Deal an. Allerdings kann ich dir nicht genau sagen, warum man uns dort wollte“, erzählt John und es bleibt wohl einfach dabei: Eben weil Strife eine geniale Band waren!

Text: Andreas „Neudi“ Neuderth

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