Tesla

Qualität nicht Qunatität 

Manchmal ist der Blick auf die Fakten unerbittlich. Tesla-Sänger Jeff Keith wird im Oktober dieses Jahres 61 Jahre alt. Dennoch oder gerade deswegen liefert er auf dem neuen Tesla-Album „Shock“ eine unglaubliche Leistung ab. Das Werk, das im März dieses Jahres erscheinen wird, wird gleichwohl für angeregte Diskussionen sorgen. Was allerdings gut ist. Denn die beiden letzten Bandwerke „Forevermore“ und „Simplicity“ gingen „nur“ in Ordnung und tauchten relativ unauffällig in der großartigen Diskografie der Band ab. Bassist und einer der Bandmotoren Brian Wheat weiß das natürlich und nimmt sich auf der US-Tournee zum neuen Album, die bereits vor dessen Veröffentlichung begann, eine Stunde Zeit, um sich mit dem Break Out zu unterhalten. 

„Natürlich wird das neue Album einige Fans vor den Kopf stoßen“, meint der 55-Jährige. „Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Unser guter Freund Phil Collen von Def Leppard hat das Teil produziert. Und Phil kommt nun mal aus der Mutt Lange-Schule. Das heißt, er war nicht ‘nur’ der Produzent. Er schrieb die Songs auch mit, spielte Gitarre und sang. Wobei er nicht so viel gesungen hat, wie man denken würde. Franky Hannon beherrscht die hohen Def Leppard-Backings perfekt. Aber Phil ist nun mal der Def Leppard-Gitarrist und das hört man dann dem Gesamtergebnis auch an. Zumal auch [der Def Leppard-Vertraute] Ronan [McHugh] das Album mischte.“ 

Die Freundschaft beider Bands begann, als Tesla seinerzeit der Special-Guest auf der „Hysteria“-Tournee waren. Beide Bands haben sich seitdem niemals aus den Augen verloren. Und Brian ist einer der besten Freunde von Def Leppard-Sänger Joe Elliott. Und umgekehrt.

„Sie sind so etwas wie unsere älteren Brüder“, stellt der Tieftöner fest. „Wir haben sehr viel zusammen erlebt. Und wir werden in diesem Jahr zusammen in Europa spielen, aber auch in Kanada. Ich bin sehr froh, dass Phil Lust drauf hatte, unser neues Album zusammen mit uns anzugehen. Als Testballon quasi haben wir den Song ‘Save That Goodness’ zusammen gemacht, der als Bonus auf ‘Mechanical Resonance Live!’ vor drei Jahren auftauchte. Das Ergebnis war sehr gut und brachte viele positive Reaktionen mit sich. Wir haben zu dem Song sogar ein Video abgedreht. Und der nächste Schritt war eben ein komplettes Album. Wir arbeiteten daran relativ locker. Insgesamt um die zwei Jahre. Die Aufnahmen liefen in Hotelzimmern, Umkleiden und Tourbussen ab. Aber auch in meinem Studio J Street Recorders in Sacramento. Wenn ich aber locker sage, ist es eventuell das falsche Wort. Phil hat uns nämlich sehr oft sehr hart in die Hintern getreten. Er wusste sehr genau, was er von uns haben möchte. Er kennt sich in unserer Diskografie sehr gut – teilweise vielleicht zu gut – aus. Und er wollte genau die Tesla auf dem Album haben, die er mag.“

 Was ihm zweifelsohne auch gelungen ist. Und mehrstimmige Chöre, Gitarrenwände und leicht steril klingende Drums – also die typischen Def Leppard-Elemente – gab es auch schon auf älteren Tesla-Alben zu hören. Man erinnere sich zum Beispiel an die Songs „Be A Man“, „Lady Luck“ oder „Hang Tough“ von „The Great Radio Controversy“. Das weiß auch Brian, der erklärte Vinyl-Spezialist und -Liebhaber.

„Beide Bands haben ähnliche Einflüsse. Wenn Joe bei mir ist, können wir auch Tage damit verbringen, über Bands und deren Alben zu philosophieren. Und wir kommen meistens zum gleichen Ergebnis. Das ist sicherlich kein Zufall.“

 Wie bereits in meinem Review erwähnt, tauchen auf „Shock“ Songs wie „We Can Rule The World“ auf, die Def Leppard sozusagen mit ihren eigenen Waffen schlagen.

„Soweit würde ich bei all dem Respekt nicht gehen“, schmunzelt Brian. Was der Bassist übrigens nicht besonders oft tut. „Allerdings weiß ich genau, wovon du sprichst. Und zufälligerweise handelt es sich bei dem Song um eine Komposition, die ich zusammen mit Phil Collen geschrieben habe. Und er ist ähnlich wie ich ein großer Queen-Kenner und -Verehrer. Textlich geht es übrigens darum, dass auch nach dem Tod bedeutende Menschen nicht ganz weg sind. Nimm zum Beispiel John Lennon. Er ist zwar lange tot, aber immer noch unter uns. Jeden Tag.“

 Weitere Beispiele wie James Dean, Prince oder Chris Cornell belegen nur diese These.

„Oder mein absoluter Lieblingssänger Freddie Mercury. Es ist doch unglaublich, wie präsent Freddie dieser Tage wieder ist. Natürlich auch wegen des riesigen Erfolgs von ‘Bohemian Rhapsody’.“ 

Auch wenn es so wirkt, ist das neue Tesla-Album weniger eine Gemeinschaftsproduktion als vielmehr eine Ansammlung von Songs, die Phil Collen mit den einzelnen Bandmitgliedern komponierte.

„Den Titeltrack beispielsweise schrieb ich zusammen mit unserem zweiten Gitarristen Dave Rude – und Phil.“

 „Love Is A Fire“ hieß im Original „Love Is Like A Fire“ und stammt eigentlich von Frank Hannons Soloalbum „World Peace“ von vor vier Jahren.

„Allerdings ist die Version, die jetzt auf ‘Shock’ steht, von Phil und Frank überarbeitet worden. Und passt jetzt viel besser zu Tesla.“

 Der wohl ungewöhnlichste neue Titel heißt „California Summer Song“ und ist ein gutgelaunter, sommerlicher Popsong. Das fast komplette Album hat überhaupt ein starkes Sommerfeeling. Eventuell hätte man es im Juni veröffentlichen sollen. Nicht schon im März.

„Klar“, schmunzelt Brian wieder. „ Allerdings geht dieses Tage alles so schnell, dass der Sommer quasi schon vor der Tür steht. Und wir werden ‘California Summer Song’ als Single noch vor dem Sommer veröffentlichen. Das ist zugegebenermaßen ein purer Popsong. Aber ich liebe ihn. Und man bekommt ihn einfach nicht mehr aus dem Kopf – wenn man ihn einmal gehört hat. Und zum Thema Veröffentlichungen. Unser Debüt ‘Mechanical Resonance’ haben wir damals vor 33 Jahren Anfang Dezember veröffentlicht. Es gab Stimmen, die uns davor abrieten und meinten, wir werden als Newcomer vollkommen untergehen im Weihnachtsmarkt. Das Ende vom Lied war, dass das Werk langsam, aber sicher seinen Weg gegangen ist. Und knappe drei Jahre später konnten wir unser erstes Platinalbum dafür in den Händen halten.“ 

Mit „The Mission“ steht auf dem neuen Album ein Song, der musikalisch durchaus an eure Anfänger erinnert.

„Wir mögen die Band für dieses neue Album in Phils Hände übergeben haben“, stellt Brian fest. „Aber die Zügel haben wir immer fest in den Händen behalten. Das geht auch gar nicht anders. Denn unsere Seele werden wir auch an unsere besten Freunde nicht verkaufen.“

 Wie bereits erwähnt, befindet sich die Band dieser Tage bereits auf US-Tournee, um auf das neue Album aufmerksam zu machen. Daraus werden der Titelsong und der Opener „You Won’t Take Me Alive“ vorgestellt. Der Rest des Programmes wird jeden Abend bunt zusammengewürfelt. Und es werden Songs gespielt, die die Band seit Jahren nicht mehr live gespielt hat. „Solution“ und „Need Your Lovin’“ etwa vom sträflich unterbewerteten „Bust A Nut“-Album. Oder aber das bereits erwähnte „Be A Man“ von „The Great Radio Controversy“. Aber auch „Caught In A Dream“ und „Miles Away“ von „Into The Now“ oder aber „Call It What You Want“ von „Psychotic Supper“ und „Changes“ von „Mechanical Resonance“.

„Es ist nun mal so“, holt Brian weit aus, „dass wir in den letzten Jahren oft mit größeren Acts auf Tournee waren. Seien es Def Leppard, Styx, REO Speedwagon oder Joan Jett. Und da hatten wir jeden Abend eben nicht ganz so viel Zeit und mussten uns auf unsere großen Hits der Marke ‘Modern Day Cowboy’, ‘Heaven’s Trail (No Way Out) ’, ‘What You Give’, ‘Love Song’, ‘Little Suzi’, ‘Signs’ oder ‘Cumin’ Atcha Live’ beschränken. Das müssen wir auf dieser Tournee nicht machen und so haben wir teilweise ganz tief in die Songkiste gegriffen. Und das Ergebnis ist erstaunlich. Da sind teilweise echte Perlen bei, die wir auch als Musiker und Autoren neu entdecken. Und diese Suche wird sicherlich noch weitergehen. Es gibt eben einen sehr reichhaltigen Katalog, aus dem wir auswählen können. Wir mögen es in unserer Laufbahn auf ‘nur’ acht Studioalben gebracht haben. Aber wir haben immer darauf geachtet, nur das zu veröffentlichen, was wirklich Sinn macht. Und daher war die Qualitätsdichte auf all unseren Alben immer hoch.“

Text: Nikolas Krofta

Pic: Universal Music

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