Helloween

Vereinte Kürbisse

Vor fast fünfundzwanzig Jahren trennten sich die Wege von Helloween und ihrem Sänger Michael Kiske. Fünf Jahr zuvor verließ Gründungsmitglied Kai Hansen die Band. Doch Helloween ließen sich nicht unterkriegen und machten mit Andi Deris am Mikro weiter. Und während Hansen bereits öfter den Kürbissen einen Besuch auf der Bühne abgestattet hatte, herrschte zwischen Kiske und dem Rest Funkstille – bis heute. Nun rollt die Maschine wieder und vereint die alte mit der neuen Generation Helloween. Wir haben bei Michi Kiske einmal nachgefragt.

Keine Frage, die „Keeper Of The Seven Key“-Alben sind unantastbare Klassiker des Heavy Metal und haben die Hamburger in die oberste Liga der Metalbands katapultiert. Doch irgendwann beginnt jede Legende auch mal zu wanken. Viele Fans und Kritiker haben bereits das Ende der Band vorausgesehen, als Kai Hansen die Truppe verließ, doch den richtigen Todesstoß wollte man den Jungs um Michael Weikath und Markus Großkopf setzen, als Kult-Sänger Kiske der Band den Rücken zudrehte. Doch, wie so häufig leben totgesagte immer länger. Denn der Wechsel von Kiske zu Deris schadete der Band nicht wirklich und sie konnte mehrere respektable Alben veröffentlichen und erfolgreiche Tourneen spielen. Seit nunmehr zwölf Jahren auch in einer konstanten Besetzung mit Sascha Gerstner an der zweiten Gitarre und Dani Loeble an den Drums. Nun folgt der große Paukenschlag mit der Rückkehr der verlorenen Söhne Hansen und Kiske.
„Ja, irgendwie war ich auch ein wenig der Auslöser dieser Geschichte“, verrät uns Michi. „Im Januar letzten Jahres haben wir das erste Mal alle zusammengesessen und über die Sache gesprochen.“

Eigentlich schon merkwürdig, da es ja jahrelang so aussah, dass gerade zwischen den Parteien Kiske und Weikath die Gräben unüberwindbar zu sein schienen.
„Die Jungs haben ja schon öfter signalisiert, dass sie Bock auf so eine Zusammenkunft hätten“, erklärt uns Michi. „Aber ich habe mich jahrelang dagegen gesträubt, das stimmt. Ganz einfach, weil ich bis dato überhaupt keinen Zugang mehr dazu hatte. Aber inzwischen hat sich innerlich bei mir einiges geändert, weswegen die Sache für mich wieder interessanter wurde.“

Doch wie kam der Kontakt wieder zustande?
„Das war 2013 beim Sweden Rock“, erzählt Michi gutgelaunt. „Ich war mit Avantasia dort. Auf einmal stand ich im Backstage-Bereich vor Weiki und er hatte genau das richtige damals zu mir gesagt. Er fragte mich, was er getan hätte, dass ich ihm nicht verzeihen könne. Er wollte wirklich die Sache begraben und Frieden schließen. Und da stellte ich echt fest, dass ich gar keinen Groll mehr gegen ihn hege. Damit fing das eigentlich an.“

Wenn man nach jahrelanger Funkstille zwischen beiden Lagern auf einmal voreinander steht, hat man doch bestimmt ein komisches Gefühl in der Bauchgegend, oder nicht?
„Irgendwie war das schon komisch, klar“, gibt Michi unumwunden zu. „Als er mich da gefragt hatte, warum ich ihm denn nicht verzeihen könne, habe ich für mich realisiert, dass ich ihm schon längst verziehen hatte. Wir hatten uns dann umarmt und noch eine Weile gequatscht. Damit war die Sache wieder gut.“ Dann fügt Michi noch hinzu: „Aber, ohne jetzt vielleicht egoistisch klingen zu wollen, ich habe diese Zeit tatsächlich für mich gebraucht. Auch wenn es für mich und andere schon schmerzhaft war. Aber so hatte ich die Chance, mich selber zu entwickeln. Und wenn man dann zurückblickt und zufrieden ist mit dem, was man geleistet hat, dann kann man auch nicht mehr wirklich böse sein. Ich sehe das als Teil des Schicksals. Es sollte halt so sein.“

Doch bevor es zu konkreten Gesprächen im Helloween-Lager kam, gab es ja mit Unisonic die kleine Helloween-Reunion, indem Kai Hansen sich zu seinem alten Sänger gesellte.
„Mit Unisonic kam der Stein eigentlich auch irgendwie richtig ins Rollen“, antwortet Michi. „Wir waren 2014 auf Tour mit Edguy und hatten auch ein paar Solokonzerte in Spanien gespielt, wo wir natürlich auch Songs wie ‘I Want Out’ spielten. Irgendwann meinte Kai im Backstage zu mir, dass wir schön blöd wären, wenn wir nicht irgendwann mal wieder etwas unter dem Banner Helloween machen würden. Und ich war tatsächlich offen dafür. So fing das alles wirklich an.“

Doch während Bands wie Guns N’ Roses langjährige Bandmitglieder vor die Tür setzen, um die Reunion zum Laufen zu bringen, wollen Helloween einen anderen Weg gehen und behalten die aktuelle Besetzung mit Dani Loeble, Sascha Gerstner und Andi Deris. Hansen und Kiske stoßen lediglich zum Tross dazu.
„Ja, diese Variante gefällt mir auch tatsächlich am besten“, gibt Michi zu. „So kann man wirklich beide Phasen der Band abfeiern. Das ist schon ein besonderes Ereignis, gerade für die Fans.“

So bekommen die Fans dann auch den direkten Vergleich zwischen den Alt-Sängern Hansen und Kiske sowie dem aktuellen Sänger Deris präsentiert, was ja durchaus seinen Reiz hat.
„Andi hat schon einen tollen Job gemacht, in den letzten Jahren“, erklärt uns der Hamburger seine Einschätzung über seinen Nachfolger. „Ich habe Andi jetzt erst so richtig kennengelernt und musste feststellen, dass wir uns beide richtig gut verstehen. Das ist echt klasse. Man ist sich in all den Jahren vorher nur mal über den Weg gelaufen und hat sich gegrüßt, mehr war aber nicht. Nun haben wir uns richtig ausgetauscht und können uns echt gut leiden. Wir sind uns sehr ähnlich. Das ist natürlich für so ein Unterfangen optimal.“

So eine Aussprache mit alten Rivalen kann schon etwas Heilendes auslösen.
„Absolut“, stimmt uns Michi zu. „Wir haben ja auch in unseren gemeinsamen Jahren eine Menge durchgemacht. Ich denke, dass gerade in unseren erfolgreichen Jahren auch viel Negatives passiert ist. Da kommen dann die ganzen Business-Typen auf einen zu und wollen alle ein Stück vom Kuchen abhaben. Rückblickend gesehen, haben genau diese Leute auch viel kaputt gemacht, damals. Wir hätten zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Management haben müssen, so wie wir es heute haben.“

Wenn man schon so lange nicht mehr zusammen gespielt hat und sich nun nach Dekaden wieder im Proberaum trifft, wie kann man sich die Proben zu einem Unterfangen wie Pumpkins United vorstellen?
„Bisher haben wir ja noch nicht geprobt“, gesteht Michi. „Wir haben viel zusammengesessen und gequatscht und eine tolle Fotosession mit allen gemacht. Da war die Stimmung großartig. Ich kannte den Großteil der neuen Band bis dahin ja noch gar nicht. Klar, mit Kai hab ich schon seit Jahren wieder zu tun und spiele ja auch wieder zusammen mit ihm in einer Band. Auch als ich wieder auf Markus getroffen bin, da war innerhalb von Sekunden alles klar. Wie ich erzählt hatte, ist mit Weiki auch alles geklärt und ein super Verhältnis. Zur Fotosession bin ich allerdings das erste Mal auf Andi, Sascha und Dani gestoßen und es lief wunderbar. Ich habe keine Zweifel, dass die Proben genauso laufen werden. Ich freue mich schon drauf. Also die Songs, die Weiki und die anderen bereits zum Proben ausgesucht haben, sind toll.“

1993 hatte Kiske Helloween verlassen. Hat man nach dem Abgang trotzdem ein Auge auf die Band gehabt?
„Nein, ich habe das damals echt boykottiert“, gesteht uns Michi. „Klar habe ich mitbekommen, dass Helloween mit den ersten Alben mit Andi Erfolg hatten, das war aber für mich erst recht ein Grund, die Band zu boykottieren, weil mich das natürlich auch verletzt hatte. Ich habe die Alben jetzt erst wieder ausgegraben. Sowohl die alten als auch die mit Andi. Mir gefallen die Scheiben echt. Und heute kann ich auch mit Stolz noch unsere alten Sachen hören und feststellen, dass wir echt geile Werke geschaffen hatten.“

Nun steht die Tour noch in diesem Jahr an. Doch anstatt diese groß anzusetzen, haben Helloween, ganz kryptisch, immer mal wieder einen oder zwei Termine bekanntgegeben. Viele Länder bekommen nur ein Konzert. Deutschland bekommt – im Moment – ganze drei. Stuttgart, München und Berlin. Soll das wirklich alles gewesen sein? Noch nicht einmal die Heimatstadt Hamburg wird bedacht?
„Lasst euch überraschen“, lacht Michi verschmitzt. „Nein, ganz im Ernst, wir wollten erstmal schauen, wie die Nachfrage so läuft und ob es auch genug Veranstalter gibt, die diese Tour buchen würden. Wir waren überrascht, als wir in São Paulo das erste Konzert angekündigt hatten, dass 10.000 Karten innerhalb von zehn Tagen verkauft wurden. Also ich bin mir sicher, dass noch Konzerte kommen, aber dafür gibt es Agenturen, die kümmern sich darum. Wir sind alle gespannt, wie viele Termine es noch werden. Nächstes Jahr sollen dann Festivals folgen. Eines haben wir schon gesichert, da werden wir als Headliner spielen, aber das kann ich noch nicht verraten. Es ist aber auch so, dass wir ein Festival nur spielen, wenn wir Headliner, oder zumindest Co-Headliner sind.“
Text: Pat St. James
Pic: Martin Häussler

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