Subsignal

Ein Zeitdokument lecker verpackt

Subsignal sind ein musikalisches Phänomen, präsentierte die Combo seit ihrem Debüt „Beautiful & Monstrous“ von 2019 nur gehaltvolle Klänge im Spannungsverhältnis zwischen Progressiv Rock und deutlichen melodischen Anteilen. Ohne Übertreibung kann man konstatieren, dass es Subsignal gelungen ist, ein ganz eigenes Klangbild zu kreieren. Und dennoch klingt kein Longplayer wie der andere, was alleine schon eine Kunst für sich ist. Das soll nicht heißen, dass sich Subsignal jedes Mal neu erfinden, aber stilistischer Stillstand hat bei der Truppe keinen Platz. Und so gibt es für Gitarrist und Hauptsongwriter Markus Steffen zu „La Muerta“ viel zu erzählen.

Wie ist Markus’ Gefühl zum neuen Output „La Muearta“?
„Abgeschlossen habe ich mit der Platte noch nicht, dazu ist alles noch viel zu frisch, zumal jetzt ja die ganze Promotion mit Interviews anläuft. Und man muss sich Gedanken machen, wie’s für die im Herbst anstehende Tournee aussieht, welche Songs dort gespielt werden sollen. Von der anderen Seite her bin ich jedoch schon wieder weiter, denn mit dem Komponieren kann ich einfach nicht aufhören und damit bin ich bereits bei der nächsten Scheibe. Bei mir gibt’s das nicht, dass ich eine Pause nach einem Album einlege; da bin ich einfach zu unruhig. Wenn ich irgendeine Idee im Kopf haben, muss ich diese ausprobieren. Und so bleibt bei mir der Songwriting-Prozess ständig im Gange.“

Die Aufnahmen zu „La Muerta“ sind logischerweise bereits seit einiger Zeit beendet. Kannst du dich beim Anhören dann gedanklich so weit lösen, dass du die Sache völlig entspannt anhörst, oder ist’s so, dass man darüber nachdenkt, was an der einen oder anderen Stelle man eventuell hätte anders machen können?
„Das tu ich nicht, denn da wirst du sicherlich verrückt. Das Spiel würde ins Unendliche getrieben, mit dem, was man weglassen oder hätte hinzufügen können. Die Stücke wurden so geschrieben und entsprechend aufgenommen, sprechen also für den Zeitpunkt, zu dem sie entstanden. Was wäre denn das Ergebnis, wenn ich die Tracks unter einem anderen Blickwinkel betrachten würde: Subsignal hätten nie eine Platte fertig, denn dann täten wir da oder dort noch was ändern, eine fortlaufende Geschichte, ohne jemals zum Ziel zu kommen. Der Hintergedanke, eine Perfektion erreichen zu wollen, ist Unfug, denn die existiert nicht. Und ich bin glücklicherweise in der Lage, irgendwann mal loslassen zu können. Ich gehöre jetzt nicht zu den Leuten wie Jim Matheos von Fates Warning, der mit der Phase der Band in den 80ern seine Probleme hat. Ich möchte jetzt nicht behaupten, dass er diesen Abschnitt leugnet, aber er findet ihn nicht mehr gut genug, um daraus Tracks live zu spielen. Mein Ansatz ist ein anderer, denn ich denke, man sollte dies unbedingt immer mit den jeweiligen Begleitumständen verbinden: Alter der Musiker, das damalige Können an den Instrumenten, es ist quasi ein Zeitdokument.“

Zum Zeitpunkt unseres Interviews wurde in „Even Though The Stars Don’t Shine“ die erste Single ausgekoppelt, die mit ihren durchweg positiven Reaktionen ein erster Fingerzeig aufs komplette Werk sein könnte.
„Ich hoffe es natürlich. Die Kommentare waren wirklich super, und ich hätte sie im Vorfeld so nicht erwartet. Insgesamt ist das Album ja doch ein bisschen anders, und du weißt ja nie, wie Fans und Medien auf die Veränderung reagieren. Gerade im Progressive Rock ist das häufig eine schwierige Sache, wenn du nun eine Nummer rausbringst, die einen Pop-Touch besitzt, obwohl es natürlich keine Popmusik ist. Das Ding ist eben ein wenig eingängiger, und da kann einem schon mal der Sturm der Entrüstung entgegenschlagen. Es sei denn, du heißt Steven Wilson, da kannst du einfach alles machen“, lacht Markus.

Wir hatten uns schon häufiger darüber unterhalten: Subsignal sind noch nie eine Band gewesen, die ausschließlich im progressiven Sektor agiert.
„Das stimmt, aber wenn man die Einträge im Netz wie bei Wikipedia durchliest, da werden Subsignal zum Prog gezählt. Die ganzen Schubladen sind jedoch noch nie mein Ding gewesen, dieses engstirnige Denken stört mich schlicht und ergreifend. Wahrscheinlich geht’s nicht ohne Einordnung, aber wenn du in einer bestimmten stilistischen Ecke steckst beziehungsweise hineingesteckt wirst, wird’s schwierig, Grenzen aufzubrechen, schaut zum Beispiel der beinharte Prog-Fan nicht unbedingt mit Begeisterung auf AOR. Das ist jetzt pauschal gesprochen und trifft beileibe nicht auf alle Fans zu, wobei ja auch nicht alle Titel wie ‘Even Though The Stars Don’t Shine’ klingen.“

Wie würdest du die Veränderungen im Subsignal-Sound beschreiben, die auf „La Muerta“ besonders herausstechen?
„Ich würde mal sagen, wir sind – was die Songs angeht – hier und da etwas direkter, beim ersten Hören etwas leichter zugänglich. Für mich als Gitarristen ist das alles nach wie vor sehr anspruchsvoll, da in den Arrangements viele Dinge untendrunter liegen, in den Details stecken. Spielerisch ist das Album absolut anspruchsvoll, aber vielleicht etwas leckerer verpackt. Die Scheibe ist, auch was das Sounddesign angeht, auf jeden Fall ein Gegenpart zu ‘The Beacons Of Somewhere Sometime’. Wir arbeiteten ja mit neuen Leuten zusammen und machten das sicherlich nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil wir eben einen anderen Sound wollten, ohne aber die Vergangenheit kritisieren zu wollen. Wir wollten eben was Neues ausprobieren.“

Subsignal sind zum Label Gentle Art Of Music gewechselt, was auch die Aufnahmen in einem anderen Studio als zuvor mit sich brachte.
„Wir werkelten mit Kalle Wagner und Yogi Lang zusammen, die beide Musiker sind und man von RPWL und Blind Ego her kennt. Ich hatte mit Kalle bereits bei ‘Touchstones’ zu tun gehabt, mit ihm da die Gitarrenproduktion zusammen gemacht. Für mich als Gitarristen ist mit Musikern im Produktions- und Aufnahmebereich zu tun zu haben einfach großartig, da dein Gegenüber immer versteht, von was du redest, und umgekehrt auch. Das ergab die Chance, dass wir neue Impulse bekamen, was den Sound angeht. Das Gleiche sagte ja schon Arno im Studioreport zu dir, dass es für ihn toll gewesen ist, mit einem Sänger zu tun zu haben. Oft sind es eben die Details, die’s ausmacht.“

Jeder verbindet doch mit einem frischen Output Wünsche und Erwartungshaltungen.
„Ich würde mich freuen, wenn die Platte gut angenommen wird, wobei ich mir natürlich auch klar darüber bin, wie das Musikgeschäft heutzutage aussieht. Deswegen äußere ich mich bei jedem Release vorsichtig, was nichts daran ändert, dass ich positiv eingestimmt bin. Es wäre schön, wenn wir mit Subsignal einen weiteren Schritt nach vorne machen können, auch im Vergleich zu den letzten Alben. Wir waren auf einem guten Weg, nun wollen wir einen weiteren Step machen. Vielleicht gelingt’s, ein paar mehr Fans zu gewinnen. Das wären so meine Vorstellungen.“

Markus hat es eben angesprochen, dass das Überleben im Biz kein leichtes Unterfangen darstellt. Von daher ist es beachtlich, wie sich Subsignal über all die Zeit behauptet haben, was sicherlich im Speziellen der besonderen Chemie zwischen Markus Steffen und Arno Menses geschuldet ist.
„Das ist eine Sache, auf die ich unheimlich stolz bin. Man darf nicht vergessen, dass wir bei Sieges Even ausgestiegen sind, einer Band, die auf einem guten Weg war. Mit Subsignal fingen wir im Grunde bei null an. Uns gelang es, die Firma Subsignal in ein gut funktionierendes Unternehmen umzuwandeln. Zwischen Arno und mir gibt’s nie Probleme. Es ist absolut angenehm für mich, mit ihm zu tun zu haben. So ist er beispielsweise unheimlich schnell, wenn’s darum geht, Gesangsmelodien zu schreiben. Uns beiden ist’s gelungen, auch durch schwierige Zeiten zu kommen, so brachten wir mit Subsignal einige Besetzungswechsel hinter uns. Aber es hat dennoch geklappt, die Band kontinuierlich weiterzuführen und in regelmäßigen Abständen Platten zu veröffentlichen. Das ist schon eine schöne Geschichte. Und man muss sich mal vor Augen halten, dass der Release von ‘Beautiful & Monstrous’ vor einer Dekade war. Da klopfe ich mir manchmal schon gerne auf die Schulter.“

Arno erwähnte es in der Unterhaltung während meines Studiobesuchs, dass er bei „La Muerta“ ein wenig mehr ins Songwriting involviert gewesen ist, eine dezente Veränderung. Radikal kommt dagegen das Cover-Artwork rüber, das sich doch gewaltig von den bisherigen unterscheidet und in ziemlichem Kontrast zu den warmen Klängen auf dem aktuellen Silberling steht.
„Ich sehe es nicht als Kontrast, zumal sich die Zeichnung ganz klar auf den Titel ‘La Muerta’ bezieht. Das Thema ist nicht düster, man muss sich nur den Text des Stücks durchlesen. Im Grunde genommen dreht es sich um Santa Muerte [Heiliger Tod] oder La Santisima Muerte [Allerheiligster Tod], eine Marienfigur, die in Latein- und Südamerika verehrt wird, hauptsächlich bei sozial benachteiligten Schichten, den Verlierern in der Gesellschaft, sogar Verbrechern. Die Drogenclans in Mexiko blicken auf zu dieser Figur und erbitten sich Vergebung für ihre Sünden. Das ist der Hintergrund, wie auch die ganzen Feierlichkeiten, die diesbezüglich immer stattfinden, die sind bunt und festlich. Ich sehe auch den Schädel auf dem Cover nicht aggressiv. Für mich besitzt er fast etwas Lächelndes. Das ist die eine Seite, und die andere besteht darin, dass wir dieses Mal einfach ein Motiv haben wollten, das zwar einfach gestaltet, vom Design her jedoch schön ist. Der Gegenpart zwischen Schwarz und Gold, auf der CD ist alles matt, und Kopf sowie Schriftzug sind rausgestanzt. Das sieht unheimlich wertig aus und soll deutlich zu erkennen sein. Wenn wir jetzt einen richtigen Totenschädel, wie bei Fluch der Karibik gewählt hätten, dies hätte vielleicht nicht gepasst.“

Nun kennen wir also die Gedanken hinter dem Artwork, das, egal wie’s man betrachtet, sehr viele Interpretationsmöglichkeiten bietet, hervorsticht – und das ist auch gut so.
Glücklicherweise erscheint „La Muerta“ auch im Vinylformat. Wie steht Markus zu dem Boom, den das „schwarze Gold“ seit einigen Jahren hervorruft, nachdem man schon den Abgesang auf die Langspielplatte eingeläutet hatte?
„Ich möchte wieder LPs hören und habe wieder einige Scheiben bei mir stehen, bin jedoch noch nicht dazu gekommen, mir einen Plattenspieler zu kaufen. Und da ‘La Muerta’ als LP unheimlich gut klingen soll, brauche ich unbedingt ein Gerät, ganz klar. Insgesamt finde ich die Entwicklung natürlich sehr positiv, und heutzutage muss man sowieso in alle Richtungen denken. Wenn ich als Musiker mir Spotify betrachte, was da letztendlich an Cash bei mir ankommt. Die sind der Teufel und verkaufen sich dir, als wären sie die besten Freunde der Künstler, aber letztendlich agieren sie als knallharte Geschäftsleute, die sich die Taschen vollmachen. Das ist die negative Seite der Medaille, aber dann haben wir’s natürlich auch mit einer tollen Idee und Gelegenheit zu tun, dass man überall auf der Welt die Musik mitnehmen kann, auf jeden Song Zugriff hat. Für mich zählt die Summe: CD, Streaming, Download, Vinyl und was weiß ich. Es gibt ja sogar schon wieder Kassetten zu bestimmten Veröffentlichungen. Eine Vielfalt, die ich per se nicht schlecht finde.“

Neben viel an Promoarbeit ist aktuell auch noch ein Video zu dem Stück „La Muerta“ rausgekommen. Und dann stehen Livegigs an.
„Im Oktober gehen wir auf Tournee in Deutschland, wobei geplant ist, für 2019 noch mehr Dates zu präsentieren.“
Text: Marco Magin
Pic: Subsignal GBR

 

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