Tigersclaw

Pure Magie

Das Debütalbum „Princess Of The Dark“ der Symphonic Power Metal-Band Tigersclaw ist ein absoluter Burner und heimst deshalb auch den Newcomer-Award dieser Ausgabe unseres geilen Rockmagazins Break Out ein. Um dies zu würdigen, steht natürlich auch ein Phoner mit dem Tübinger Mastermind der Band Alexander Baier an. Der hat im Vorfeld die grandiose Idee, dass man auch Sängerin Elena Minina mittels eines Mailers involvieren solle. Die wunderbare Sopranistin sendet zuverlässig und pünktlich die Antworten zurück.

Herzlichen Glückwunsch zu eurem grandiosen Album, liebe Elena! Bitte erzähle über deine umfangreiche musikalische Ausbildung. Wie kamst du mit Rockmusik in Kontakt und warum fiel die Entscheidung, in diesem Genre Karriere machen zu wollen?
„Zunächst möchte ich vielen Dank sagen für das Lob über unsere Arbeit. Das ist sehr wichtig für mich. Und ein herzliches Dankeschön an Mike Möller für die Unterstützung! Vielleicht scheinen meine Antworten ein wenig zu emotional und aufgeregt zu sein, aber Russen sind sehr emotionale Menschen: Wenn irgendetwas uns reizt, sagen wir, was wir denken und fühlen. Außerdem ist dies mein erstes Interview für ein europäisches Magazin und das ist toll! Als ich drei Jahre alt war, begann ich Klavier zu spielen und im Chor zu singen. Bereits mit vierzehn studierte ich Operngesang, und dann absolvierte ich die russische Akademie für Musik als Pianistin und Sängerin. Es ist sehr wichtig für mich, eine Musikerin zu sein und nicht nur zu singen. Um zu komponieren, das Klavier zu spielen und die Orchestrierungen zu machen. So kann ich jetzt genießen, dass Alex mir Raum lässt für meine Vorstellungskraft – ich kann zum Beispiel ohne Probleme viele verschiedene schöne Backing-Vocals erarbeiten und selbst aufnehmen. Zur Rockmusik wurde ich vom Schicksal geführt. Durch die facettenreichen musikalischen Erziehung und den Wunsch, Neues zu lernen, hatte ich Kontakt zu einer Vielzahl von Musikstilen. Zum Rock-Bereich fühlte ich mich immer hingezogen, was wohl daran liegt, dass Rock der Klassik am nächsten kommt und erheblich komplexer und vielfältiger als Pop oder Disco ist. Viele meiner Freunde sind in dieses Genre involviert. Mein Mentor von ‘Voice Of Russia’ Alexander Gradsky ist Direktor des Theaters, in dem ich arbeite. Er gilt als einer der ‘Mastodons’, die den Rock auf russische Bühnen brachte. Dies trug zur Zusammenarbeit mit mehreren russischen Metal-Bands und Projekten bei.“

Erzähle bitte deine Sicht der ersten Kontaktaufnahme mit Alexander Baier.
„Offenbar wurde ich durch pure Magie von Tigersclaw angezogen, als ob dieses Projekt für mich geschaffen wäre. Ich denke, es war ein Wink des Schicksals: Was führte meinen Finger, als ich unter seinem Foto auf Instagram einen Like setzte? – Ich weiß es nicht. Natürlich, ich stöberte nach inspirierender Heavy-Musik, war auf der Suche nach einem sozialen Netzwerk mittels Hashtag, interessiert an den Aktivitäten bekannter europäischer Bands im Besonderen. Stell dir meine Überraschung vor, als ich eine Nachricht von Alexander erhielt, in der er mir vorschlug, seine Kompositionen zu besingen. Der Name Tigersclaw sagte mir nichts, aber ich hörte mir ein paar Takte der Samples an – es war genug und reichte völlig, um zu verstehen: Ich will es!“

Warst du schon mal in Deutschland oder nach der Tigersclaw-Gründung in Alexanders Studio?
„Ich besuchte Deutschland vor vielen Jahren, als ich am Musikwettbewerb junger Klassiker in Oldenburg teilnahm. Deine Landsleute haben bei mir einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Überall Ordnung und Sauberkeit. Ich besuchte Bremen, Hannover und Berlin, aber nur ganz kurz. Gerne würde ich in naher Zukunft wieder kommen.“

Wie war es für dich, die Songs zu den Files, die Alexander dir gemailt hatte, im Studio in Moskau einzusingen, und wieviel Zeit hat das in Anspruch genommen?
„Mit jeder neuen eingehenden Datei hatte ich Freude wie ein kleines Kind. Neuer Raum für Kreativität! Jeder Song war für mich eine ganz neue Welt, eine neue Musikgeschichte. Ich liebte es, dass Alex mir und meinen Vocals so viel Raum für Kreativität gab. Ich kam ins Studio, begann mich einzuarbeiten und hatte neue Ideen, wie man den Gesang verbessern und erweitern kann. Ich habe sie Alex geschickt, und er hat es immer geliebt. Weil wir beide in die eine, gleiche Richtung denken. Manchmal reichte ein einziger Tag für einen Song. Manchmal war es notwendig sich reinzudenken, zuzuhören, um verschiedene Versionen und Gesangsregister auszuprobieren.“

Nenne bitte deine drei Lieblingssongs eures fantastischen Albums und begründe diese Auswahl.
„Ich liebe alle unsere Lieder! Aber es gibt diejenigen, die etwas aus meinem persönlichen Leben widerspiegeln. Zum Beispiel ‘Eternity’, ‘Like An Angel’ und ‘She Rides The Lightning’. Ich liebe es auch, meinen Morgen mit dem energiegeladenen ‘Revelation’ zu beginnen!“

Gibt es in Russland auch eine Musikszene, die harte Rockmusik und Operngesang verbindet, und wie ausgeprägt und beliebt ist diese?
„Nun, hier ist Symphonic Metal und Female Fronted Metal nicht ganz so beliebt. Aber es gibt gute Rock- und Power Metal-Bands. Bands meiner Freunde sind sehr beliebt und haben große Konzerte in vielen Städten Russlands. Es gibt ein Publikum, das nach dieser Art von Musik sucht, und Bands und Künstler, die sie entwickeln.“

Die letzte Frage stammt von Alexander. Das Video zu „Princess Of The Dark“ wurde in Moskau und Deutschland gedreht. Wie lief das?
„Als ich die Vocals zu dem Song aufnahm, hatte ich schon den Charakter der ‘Princess Of The Dark’ vor Augen: Sie ist ein schimmernder und sehr vielschichtiger Charakter. Tatkräftige Unterstützung bekam ich von zwei guten Freundinnen: der talentierten Regisseurin Olya Lobasheva und der Kostümdesignerin Sasha. In diesem Video gibt es eine kleine Prinzessin – meine fünfjährige Tochter spielt sie. Natürlich war es nicht leicht, mit so einem kleinen Kind zu filmen. Aber es war mit einer Menge Spaß verbunden, auch mit den Leuten auf den Straßen, als ich meine dunkle Prinzessin mitten in der Fußgängerzone spielte. Für die Dreharbeiten in Deutschland war die Anwesenheit von Alex und Ralf gefordert. Dafür hat Olya diese Geschichte mit Spiegeln und Chromakey erfunden, was das deutsche Filmteam perfekt vor einem Greenscreen umgesetzt hat. Hier in Moskau wurden die Aufnahmen zusammengesetzt. Es war nicht einfach, aber wir haben es geschafft und sind sehr stolz auf das Ergebnis!“

Nun steht der Phoner mit dem Mastermind von Tigersclaw Alexander Baier an. Nachdem ich mich für die famose Idee, Elena mit in den BO-Artikel zu involvieren, bedankt und zum saustarken Debütalbum gratuliert habe, plappert Alex frei von der Leber weg drauf los.

„Gerne, es war mir sehr wichtig, dass Elena auch ausführlich gefeatured wird und danke, es freut mich sehr, dass dir die Scheibe gefällt. Schon Ewigkeiten mache ich Musik, aber als ich dann so dreißig war, standen Familiengründung, Tochter und so an, ich wurde viel ruhiger und habe mich aus dem aktiven Musikgeschehen zurückgezogen. Aber ich hatte ja immer meine Klampfen da, um privat meine Finger geschmeidig zu halten. Irgendwann vor circa sechs Jahren habe ich dann angefangen wieder intensiver Musik zu machen, wurde auch kompositorisch aktiv und nahm das Material auf. Ich hatte eh immer eigene Songs gemacht, Covers sind nicht mein Ding. Heutzutage kann man sowas in guter Qualität daheim managen, wofür man früher sündhaft teure Studios buchen musste. Ich probierte eine Menge Sängerinnen aus und lud die Songs auf YouTube hoch. Da brauchte ich einen Kanalnamen: Da ich seit meiner Jugend den Spitznamen ‘Tiger’ trage, kam ich auf Tigersclaw, weil meine Krallen bei den Videoaufnahmen so schön über den Gitarrenhals flitzen. Irgendwann dachte ich mir, dass es zu schade um die Songs ist, wenn da nur manchmal ein Freund oder Bekannter reinhört. Ich begann die Sache intensiver und professioneller anzugehen und wollte unbedingt eine Plattenfirma finden. Zunächst wollte es ein Wink des Schicksals allerdings, dass ich, nachdem meine bisherige Sängerin Ute aus beruflichen Gründen das Projekt nicht mehr begleiten konnte, wie durch Magie auf Elena stieß. Auch Ute war von ihrer Stimme begeistert und hatte keine Probleme damit, dass ich sämtliche Songs, die ich mit ihr schon aufgenommen hatte, wieder überworfen und nochmal neu aufgenommen habe. Ute und ich sind nach wie vor gute Freunde. Ich wollte einen noch besseren Sound, und habe da manchmal bis zu sieben Gitarren reingehauen, damit das Ganze noch fetter und orchestraler klingt. Die meisten Songs waren also schon fertig komponiert und geschrieben, bevor ich Elena kennenlernte. Die Gesangslinien und so hat Elena selbst ausgearbeitet. Ich kann nicht singen, aber ich hab immer auf die Musik mit draufgesungen, da geht’s um die Intonation, wo die Silben gesetzt werden, und um die Melodie. Richtig professionell und gewissenhaft ausgefeilt und eingesungen hat Elena die Stücke. Teilweise singt sie neun Stimmen, wie bei ‘Eternal Flame’, wobei das Mischen für mich dann extrem aufwendig war. Bei einigen Stücken hat es bis zu zwei Wochen gedauert, bis ich den Song fertig abgemischt hatte. Ich habe Elena immer meine Ausarbeitungen zugeschickt und sie um ihre Meinung gebeten. Das ging oft bis spät in die Nacht. Elena ist eine Künstlerin, die das Gesamtbild des Songs sieht. So etwas habe ich vorher noch nie erlebt: Normalerweise will jeder sich selbst am lautesten hören. Elena hat wirklich einige male gesagt: ‘Alex, bitte nimm mich da etwas runter, da geht sonst deine Gitarre unter.’ Das gefällt mir unwahrscheinlich gut an ihr, dass sie ihre Arbeit und unser Projekt derart professionell und voller Enthusiasmus angeht. Sie ist eine kolossale Sängerin, sämtliche Files, die ich von ihr zurückbekommen habe, hatten eine Top-Qualität.“
Text: Martin Pietzsch
Pic: 7hard Media

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