The Weight

The Hard Way!

Vor zwei Jahren bekam ich die EP „Keep Turning“ der Wiener Formation The Weight zur Bemusterung zugeschickt. Der grandiose, nostalgische Rocksound, den die Jungs auf dieser Eigenproduktion in einer knappen halben Stunde zelebrieren, begeisterte mich total, was sich in einer Burner-Review in der BO-Ausgabe 5/2015 niederschlug. Am 17.11. erscheint endlich das selbstbetitelte Debütalbum der Jungs, welches eine wahre Rockgranate geworden ist. Ein schöner Anlass für eine angenehme Telefonplauderei mit Frontmann Tobias Jussel.

„Im Jahre 2014 hatten wir uns endgültig in dieser Formation zusammengefunden, sofort begonnen Songs zu schreiben und die EP ‘Keep Turning’ in dem schönen Ort Ebreichsdorf in der Nähe von Wien aufgenommen, was sehr schnell und problemlos vonstattenging. In Jürgen haben wir bald darauf ein tolles Management gefunden. Gemeinsam haben wir die folgenden Monate Kontakte geknüpft, ‘Keep Turning’ veröffentlicht, zusammen mit unserem Fotografen Simon Videos zum Titelsong und zu ‘The Doctor’ gedreht. Dann sind wir direkt auf Tour gegangen. Irgendwann stand das zweite Album an, und das ist jetzt fertig.“

Cool! Wenn ich mir so eure Facebook-Seite mit den vielen Likes und die Unmenge Klicks eurer Videos anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass ihr in Österreich offenbar schon eine relativ große Nummer seid, oder?
„Haha, na ja, das kommt natürlich immer auf die Perspektive an, aber da sage ich schon mal im Eigeninteresse: Ja! Die Videos funktionieren absolut super und die Rückmeldungen darauf sind wirklich toll! Speziell das neue Video zum Song ‘Trouble’ kommt hervorragend an!“

Auf das kommen wir später zu sprechen. Als ich euer Album das erste Mal in den Händen hielt, fiel mir sofort die grandiose Selbstironie der Covergestaltung auf: Ihr nennt euch The Weight (Gewicht), was gewiss die Schwere, Heaviness und Bedeutung eurer Musik perfekt beschreibt, und das Motiv dazu ist eine Feder! Wer hatte diese saugeile Idee?
„Danke für das Lob! Ich hoffe, ich verteile jetzt die Credits richtig, da sie in den Nebelschwaben der Vergangenheit verborgen sind. Unser Gitarrist Michael kam mit der Idee, eine Feder aufs Cover zu geben. Nach einigen Diskussionen über den Titel des Albums kamen wir zur Entscheidung, dass dieser nur ‘The Weight’ sein konnte, weil die Scheibe den Platz bietet, uns selbst und unseren eigenen Sound zu definieren. Ausgearbeitet wurde das Artwork von einem Wiener Grafiker, dem David, der in der Band von Michis Bruder spielt.“

In dem Cover schwingt, wie oft in euren Lyrics, eine gewisse Doppeldeutigkeit mit, denn ihr spielt diese grandiosen Heavy-Songs und die famosen psychedelischen Parts mit einer wunderbaren Leichtigkeit. Hattet ihr diesen Aspekt bei der Abstimmung des Artworks auch im Auge?
„Im Auge vielleicht nicht, aber was unbewusst mitgeschwungen hat beim Aufnehmen, ist, dass wir uns bemüht haben, möglichst transparente Arrangements zu finden. Was Neuproduktionen oft abgeht, ist die Luft dazwischen, da werden zehn Gesangsspuren übereinandergelegt und das Ganze wird komplett auf Anschlag gefahren. Das zu vermeiden, war uns ein großes Anliegen, denn oft nimmt man durch diese Überproduktion die Songs, deren Arrangement und die Transparenz nicht mehr richtig wahr. Das macht die Leichtigkeit unseres Werkes aus.“

Das Einzige, was ich an der Album-Ausstattung bemängeln muss, ist das fehlende Booklet mit Bildern und Songtexten, zumal diese eine gewisse Aussagekraft haben.
„Die beste Antwort auf diese Frage wäre: Wir wollen nur die Musik sprechen lassen“, lacht Tobi. „Die wirkliche Antwort ist, dass das eine Frage der Produktionskosten ist, da wir auf eigenen Beinen stehen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass folgende Serien mit einem Booklet ausgestattet werden. Ich bemühe mich darum, eine Aussage in die Lyrics einfließen zu lassen, aber versuche die Texte so zu formulieren, dass die letzte Interpretation dem Zuhörer überlassen bleibt, der sich so selber in der Musik wiederfinden kann.“

Die Doppeldeutigkeit des Openers „Hard Way“ ist eindeutig: Ihr spielt Hard’n’Heavy’n’Psychedelic vom Feinsten und ihr beschreitet den wahrhaft harten Weg des Musikbusiness.
„Der Titel geht auf eine Idee unseres Gitarristen zurück. Er warf in den Raum, dass das, was wir machen, der harte Weg ist, denn wir hatten sämtliche Angebote von diversen Labels abgelehnt, uns entschieden unsere eigenen Vorstellungen umzusetzen, auf die Konventionen der Musikindustrie zu pfeifen, unser eigenes Label Heavy Rhythm & Roll Records zu gründen, und unseren Weg gemeinsam in Eigenregie zu gehen. Wir alle fanden die Idee super, und so schrieb ich einen Text dazu. Deine Interpretation ist absolut richtig. Wenn man was richtig Gutes schaffen will, dann geht das nicht über den leichten Weg!“

Die Ironie und Mehrdeutigkeit findet sich doch gewiss noch in anderen Songtexten?
Tobi lacht schallend: „Die gibt’s nicht nur in den Liedern, sondern bei uns generell, auch im Umgang miteinander, und in der Kommunikation nach außen auch manchmal. Das Leben gibt keine einfachen Antworten, oder nur selten zumindest. Ganz einfache Dinge lassen sich mit Ja oder Nein beantworten und der Rest stellt sich wesentlich komplexer dar. Die Mehrdeutigkeit lässt Spielraum für Interpretation und unterschiedliche Sichtweisen.“

Hast du einen Songtitel parat, der explizit zu diesem Thema passt?
„Also ‘Plenty Of Nothing’ kann man definitiv dort einordnen. Eigentlich ist das ein Widerspruch in sich. Es gibt einen amerikanischen Traditional, der auch so heißt. Wir halten vieles für nichts, aber eigentlich ist es sehr viel, nur merken wir es nicht oder zu spät, oder wir glauben, vieles trennt uns, aber letzten Endes dreht sich das Leben der meisten Menschen um dieselben zwei bis drei Themen.“

Da hast du verdammt recht, man sollte viel mehr schätzen, was man hat. Doch nun zu eurem geilen Videoclip „Trouble“. Eigentlich mag ich Coversongs nur selten, doch der hier ist ein sehr spezieller, denn ihr habt in dem Video legendäre Plattencover zu neuem Leben erweckt, und so den Begriff ganz neu definiert: Cover-Song!
Tobi lacht schallend: „Danke für diese Doppeldeutigkeit, Martin! Es ist mir noch nicht aufgefallen, dass das eigentlich ein Cover-Song ist, obwohl es eigentlich sehr eindeutig zu sehen sein müsste. Die Grundidee kommt von unserem Manager Jürgen, der sich damit sehr erfolgreich kreativ einbringen konnte. Wir haben uns da für Covers von Scheiben entschieden, die für uns prägend waren. Der Jürgen hat dann eine Produktionsfirma an Land gezogen, die Atzgerei in Wien. Das ist ein Kunst- und Designkollektiv, das ganz verrückte Filmprojekte macht. Die haben vorher noch nie ein Musikvideo gedreht, waren von unserer Idee aber so begeistert, dass sie das unbedingt machen wollten. Es war sehr aufschlussreich und lehrreich für uns, in einer solchen Produktion mitzuarbeiten. Zudem ein Riesenspaß!“
Text: Martin Pietzsch
Pic by Soulshine

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