SpiteFuel

Träumende Sensibelchen

So ziemlich genau vor einem Jahr habe ich das Interview für das exzellente Debüt „Second To None“, was natürlich auch unser Newcomer der Ausgabe war, mit Stefan Zörner geführt, der damals schon davon überzeugt gewesen ist, dass es mit der nächsten Scheibe recht fix gehen könnte, weil das Gros der Songs bereits fertig wäre. Meist ist so etwas bloßes Wunschdenken, immerhin handelt es sich bei SpiteFuel eigentlich um eine Hobbyband, deren Musiker alle Vollzeitjobs haben. Aber sie haben das echt durchgezogen! Kompliment! Und das neue Werk „Dreamworld Collapse“ ist noch besser als der Erstling und sogar ein Konzeptalbum! Aber bevor wir darauf eingehen, lassen wir die Jungs mal das ereignisreiche letzte Jahr Revue passieren. Und da Stefan anscheinend Bammel vor der geballten Power des Break Out-Schreiberlings hat, hat er darauf bestanden, dass Gitarrist und Hauptsongwriter Tobi ihn unterstützt. Und der ergreift gleich das Wort!
„Nachdem wir die Platte rausgebracht haben, haben wir haufenweise Gigs gespielt, parallel dazu uns noch um das Songwriting gekümmert. Eines schönen Abends saßen wir mit unserem Labelchef Markus zusammen, der fragte, wie es aussehen würde mit neuen Stücken, so in ein oder zwei Jahren. Und wir antworteten halt, dass wir die Songs eigentlich schon hätten. Im Anschluss haben wir dann angefangen, im Proberaum die Sachen einzuspielen, uns auf die finale Songauswahl geeinigt und das Konzept musikalisch und lyrisch ausgearbeitet. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Und im letzten November waren wir bereits im Studio.“
„Am Anfang“, ergänzt Stefan, „hat uns Markus und das ganze Umfeld ausgelacht. Einer meinte: ‘Klar, macht doch gleich ein Konzeptalbum, wenn ihr sofort wieder ins Studio geht!’ Hahaha. Es ging wirklich bam, bam, bam, wir hatten null Zeit, nachzudenken. Es war ein Jahr wie im Rausch! Spielen, spielen, spielen ... Promo, Promo, Promo ... Songwriting, Songwriting, Songwriting. Und plötzlich ist man wieder im Studio. Wie damals in den guten alten 80er Jahren, wo du jedes Jahr eine Platte gemacht hast. Irgendwie ist diese verrückte Reise schon irre geil.“

Die 70er Jahre waren sogar noch besser, denn da gab es meist zwei Alben im Jahr von den Bands! Das muss der Ansporn von einer Band sein! Dürfte aber kein Problem sein, denn Tobi hat bereits wieder acht fertige Songs im Kasten, und wir haben ja erst Anfang März! Sehr überrascht bin ich aber über die Tatsache, dass man als Newcomer sich ein Konzeptalbum zugetraut hat, was eher untypisch ist.
„Richtig!“ bemerkt Stefan. „Aber wir kennen uns ja schon eine ganze Weile. Und es war klar, dass irgendwann mal so etwas von uns kommen wird. Wir sind uns da sehr ähnlich, obwohl ich ein Kind der 70er bin und Tobi eher eins aus den 90ern, musikalisch vom Einfluss her. Ein Song wie ‘Brillant White Lies’ ist zum Beispiel schon vier Jahre alt. Wir wussten aber damals, dass wir es noch nicht können von den eigenen Fertigkeiten her, aber auch von den Möglichkeiten. Das Album ist rasend schnell entstanden, aber der Gedanke war wesentlich älter. Deswegen ist alles auch so ausgereift. Die Geschichte stand auch schon länger, genau wie die tragenden Songs. Wir haben dann alles fertig auskomponiert. Deswegen ging auch alles so schnell.“

Bleiben wir bei der Science-Fiction-Story. Mir fällt auf, dass bei ähnlichen Konzepten oder auch bei Filmen immer die obere Führungsschicht nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht ist, während der „kleine Mann“ im Endeffekt verarscht wird. Somit indirekt auch ein sozialkritisches Thema ... Und zufälligerweise trifft das meiner Meinung nach auf die Politik in Deutschland gerade zu.
„Dass da eine zweite oder dritte Ebene an Story und Kontext da ist, hast du sehr gut erkannt. Genaue Interpretationen behalten wir uns erst einmal vor“, so Tobi.
„Ich sage ja“, ergänzt Stefan, „dass es eine dystopische Geschichte ist. Und die hat ja immer etwas mit Gesellschaftskritik zu tun. Es ist verpackt in eine schöne Science-Fiction-Geschichte, sage ich mal, aber ich gebe dir recht. Diesmal ist mehr Gesellschaftskritik drin als in den Lyrics zuvor.“

Dein Konzept beinhaltet ja noch eine Lovestory, allerdings ohne Happy End. eine unerfüllte Liebe. Hat diese Geschichte einen autobiografischen Hintergrund, der dich dazu inspiriert hat?
„Ich sage mal so, Chris, inspirieren ... Ich würde das mal weitgreifender sehen. Als kunstschaffender Mensch wirst du bei mir immer mein eigenes Leben, den Alltag, die Gegenwart in den Texten wiederfinden. Die Lovestory wollte ich drin haben, weil ich mich beim Schreiben ein bisschen abheben wollte. Keine Hard-Sci-Fi oder epische Science-Fiction, die gibt es schon milliardenfach. Um wieder auf deine Frage zurückzukommen. Natürlich ist da auch Autobiografie mit drin, ganz klar! Ich kann jetzt wirklich hier mal intim von mir sprechen. Bin halt ein Sensibelchen. Ich kann vom Gefühlsleben himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt sein. Ich lebe sehr intensiv, erlebe dies auch, so kann ich Glück sehr bewusst fühlen, aber auch Schmerz und Enttäuschung. Und all diese bunten Dinge in meinem Leben bringe ich natürlich in meinen Lyrics unter. Und da außer einem Chris Glaub sich niemand
Texte durchliest, kann ich alles machen, was ich will, hahaha! Interessiert doch eh keine Sau!“

Da untertreibt der Gute maßlos, aber das weiß er auch! Wenn man schon so ein Klassealbum wie „Dreamworld Collapse“ am Start hat, dann brennt man sicher drauf, es auch einmal komplett live umzusetzen. Am besten noch mit schönen Showelementen, die auf die Story Bezug nehmen. Das dürfte allerdings nicht so einfach sein. Orchester, Piano, Flöte, weiblicher Gesang ... Gibt es da realistische Pläne?
„Wir träumen!“ entgegnet Tobi sofort. „Alles, was du gesagt hast, ist absolut richtig. Wir überlegen uns das ja auch! Das mit dem Orchester wäre für mich und Stefan schon ein Lebenstraum. Das ist aber in weiter, weiter Ferne! Generell gilt das auch für die weiblichen Vocals, die ganzen Instrumente und die Arrangements, für die Mike Fiedler zuständig war. Wenn wir eine ganze Tour spielen würden, dann müssten wir all die Leute mitnehmen, was logistisch nicht möglich ist. Wir haben vor, vielleicht ein oder zwei Special-Shows zu machen, wo wir das Album komplett spielen werden. aber wie das Ganze ablaufen könnte, da sind wir uns noch nicht ganz so einig.“
„Bei einer Komplettaufführung“, schaltet sich Stefan ein, „wäre mit Sicherheit der Mike Fiedler am Piano am Start, Kirsten als Brillant White und Caro an der Querflöte. Die Originalbesetzung hätten wir gern zusammen. Es ist nicht unmöglich, aber es kommt natürlich darauf an, wie das Album angenommen wird.“

Puh! Gerade die epischen Songs sind die Highlights von diesem richtigen Brett! Speziell das elfminütige „Brillant White Lies“ ist für mich ganz klar das Herzstück ... Und ihr deutet gerade an, dass es womöglich nicht bei den kommenden Live-Shows vertreten sein wird?!
„Wir hätten ihn gern im Programm“, so Tobi, „aber es geht leider vorerst nicht. Die komplette Orchestrierung müssten wir sampeln, und da sind wir strikt dagegen. Wir wollen live spielen und nicht irgendwelche Tonbänder laufen lassen. Außerdem wäre bei den Spielzeiten, in denen wir uns bewegen, schon ein Viertel unseres Sets weg.“

Ich gehe mal davon aus, dass der hervorragende Titelsong dann ebenfalls geopfert wird.
„Das war uns aber auch von vornherein bewusst, dass es momentan nicht möglich sein wird.“
„Aber“, schaltet sich Meister Zörner ein, „es gibt Überlegungen ‘Dreamworld’ doch zu spielen. Vielleicht in einem Medley. Da gibt es Gedankengänge und wir arbeiten daran. Wir Schwaben sind ja ein fleißiges Volk, hahaha. Aber ihr bekommt 2018 richtig Unterhaltung! Wir werden ein Best-of-Set von ‘Second To None’ und dem neuen Album präsentieren plus Songs von Strangelet und Devil’s Darling. Wir sind so livehungrig! Wir lieben es halt, auf der Bühne zu stehen.“

Und Tobi?
„Bei einem Livekonzert will ich Show, Glitzer und Rock ’n’ Roll!“

Und wohl am besten noch Groupies dazu!
„Da musst du herhalten!“ kontert lachend sofort Stefan!

Video-Clips sind auch geplant. Erst mal ein kleiner Teaser, dann geht man mit „Brick By Brick“ an den Start. Und im Juni folgt mit „Under Fire“ der nächste Kracher, laut Stefan eine Hommage an alle Captain Kirk-Fans. aber das reicht noch lange nicht! Im Herbst ist ein dritter Videodreh angedacht! Spätestens da sollte man doch meiner Meinung nach mal den Opus „Brillant White Lies“ gekonnt umsetzen!
Da ist Tobi eher skeptisch: „Da musst du elf Minuten Video spannend unterhalten; das hat ja schon Kurzfilmcharakter.“

Na ja, damals waren es bei „Stillborn“ auch knapp sieben Minuten, somit sollte man sich wegen vier weiterer nicht ins Höschen machen! Natürlich findet auch Tobi die Sache sehr reizvoll! Freund Stefan sicherlich auch.
„Beim dritten Video werden wir schon unsere andere Seite zeigen, somit nicht nur auf die Fresse. Das wird sicher einer der epischen Tracks werden. Mit ‘Brillant White Lies’ wird definitiv etwas passieren, nur wir wissen noch nicht, was.“

Aber nicht nur 2018 könnte ein Triumphzug für SpiteFuel sein, wir kümmern uns schon um 2019! Laut Scherzkeks Tobi gibt es dann gleich zwei neue Werke!
„Und eines wird sogar ein Doppel-Album!!!“

Einen Besetzungswechsel, der die Jungs etwas schmerzt, gab es allerdings. Der langjährige Bassist Finn hat sich freiwillig verabschiedet, weil er sich lieber auf seine berufliche Ausbildung konzentrieren möchte. Alles freundschaftlich abgelaufen, auch irgendwie verständlich, denn trotz der ganzen Klasse von SpiteFuel wird es wohl keinem der Musiker möglich sein, von der Mucke seinen Kühlschrank zu füllen, was natürlich bitter, aber heutzutage die Realität ist.
Früher war halt alles besser, da wurde die Musik noch geschätzt. Und wenn du was in der Birne hattest, dann musstest du dir um einen Job überhaupt keine Sorgen machen. Das ist 2018 definitiv nicht mehr der Fall! So eine Entwicklung bei deutschen Bands wie etwa Helloween, Running Wild, Kreator oder Sodom bei Indie Labels mit ihren ersten Scheiben ist heute nicht mehr möglich. Zudem gibt es gerade im Heavy-Sektor eine wahnsinnige Veröffentlichungsflut. Und über die Situation auf dem Arbeitsmarkt generell schweige ich lieber. Da sage ich nur „Schwarze Pest“ und „Machtgeile Sozialdemokraten“!
Text: Chris Glaub

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