Night Demon

Ohne Gefangene auf Erfolgskurs

Es wäre einfach, diesen Artikel mit „Mit einem neuen Live-Album im Gepäck sind Night Demon zurück“ zu beginnen, doch die Band ist so präsent, dass „zurück“ absurd wäre. Vom fetten Festival bis zur örtlichen Telefonzelle, das Trio aus Kalifornien lässt seit seiner Gründung nichts aus und ist sich auch nicht zu schade, dieses konstante Wechselbad der Gefühle auf sich zu nehmen. Es gibt nur den Blick nach vorne, bei dem um jeden einzelnen neuen Fan gekämpft wird. Eine junge Metalband hat diesen Weg schon seit längerer Zeit nicht gewählt und man kennt Ähnliches eher von Bands wie The Brew oder Blues Pills.
Seit ich Jarvis (Bass, Gesang) das erste Mal getroffen habe, schraubt er fokussiert an der Karriere seiner Truppe. Alles auf eine Karte zu setzen ist gerade heute riskant, zumal das Musikbusiness nicht mehr so viel Geld abwirft wie noch in den Achtzigern. Trotzdem funktioniert dieser Weg, da die Band auch noch gut ist.
„Ich gebe dir recht. Wir wussten schon sehr früh, dass wir potentielle Night Demon-Fans nur dann erreichen, wenn wir in jede Stadt reisen und vor ihnen schwitzen. Das Internet hilft natürlich auch dabei, Gruppen bekannter zu machen, aber den nötigen Respekt bekommt man nur, wenn man sich vor den Leuten den Arsch abspielt. Finanziell ist es heute in der Metalszene immer eine Herausforderung. So viel auf Tour zu sein hat uns quasi auch davon abgehalten Jobs anzunehmen und hey, wer würde uns schon einstellen. Wir sind ja nie da! Wir haben viel geopfert für Night Demon und die aktuelle Situation ist natürlich gerade glamourös. Technisch gesehen sind wir obdachlos und leben on the road, in Studios oder im Proberaum“, beschreibt Jarvis die aktuelle Situation, die allerdings auch dafür gesorgt hat, dass das zweite Album in den deutschen Charts zu finden war.

Vor 30 Jahren war „DIY“ (Do It Yourself) eine Facette, während Acts mit Plattenvertrag gerne darauf gewartet haben, bis irgendwas passiert. Heute sollte man auch als Band mit einem Label im Rücken selbst in die Hände spucken.
„Ich denke, ohne einen Deal mit einem großen, finanzstarken Majorlabel, DIY ist der einzige Weg. Die Rolle der Plattenfirma ist heute anders als in der Vergangenheit. Sie helfen bei der Herstellung, Promotion und beim Vertrieb, doch der Rest liegt eben auch bei der Band selbst und wie weit sie es bringen wollen. Wir haben ein tolles Verhältnis mit unseren Labels, auch weil wir uns nicht ständig Beschweren oder ihnen die Schuld geben, wenn mal irgendwas nicht so läuft, wie wir uns das vorstellen. Es ist unsere Band, unser Leben, also sind wir auch verantwortlich. Ich würde sogar sagen, dass wir einer der besten Vertriebswege sind, denn wir verkaufen unsere Scheiben bei jeder Show sowie auf unserer Homepage in den USA und Europa“, beschreibt Jarvis das Hand-in-Hand-Arbeiten mit ihren Labels, von denen Steamhammer/SPV in unseren Breiten gute Arbeit leistet.

Jarvis ist zusätzlich auch noch Bassist bei den wiedervereinigten Cirith Ungol, die in den letzten Monaten auch viele Shows gespielt haben. Wie weit helfen Cirith Ungol Night Demon und umgekehrt?
„Wir sind mit den Jungs schon seit Jahren befreundet und darüber hinaus sind wir die einzigen beiden Metalbands aus unserer Heimatstadt Ventura. Als die Reunion startete, wollten sie gar keine Show ohne Night Demon spielen. Sie wollten ihre Brüder immer dabeihaben. Die anderen beiden in der Band fungierten auch als Crew für Cirith Ungol und es ist essentiell, dass wir da sind, wenn sie spielen. Dennoch sind Night Demon unsere Nummer eins und wir können keine Tour wegen einer Cirith Ungol-Show unterbrechen. Viele Veranstalter müssen nicht lange nachdenken, um gleich beide Gruppen zu buchen. Beim Rock Hard Festival war es sogar so, dass sie Night Demon wollten. Ich meinte dann, dass wir es machen, sofern sie auch Cirith Ungol unterbringen. Es war ein tolles Gefühl, dass nun wir etwas an Cirith Ungol zurückgeben konnten und Night Demon bereits einen Status hat, der eine solche Anfrage möglich macht“, überrascht Jarvis mit Insiderinformationen. Er hat aber auch kein Problem, sein Know-How weiterzugeben. „Aktuell manage ich Night Demon, Cirith Ungol, Satan, Visigoth und Bewitcher. Es war nie mein Plan, Manager zu werden, aber es gab jeweils einen Punkt, an dem diese Bands meine Hilfe und Erfahrung anfragten. Ich mag diese Gruppen einfach, denn jede hat etwas Spezielles. Einige haben eine lange Historie, die anderen sind neu und hungrig. Wir kennen uns alle und es fühlt sich manchmal wie eine Gang an“, lacht Jarvis, der on top auch noch bei den Briten Jaguar singt. Da bleibt für ein reguläres Leben kaum Platz. „Ich habe viele Freunde außerhalb der Szene, aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, in sozialen Situationen wie einem Familientreffen so zu funktionieren, wie es normal wäre. Mein Smartphone oder Laptop bleibt nicht aus und auch die Gitarre ist immer dabei. Egal wo man ist, es ist täglich irgendwann die Zeit für Business. Ich beschwere mich nicht darüber, aber es wird in diesem Punkt nicht einfacher. Ich habe irgendwann akzeptiert, dass ich mit dem Rock ’n’ Roll verheiratet bin“, bringt es Jarvis auf den Punkt.

Immerhin findet er die Zeit für Yoga, ab und zu auch für eine Meditation am Morgen. Dass nach zwei Studioalben nun die erste Live-Scheibe folgt, wird ihn die nächsten Wochen ebenso auf Trab halten.
„Sie wurde in Cleveland, Ohio, aufgenommen. Dort haben wir sehr viele Fans und es war auch eine gute Möglichkeit, Heavy Metal in Amerika zurück auf die Landkarte zu bringen. 92 Minuten geht die Show, und ich bin sehr froh, dass wir die Zeit hatten, auch im Publikum viele Mikros zu platzieren. Es fühlt sich jetzt an, als ob man dabei wäre. Ich bin mit Live-Alben wie Queens ‘Live Killers’, ‘Live Shit Binge & Purge’ von Metallica, Judas Priest und ‘Unleashed In The East’, Queen ‘Live at Wembley’, Kiss ‘Alive’ und ‘Alive 2’ oder auch ‘Live For The Record’ von Fear aufgewachsen. Das sind ein paar meiner Favoriten. Als Musiker waren Livealben schon immer wichtiger für mich als Studioscheiben“, spricht mir der Sänger und Bassist aus der Seele, der in seiner Heimatstadt Ventura, knapp eine Stunde von Los Angeles entfernt, das Festival „Frost & Fire“ veranstaltet, welches stilistisch dem Keep It True oder Headbangers Open Air ähnelt. Und auch hier trifft sich der harte Kern der Undergroundszene und verbindet die Veranstaltung durchaus mit einem kurzen Urlaub in Strandnähe. „Wir haben mit dem Festival begonnen um die Szene in den USA zu unterstützen. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger und ich weiß nicht, wie lange wir es am Leben halten können, wenn Night Demon so oft und viel auf Achse ist. Das Internet hat der Metalszene meiner Meinung nach sehr geholfen, während es für andere Musikrichtungen eher schädlich war und ist. In Zeiten von sozialen Medien ist der Mainstream fast tot und die Leute haben mehr Freiheit, das zu hören, worauf sich wirklich Lust haben. Man ist auch weniger darauf aus, bei seinen Kumpels wegen dem, was man hört, als hip oder cool zu gelten“, beschreibt Jarvis ein Phänomen, welches in den USA noch viel stärker zum Tragen kam als bei uns.
Text: Andreas „Neudi“ Neuderth
Pic: Nikolas Bremm

 

 

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