Virgin Steele

Der Besessene

Das aktuelle „Seven Devils Moonshine“-Boxset der New Yorker Metal-Legende Virgin Steele ist nicht nur ein Paket mit insgesamt fünf CDs und 88 Songs geworden, es soll auch das 35-jährige Jubiläum der Band, genauer gesagt, die Post-Jack Starr-Ära, die in der Tat 1983 mit dem Album „Guardians Of The Flame“ begann, gebührend feiern. Ein gut gelaunter und sehr gesprächiger David DeFeis steht Rede und Antwort.
„Wir haben die beiden Re-Releases „The Book Of Burning“ und „Hymns To Victory“ jeweils um einem Bonustrack aufgestockt“, legt VS-Chef David DeFeis gleich los, „und was die anderen drei Scheiben angeht, das ist kein alter Scheiß, der noch irgendwo bei mir in der Schublade lag, das sind alles neue Songs, die ich innerhalb des letztes Jahres geschrieben habe. Das ist das Dankeschön an die Fans und – wie ich finde, Value for Money.“

David DeFeis’ Hirn scheint eine schier unerschöpflich musikalische Ideenschmiede zu sein. Seine Erklärung ist so einfach wie faszinierend:
„Mein Leben besteht aus Musik. Sie ist immer präsent, meine Gedanken, meine Welt, das ist alles Musik. Sie ist meine Leidenschaft, mein Leben. Musik ist die ultimative Sprache, du kannst in wenigen Noten ausdrücken und auch hören, wessen Geistes Kind jemand ist. Musik hat so viel Kraft und Macht. Gäbe es keine Musik, wäre ich wahrscheinlich sehr gefährlich oder schon lange tot … Ich setze mich also nicht hin und sage, ‘ich muss jetzt die Songs für ein neues Album schreiben’, es sprudelt einfach aus mir heraus.“

Man darf ihn gerne besessen nennen, sagt er, denn das ist eine Tatsache. Auch, dass David mit normalen Maßstäben nicht zu messen ist. Er ist ein Vollblutmusiker und Visionär, der sich selbst und seine Musik immer weiterentwickelt, selbst auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden.
„Sicherlich wird es immer Leute geben, die nicht verstehen wollen oder können“, erwidert David. „Aber ich kann nicht wieder und wieder ‘Noble Savatage’ veröffentlichen und so tun, als wäre es immer noch 1985. Das Leben geht weiter, man isst ja auch nicht jeden Tag das Gleiche seit 1985 oder trifft nur die Leute, die man schon 1985 getroffen hat. Viele Leute, die ich 1985 kannte, sind mittlerweile tot. Nein, man muss sich weiterentwickeln, auf allen Ebenen, man darf sich nicht begrenzen lassen. Die Top-5-Songs auf deiner Playlist ändern sich ja auch immer wieder. Wenn jemand meine Musik nicht gefällt, weil sie eben nicht gefällt, dann ist das eben so, aber wenn jemand nicht mal den Versuch unternimmt, zu verstehen, dann muss ich leider sagen, limitiere mich nicht, nur weil du limitiert bist. Möglicherweise braucht man ein gewisses Musikverständnis, aber eigentlich muss man einfach nur offen sein für Neues. Und das betrifft jetzt nicht nur die Musik oder mich persönlich, sondern alles und jeden. Die Welt ist schön – aber sie wäre noch etwas schöner, wenn jeder den anderen und das, was er macht, akzeptieren oder zumindest tolerieren würde, auch wenn es vielleicht nicht seinem eigenen Geschmack oder Verständnis entspricht.“

Wenden wir uns mal den Songs und Covers auf den Alben mit neuem Material, „Ghost Harvest Vintage I – Black Wine For Mouring“ und „Ghost Harvest Vintage II – Red Wine For Warning“ zu. Songtitel wie „Child Of The Morning Star“ oder „Princess Amy“ lassen an ein weiteres Konzeptalbum mit einer fiktiven Story denken. Aber falsch gedacht:
„Zunächst mal sind alle Songs auf den Alben sehr persönlich. Sie basieren auf meinen Erlebnissen, guten und schlechten. Es sind also keine Fantasiegeschichten, sondern aus dem wirklichen Leben. Dabei versuche ich jedoch, mich so vage zu halten, dass der Hörer einen eigenen Bezug zu den Songs herstellen und sie für sich interpretieren kann.“

Mit Eigeninterpretationen kennt sich DeFeis aus, denn die „Cover“ auf den Alben als solche zu bezeichnen, wäre zu kurzgegriffen, schließlich interpretiert David DeFeis die Lieder seiner Kollegen nicht nur auf ganz persönliche Weise, er hat auch eigene Text- und Musikpassagen hinzugefügt.
„Die Cover sind alles Songs, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe oder die ich einfach sehr mag und schon immer mal machen wollte. Beispielsweise ‘Summertime’ von George Gershwin. Als ich ein Kind war, gab es da diese Frau mit dieser großartigen schwarzen Blues-Stimme in der Nachbarschaft, sie hat den Song immer gesungen. Das hat mich auf besondere Weise verfolgt. Ich habe damals die Bedeutung des Texts nicht wirklich kapiert, aber ich war berührt. Und dann hat meine Schwester Doreen [eine Musical/Opernsängerin – Anm. d. Verf.] eine wunderbare Version des Songs am Broadway gesungen. So ist die ‘Summertime Darkness Suite’ entstanden. Weißt du, ich habe noch nie Songs einfach nachgespielt wie eine Top-40-Band. Sowas mache ich nicht“, führt David weiter aus. „Ich behandle die Songs, als hätte ich sie geschrieben, und denke dann, ‘ah, das sollte so und so sein’ und dann füge ich hier und da Teile hinzu. Das sind unsere – oder meine – eigenen Interpretationen der Songs. Ich nehme einen Titel und packe meine Emotionen und meine Musikalität dazu. Und Ed Pursino und die anderen machen das genauso. Zum Beispiel ‘Wicked Game’ von Chris Isaak. Eigentlich sollte der Track nur drei oder vier Minuten lang werden. Jedenfalls haben die Jungs gehofft, dass er nur so lang wird, aber das ging nicht. Das Stück wollte wachsen, und ich sagte, dann machen wir eine lange Version, die können wir später immer noch kürzen. Aber irgendwie ist er immer weiter gewachsen und wir konnten nicht aufhören. Wie beim Sex, wenn du denkst, jetzt kommt der Orgasmus, aber das ist es noch nicht und machst weiter. Haha. Jetzt sind wir bei neun Minuten, das ist o.k., es hätten auch 14 sein können. Beim ‘The Gods Are Hungry Poem’ hatte ich zunächst einen Text geschrieben und dazu hatte ich diese schöne Melodie im Kopf. Ich wollte einfach den Text mit dieser Melodie singen. Und diese Klavier-Melodie ist auch wieder von Gershwin. Das ist kein Song, den er geschrieben hat, sondern ein Piano-Prelude von ihm, das ich als Kind immer gespielt habe. Das ‘Clouds Of Oblivion Medley’ ist das Ergebnis einer Jam-Session mit Dave Ferrara. Wir haben ‘Little Wing’ von Hendrix gespielt, und ich dachte, ja, das funktioniert, es ist ein cooler Song und ich singe ihn gerne, und dann habe ich den ‘The Gods Don’t Remember’-Part hinzugefügt. Als Antwort an Hendrix sozusagen. Ich dachte, hier hättest du so weitermachen sollen, Jimmy, also habe ich das übernommen [lacht].“
Text: Birgit Bräckle

Pic: Steamhammer/SPV

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