Alen Brentini

Der größte Albtraum des kroatischen Gitarrenhexers

Der kroatische Saitenhexer Alen Brentini, von dessen Existenz ich bisher noch keine Kenntnis hatte, ist in der Rockmusiker-Szene ein hochbegehrter Kollaborateur im Studio und auf Livebühnen. Größen wie Ritchie Kotzen (Mr. Big, Poison), Marco Mendoza (Whitesnake, Thin Lizzy), Kee Marcello (Europe), Eric Martin (Mr.Big), Nicole McCloud (Michael Jackson, Bruce Springsteen) nehmen gerne seine virtuose Musikalität in Anspruch. Seit 2012 ist er zudem fester Live-Gitarrist von Andres Gabalier.

Mit „Black Tears“ legt er nun sein viertes Solo-Album vor, dessen Power, Spielfreude und grandioses Songwriting mich total begeistert. Kurz vor einer Show in seiner kroatischen Heimat habe ich mit dem sympathischen Vierzigjährigen einen kleinen Phoner. Nach freundlicher Begrüßung und Gratulation zum saugeilen Album gestehe ich Alen, dass ich bisher noch nie was von ihm gehört habe.
„Es freut mich, dass dir das Album so gut gefällt, und dass du mich bisher nicht kanntest, ist vollkommen normal, denn man wird heutzutage von einer solchen Masse an Informationen erschlagen, dass man nicht alles kennen kann. Und du bist offenbar genau wie ich ein Rock- und Metal-Maniac. Einige Rockfans kennen mich von meinen früheren Solo-Alben und Kollaborationen, aber seit fast sieben Jahren bin ich als Gitarrist vom österreichischen Alpenpoprocker Andreas Gabalier unterwegs, dessen Publikum sich nicht aus Rock- und Metal-Fans rekrutiert.“

Da es den meisten Lesern wahrscheinlich ebenso ergeht, interessiert erstmal dein musikalischer Lebenslauf. Kennst du die aktuelle Presse-Info von Mercury Records über dich?
„Oh ja, die habe ich gerade gestern gelesen, das haben die wahrheitsgemäß geschrieben. Du kannst die Basisinformationen genauso übernehmen.“

Was ich im Folgenden auch tue: Schon im Alter von neun Jahren begeistert sich der im kroatischen Rijeka geborene Alen für die Gitarre seines Vaters. Mit dreizehn kommt dann der erleuchtende Moment vor dem Fernseher, als „The Final Countdown“ von Europe auf MTV läuft. Sound und Look der Band faszinieren Alen derart, dass er beschließt, auch Rockmusiker zu werden. Er saugt alles in sich auf, was auch nur im Entferntesten mit Metal und Hardrock zu tun hat, wobei ihn besonders deutsche Bands wie die Scorpions und Helloween, aber auch amerikanische Glam-Metal-Formationen wie Ratt und Skid Row beeinflussen. In der Schule gehört er nicht zu den hellsten Leuchten, dafür glänzt er außerhalb des Unterrichts als wandelnde Metal-Enzyklopädie. Als Neunzehnjähriger startet er seine steile Musikerkarriere. Mit der Veröffentlichung von „Black Tears“ schlägt Alen nun das spannendste Kapitel seiner Solo-Karriere auf.

Wie ist es für dich als leidenschaftlicher Rockfan, für einen Typen wie Andreas Gabalier auf der Bühne zu stehen?
„Die Antwort ist ganz einfach. Bruce Dickinson hat einmal gesagt: ‘Es gibt nur zwei Arten von Musik, Metal und Bullshit!’ Ich hingegen sage, es gibt zwei Arten von Musik, gute und schlechte. Manchmal muss man einfach offen sein, gerade als Profimusiker muss man bisweilen über seinen Schatten springen. Das tat ich vor zirka sieben Jahren. Daran ist nichts verkehrt, ich spiele für jede Menge Leute, die ihren Spaß haben und gut drauf sind, und das öffnet mir die Türen, die Dinge zu tun, die ich gerne tun will. So habe ich tatsächlich auch einige persönliche Fans gewonnen. Ich sehe nichts Schlechtes darin, ich weiß, dass viele Metal-Fans nur ihr Genre lieben, und nichts anderes. Ich bin Metal-Fan, aber trotzdem in der Lage, auch Pop, Blues, Country oder sonst was zu spielen. Ich habe die Chance damals ergriffen und das auch nie bereut.“

Da hast du komplett richtig gehandelt, denn nur mit seiner eigenen Musik zu leben, ist in der heutigen Zeit sehr schwer. Bei Andreas verdienst du deinen Lebensunterhalt und bist in der Lage, ein derart saugeiles Solo-Album wie „Black Tears“ auf den Markt zu bringen.
„Genauso ist es. Ich folge meinem Herzen und bin froh, dass ich meine eigenen musikalischen Ideen so umsetzen kann, ohne auf kommerziellen Erfolg achten zu müssen.“

Hey, der Erfolg wird sich bei der grandiosen Qualität des Albums sicher einstellen.
Beschreibe bitte deine musikalische Entwicklung von deinem ersten Solo-Album „Treca Demenzija“ bis zu „Black Tears“.
„Mein erstes Album ist kroatisch eingesungen und der Titel bedeutet ‘Dritte Dimension’. Damals suchte ich noch nach mir selbst, wusste nicht so recht, in welche Richtung ich gehen will. Da ich erstmal in meiner Heimat Kroatien bekannt werden wollte, wo der Metal-Markt sehr begrenzt ist, entschied ich mich für Poprock. Es war okay, ich hatte lokalen Erfolg, aber es war nicht der Weg, den ich gehen wollte. Von der Scheibe spiele ich in meinen Live-Shows nur noch den Instrumental-Track ‘Transexpress’, den ich sehr mag, und den ich mit ‘Tornado Of Souls’ von Megadeath, von denen ich ein großer Fan bin, erweitere. Meinen eigenen Stil fand ich im Folge-Album ‘Behind The Walls Of Silence’. Es ist rein instrumental und ich merkte, dass die Richtung stimmte, die ich konsequent im 2014er Album ‘Soul’d Out’ fortsetzte, das mehr dem amerikanischen Metal und Hardrock frönt. Ich bin sehr beeinflusst von europäischen, ganz besonders von deutschen Bands, mit deren Musik ich aufgewachsen bin, wie Scorpions, Michael Schenker, Mad Max, Casanova, Chroming Rose, Blind Guardian und so fort. Vor drei Jahren begann ich mit dem Schreiben der neuen Songs und orientierte mich an diesen Einflüssen. Die neuen Stücke riechen förmlich nach europäischem Metal, sehr melodisch, viele Power-Gitarren, coole Riffs und all das. Ich glaube, das ist mir verdammt gut gelungen, wenn ich das Teil höre, möchte ich keinen der Tracks überspringen. Der Unterschied vom ersten zum aktuellen Album ist wie Tag und Nacht. Mein größter Albtraum momentan ist, dass ich es nie mehr schaffen werde, dieses Album zu toppen, weil es so geil ist. Okay, ich habe schon wieder einige starke Songs in der Pipeline, wir werden sehen, wie sich das entwickelt.“

Soeben hast du Michael Schenker und Mad Max erwähnt. Dass du nun im Kidroom Studio von Mad Max-Urgestein Michael Voss, in der selben Location in dem Michael Schenkers „Resurrection“ produziert wurde, aufgenommen hast, ist ja der reine Wahnsinn!
„Ja, da hast du verdammt recht, das war echt klasse und bedeutet mir sehr viel. Ich habe die Songs in meinem Homestudio vorproduziert und bin mehrfach nach Münster gejettet, um mit Michael die Tracks auszuarbeiten. Sein Studio in dem trockengelegten Pool ist eine ganz besondere Location mit cooler Atmosphäre. Er ist ein feiner Kerl und toller Musiker und Produzent, über den ich nur Gutes sagen kann. Ich denke, dass wir unsere Zusammenarbeit fortsetzen werden.“
Text: Martin Pietzsch

Pic by Igor Rozic

 

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