Ayreon

Prog goes Science (Fiction)

Zurück in die Zukunft? Oder besser: zurück in die Gegenwart? Ähnlich wie bei Krieg der Sterne jüngst mit dem „Rogue One“-Streifen, der die Geschichte direkt vor dem (für Ältere) ersten Krieg der Sterne-Film in den 1970ern, also Kapitel IV, erzählte, geht Arjen Lucassen mit dem neuen Album knapp 10 Jahre zurück und erzählt die Vorgeschichte von „01011001“. Ein Gespräch mit Meister Lucassen über Egomanen, Kompromisse und eine Geschichte, die sich wiederholt.

Eigentlich sollte das Interview zwei Tage früher stattfinden, Arjen steckte aber im Berufsverkehr fest. Wie wäre es denn, die Geschichte von „The Source“ dahingehend umzuschreiben, daß es intelligente Autos gibt, mit denen die allabendlichen Staus in den Berufsverkehren hinfällig werden, die sich aber autark weiterentwickeln und irgendwann, bezogen auf die Intelligenz, den Menschen, die sie einst entwickelt hatten, überlegen sind. Sie, also die Autos, fahren nur noch wann und wohin sie selber wollen – und die Menschen entdecken ihre alte Liebe zu Pferden wieder …
„Hahaha, das wäre mal eine Idee, ja. Ich schreibe mir das mal auf, haha. Ich war auf der Space Expo in Noordwijk an der holländischen Küste. Da wurden Raumfahrtzeuge und so gezeigt, und ich hatte ein Interview für ein Alternativ-Magazin gegeben.“

Was natürlich prima paßt zu deiner Vorliebe für Science-Fiction und zum Thema des neuen Albums, oder?
„Ja genau, deshalb hatten wir das gemacht. Ich hatte das gleiche vorher auch schon in England gemacht. Da hatten wir eine Photosession bei einer Roboter-Expo in London – Roboter aus den letzten Jahrzehnten. Das war spannend.“

Unterhalten wir uns über das neue Album. Das ist wieder ein Doppelalbum geworden, wie fast alle anderen Ayreon-Alben vorher auch ...
„Nur die beiden ersten Alben waren keine, ja. ‘The Source’ bezieht sich auf die Quelle der Menschheit, wo kommt die Menschheit eigentlich her.“

Um nur mal auf ein paar der Songs einzugehen: Was ging dir zum Beispiel durch den Kopf, was hattest du gedanklich vor Augen, als du „The Day The World Broke Down“ geschrieben und komponiert hattest? Bist du da von einem Roman oder Film inspiriert worden?
„Also, ich habe noch nie in meinem Leben ein Buch gelesen, haha. Ich bin also in keiner Weise von einem Buch inspiriert. Auch Science-Fiction-Filme inspirieren mich nicht sonderlich. Es verhält sich eher anders herum: Ich schreibe zuerst die Musik und lasse mich dann von dieser inspirieren, um daraus eine Geschichte zu entwickeln. Was mich durchaus inspirieren kann, ist die Wissenschaft. Ich sehe mir sehr gerne Dokumentationen über den Weltraum an, wissenschaftliche Dokumentationen. Genau genommen bin ich mehr an Science, also an Wissenschaft interessiert als an Science-Fiction. Ich habe keine Idee, wo das mit diesem Konzept oder diesem Stück herkommt. Ich glaube nicht, daß ich das aus Filmen habe oder von Geschichten anderer Leute. Die Geschichte ist über die Jahre hinweg in mir gewachsen, wenn du so willst. Das ist wie eine Evolution einer Geschichte. Irgendwo habe ich gehört, daß unsere DNA durch einen der zahllosen Kometen- oder Meteroiteneinschläge in der Erdgeschichte kommen könnte. Auch diese Einschätzung, daß bis 2050 die Computer, die wir selber entwickelt haben, uns intellektuell überlegen sein könnten, ist eine wissenschaftliche Überlegung.“

Das Stück „All That Was“ klingt traurig bis düster, wenn es beispielsweise heißt: „Our world, our lives had been destroyed“ oder „I remember (…) the future was in our hand (…) now it’s over“. Gleichzeitig verwendest du aber folkige Elemente, die eine gewisse Leichtigkeit in die Sache bringen. Warum so?
„Ich liebe diese Art von Gegensätzen. Ich glaube, wenn man einen fröhlich klingenden Song mit düsteren, traurigen Texten macht, klingt das gleich noch trauriger. Vielleicht ist das der Effekt, den auch ein Clown erwirkt – wie bei ‘Es’ von Stephen King. Andererseits denke ich an die Szene in Monthy Pythons, ‘Das Leben des Brian’, als er am Kreuz hängt und ‘Always look on the bright side of life’ singt. Diese Art Gegensätze habe ich immer geliebt. Ich hatte das auch mal auf einem Song eines früheren Soloalbums gemacht: ‘Dr. Slumbers Eternity Home’ – der ist richtig fröhlich. Alle, die hierher kommen, bringen sich aber früher oder später selber um. In dem Song ‘Everybody Dies’ vom neuen Album ist das ein ähnlicher Effekt: Sie müssen ihren Planeten verlassen und ihre geliebten Menschen zurücklassen. Also versuchen sie positiv zu denken und erinnern sich an die schönen Dinge, die sie früher erlebt haben.“

In „Condemned To Live” geht es erst düster los, und es entwickelt sich danach durchaus hoffnungsvoll – wieder so ein Gegensatz …
„In der Geschichte gibt es unterschiedliche Charaktere. Einige sind ziemlich negativ eingestellt. Der Diplomat ist eher positiv, er sieht ein Glas eher als halbvoll als halbleer an. Er versucht, das auf die anderen zu übertragen.“

„Deathcry Of A Race” fängt erst mit Flötenklängen à la Jethro Tull an. Im Verlauf des Stückes kommen immer wieder orientalische Einflüsse in die Musik, bis an einer Stelle „I hear the Deathcry of a Race“ und ein Gebet in auf arabisch gesungen wird, im Duett mit einer Opernsängerin … Klingt so der Todesschrei einer Rasse?
„Das singt Zaher Zorgati aus Tunesien, der den Prediger in der Geschichte spielt. Er singt ein Zitat aus der Bibel, ‘Es werde Licht, und es wurde Licht’. Ich hatte ihm gesagt, um was es gehen soll: Sie erreichen diesen neuen Planeten, auf der Reise durch den Weltraum sind aber viele der Flüchtenden gestorben – es ist eine Eloge, eine Lobrede für die Toten. Man sollte da aber nicht versuchen, irgendeine politische Botschaft hinein zu interpretieren. Ich habe keine Ahnung von Politik und mag es überhaupt nicht, wenn Musiker meinen, sich politisch äußern zu müssen. Für mich sind wir für die Unterhaltung da, nicht für politische Reden. Ich selber lese keine Zeitungen, sehe mir keine Nachrichtensendungen an – ich habe ehrlich keine Ahnung, was in der Welt vor sich geht. Ich bin ein ziemlich antisozialer, egomanischer Typ. Zum Glück sind andere Leute nicht wie ich, aber ich bin zufrieden mit der Welt, wie ich sie mir um mich herum erschaffen habe, und wo ich in meine Phantasie und Science-Fiction-Geschichten fliehen kann.“

Was diese orientalischen, arabischen Klänge in einigen Songs angeht, mußte ich zuweilen an einen früheren Vengeance-Song, „Arabia“ denken …
„Ja, haha, damals war ich inspiriert von Rainbow. Da kam das alles her, von ‘Gates Of Babylon’ oder ‘Stargazer’. Ich mochte sowas schon immer.“
Text: Sven Meyer
Pic by Lori Linstruth

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