Gioeli – Castronovo

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein

Johnny Gioeli und Deen Castronovo – zwei Musiker, die 1992 mit Hardline und dem Debüt „Double Eclipse“, bei dem zum Beispiel auch noch Neal Schon von Journey mitwirkte, ein bahnbrechendes Album rausbrachten. Leider trennten sich ihre Wege bald danach wieder. Frontmann Johnny Gioeli kennt man danach vor allem als Frontmann von Axel Rudi Pells Truppe und Crush 40. Schlagzeuger Deen Castronovo, der zudem noch ein toller Sänger ist, führte es zu den Wild Dogs, Bad English, Ozzy Osbourne, Soul SirkUS, Journey und den Dead Daisies. Drogen, damit verbundene häusliche Gewalt sogar mit einer Waffe brachten Deen ganz nach unten. Neben juristischen Auflagen wog sicherlich der Rausschmiss bei Journey schwer, wobei der Absturz 2015 die Basis für eine erneute Zusammenarbeit zwischen Johnny Gioeli und Deen Castronovo legte.

„Ich bin sehr stolz auf diese Platte, und die Story ist einfach großartig, die sich hinter ihrer Entstehung verbirgt. Ich hatte mit Deen wohl an die 18 Jahre nicht gesprochen. Nun geschah Folgendes: Ein Journalist erzählte in einem Interview ziemlich dummes Zeugs über Deen, da dieser eine schwere Phase durchgemacht hatte.“

Alkoholmissbrauch, häusliche Gewalt, Polizeieinsatz, der Rauswurf bei Journey, ein Verfahren vor Gericht – Deen Castronovo war ziemlich tief unten.
„Wir alle durchlaufen in unserem Leben auch dunkle Zeiten und tun Dinge, die nicht in Ordnung sind, dies ist aber noch lange kein Grund, über jemanden den Stab zu brechen und ihn so zu verurteilen, wie’s in diesem Fall der Schreiber mit Deen gemacht hat. Ich bezog Stellung, verteidigte Deen, zumal mein Freund aus seinen früheren Schwierigkeiten geläutert herausgegangen ist und zudem noch öffentlich bei allen Beteiligten, seiner Familie, seinem Umfeld und den damaligen Bandkollegen um Verzeihung gebeten hatte. Deen bekam von meinem Statement mit und war gerührt, dass ich ihn nicht vergessen und für ihn argumentiert hätte. Ich entgegnete ihm, dass er nach wie vor mein Freund sei, trotz der langen Zeit ohne direkten Kontakt. Ich erinnerte an unsere gemeinsame Zeit bei Hardline, das Debüt ‘Double Eclipse’ und unsere unvergesslichen Erlebnisse Anfang der Neunziger. Das Frontiers-Label ist aktuell an einer Solosache mit Deen interessiert gewesen, und er war Feuer und Flamme, mit mir zusammen das auf ein Duett auszudehnen, quasi eine Reunion unserer früheren Zusammenarbeit bei Hardline. Und es war, als sei die Zeit stehengeblieben, wir beide hatten so viel Spaß miteinander. Die Energie wie zu ‘Double Eclipse’-Zeiten war sofort wieder da, und dieses positive Gefühl durchzog den kompletten Aufnahmeprozess zu ‘Set The World On Fire’.“

Hatte Johnny denn im Vorfeld damit gerechnet, dass alles so entspannt ablaufen würde?
„Auf jeden Fall, das dachte ich mir, alleine schon wegen der ganz speziellen Chemie, die immer zwischen Deen und mir herrschte. Ein wichtiger Faktor ist auch noch Alessandro Del Vecchio] gewesen, der ja nicht nur als Keyboarder, sondern auch dank seiner häufigen Studiopräsenz mit ganz vielen Musikern über einen extrem reichhaltigen Erfahrungsschatz verfügt. Er hat mit dafür gesorgt, dass wir immer auf Kurs blieben und alles schnell abwickeln konnten, ohne uns irgendwo zu verzetteln. Ich bin zudem zu alt, um mir bei musikalischen Aktivitäten noch irgendwelchen Stress anzutun. Es muss alles gemütlich ablaufen – und das verbunden mit sehr viel Spaß. Für den kompletten Longplayer benötigten wir weniger als einen Monat, bis alles im Kasten gewesen ist. Ein Horror sind für mich Alben, bei denen man zwei, drei Jahre braucht, um alles einzutüten, da bleibt doch jegliches Vergnügen komplett auf der Strecke. Bei uns lief alles so easy ab, dass ich mit Deen – lassen wir mal jegliche Rationalität außen vor – bald eine weitere Platte machen möchte.“

Das Songwriting für „Set The World On Fire“ war komplett ausgelagert, griff man ausschließlich auf Fremdschreiber zurück.
„Wir hatten Leute, die das für uns übernahmen. Der Grund war, dass wir unser Projekt schnell abschließen wollten, um nicht mit meiner Soloplatte in Konflikt zu kommen, die im Dezember erscheinen wird. Es macht ja keinen Sinn, dass zwei Werke praktisch zeitgleich rauskommen, bei denen ich der Sänger bin. Für meine eigene Scheibe übernehme ich alles selbst. Zudem finde ich es toll, wenn andere Songwriter deine Stimme in ihre Stücke einbauen. Ich bin da im Vorfeld sehr gespannt gewesen, wie das dann ablaufen wird. Ich covere ja nicht irgendeinen Track, sondern auf die Art wie ich singe, wird ein Titel zugeschnitten, was auch für denjenigen, der als Songwriter agiert, eine Herausforderung darstellt. Glücklicherweise gab’s im Vorfeld viele, die mit uns hier zusammenarbeiten wollten. Mit dem Resultat bin ich äußerst zufrieden. Die Qualität ist die komplette Scheibe so, als hätten Deen und ich die Dinger selbst geschrieben.“

Mit dem Release „Set The World On Fire“ verbindet Johnny Gioeli sicherlich gewisse Wünsche und Vorstellungen?
„Dieses Werk ist ein weiterer Baustein in meiner musikalischen Laufbahn. Und so lange man das mag, was ich mache, gehe ich diese Richtung weiter. Klar, dass es klasse wäre, wenn man von ‘Set The World On Fire’ viel verkaufen würde, aber wir wissen doch alle, wie der Markt aussieht. Ich möchte meinen Grad der Zufriedenheit deshalb nicht so hoch hängen. Wenn es einen gewissen Anteil an Menschen gibt, die diese AOR-Richtung hier mögen, dann ist mein Ziel erreicht. Ich hoffe, dass sich beim Anhören ein gutes Gefühl einstellt und der Spaß rüberkommt, den wir im Studio hatten. Einen großen Wunsch habe ich mit ‘Set The World On Fire’: Ich möchte damit unbedingt live auf Tour gehen. Es ist jetzt mal die Winterzeit anvisiert; hoffentlich klappt’s.“

Euer Label ist ja dafür bekannt, Musiker mit einem gewissen Status zusammenzubringen, um daraus eine gemeinsame Sache aus dem Boden zu stampfen.
„Ich würde lügen, wenn ich die Sache mit Deen und mir als Band sehe. Es ist eindeutig ein Projekt, und dazu stehe ich auch. Um uns als Band zu betrachten, müssten wir viel mehr Dinge gemeinsam machen, dürften nicht einige andere Dinge dazu machen. Deen und ich haben uns darüber unterhalten, noch einen weiteren gemeinsame Longplayer aufzunehmen, aber es gilt nun abzuwarten, wie’s mit ‘Set The World On Fire’ weiterläuft, immerhin ist’s ja eine ganz spezielle Scheibe, da er und ich – wie vorhin erwähnt – seit Hardlines ‘Double Eclipse’ nichts mehr gemeinsam gemacht hatten. An einem Projekt an sich sehe ich aber nichts Verwerfliches, wenn von vorneherein mit offenen Karten gespielt wird.“

Johnny sprach vorhin Touraktivitäten an. Sicherlich kein leichtes Unterfangen mit dem richtigen Timing, ist zum Beispiel Gioeli bei Hardline oder Axel Rudi Pell eingebunden; Deen tourt viel mit den Dead Daisies.
„Klar, dass das alles genau ausbalanciert sein muss, aber es zeigt sich, dass es ein paar Monate geben wird, in denen sowohl Deen als auch ich keine anderen Verpflichtungen haben werden. Erst sah es so aus, als würden wir diese Zeitspanne zum Relaxen nehmen. Nun haben allerdings schon etliche Promoter bei uns angeklopft, die gerne Deen und mich auf Tour sehen würden. Also werden wir dies angehen, denn ausruhen können wir uns dann, wenn wir tot sind, da haben wir genug Schlaf“, scherzt Johnny.

Johnny freut sich. „Die bisherigen Reaktionen auf ‘Set The World On Fire’ fallen in den sozialen Medien äußerst positiv aus, sodass ich optimistisch bin, dass das restliche Material auch Gefallen finden wird, da für alle Anhänger des Melodic Rock sich genügend unterschiedliches Material von hart bis hin zur Ballade auf dem Album befindet. Wir stehen zwar erst am Anfang mit der Singleauskopplung das Interview mit Johnny wurde Ende Mai geführt], aber AOR-Fans werden sicherlich nicht enttäuscht werden. Und ich bin sehr dankbar darüber, dass meine Stimme, meine Musik vielen Leuten gefällt und ich somit weiter als Künstler aktiv sein darf.“

Wobei man da schon unterscheiden muss, hat der Melodic Rock in den USA doch extrem an Stellenwert verloren. Die alten Helden touren zwar, aber man lebt fast ausschließlich von den goldenen Zeiten der Achtziger, bis Grunge das Ende dieses Stils einläutete.
„Ich liebe zwar mein Land, aber es kotzt mich aus ein paar Gründen an, darunter auch das Musikbusiness in weiten Bereichen. Alles ist konfus, Popularität wechselt fast täglich. Warum das so ist, entzieht sich mir. Die Radiosender kannst du größtenteils in die Tonne kloppen, im Fernsehen nur diese verrückten Talentshows, wobei die meisten Teilnehmer zumeist absolut ohne Talent sind. Ich habe keine Ahnung, warum man denen eine Plattform bietet, ohne ehrlich zu sein und zu sagen: Hey, ihr habt keine Überlebenschance, konzentriert euch lieber auf einen ordentlichen Abschluss, studiert, lernt einen Beruf. In Europa oder Asien sieht die Sache anders aus. Da hechelt man nicht jedem Trend hinterher, sondern steht treu zu der Musik, die man mag. Sicherlich gibt’s auch Veränderungen, aber nicht so krass wie in den USA. Loyalität ist in Europa und Asien sehr hoch angesiedelt. Du wirst als Musiker nicht so schnell vergessen, selbst wenn du über Jahre nur wenig oder nichts hast von dir hören lassen.“
Text: Marco Magin
Pic: Johnny Pixel

 

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