Phil Campbell And The Bastard Sons

Neues Spiel, neues Glück

Geben wir es doch zu: Wir waren alle wie in Schockstarre, als die Nachricht von Lemmys Tod über den Äther lief. Der letzte wirkliche Rock-Gigant ist von uns gegangen und hat mit Motörhead die letzte Band von Format mit ins Grab genommen. Doch während wir alle noch Tränen in den Augen hatten, sind Lemmys Weggefährten Mikkey Dee und Phil Campbell dem einzig wahren Motto gefolgt: Die Show muss weitergehen. Während Mikkey seine neue Heimat bei den Scorpions gefunden hat, schnappte sich Phil seine Söhne und gründete mit ihnen eine neue Band. Wir haben uns Phil und seinen Sänger Neil Starr einmal zur Brust genommen.

„Versteht mich bitte nicht falsch“, beginnt Phil das Gespräch. „Ich war auch geschockt, als Lemmy gestorben ist. Aber was sollten wir machen? Mit Motörhead weitermachen war keine Option.“

Zumindest ist es schön zu sehen, dass Phil eine neue Heimat gefunden hat.
„Was sollte ich machen“, lacht Phil. „Ich bin Musiker, für die Rente bin ich zu jung. Hey, ich war mit Lemmy in einer Band. Dieser Hurensohn hat bis kurz vor seinem Tod noch auf der Bühne gestanden. Soll ich da etwa nachstehen?“

Viele Musiker, die in erfolgreichen Bands spielen, suchen sich oftmals schon zu aktiven Zeiten mit der Hauptband eine weitere Tätigkeit mit anderen Projekten. Außer dass Phil bei befreundeten Musikern live auf der Bühne mitgespielt hatte, waren aber bisher bei ihm keinerlei Ambitionen dahingehend zu erkennen.
„Oh, die waren aber schon da“, wirft der junge Sänger schnell ein, bevor Phil antworten konnte.
„Neil hat Recht“, antwortet Phil nun. „Die ersten Gedanken zu einem Nebenprojekt kamen schon, als ich noch bei Motörhead war. Aber wir waren zu sehr beschäftigt, als dass ich es hätte weiterverfolgen können.“
„Eigentlich ist diese Formation eher durch Zufall entstanden“, setzt Neil fort. „Auf dem dreißigsten Geburtstag von Phils ältestem Sohn Todd kam einer der Gäste auf die Idee, dass etwas Live-Musik die Party doch etwas aufwerten würde. Dann haben Phil und seine Söhne losgelegt und ich bin als Sänger eingesprungen. Das war eine sehr coole, spontane Jam-Session. Wir fanden alle, dass dies ein cooles Nebenprojekt sein könnte.“
Phil lacht: „Das stimmt. Aber, ich hatte euch ja gesagt, dass dafür keine Zeit gewesen wäre. Hier und da konnten wir zwar mal ein paar kleine Gigs spielen, aber keiner hat damit gerechnet, dass daraus irgendwann etwas Festeres wird.“

Über drei Jahrzehnte war Phil Campbell als Gitarrist bei Motörhead tätig. War es da nicht wie eine Frischzellenkur, mal etwas Neues zu starten?
„Es war schon erfrischend, da gebe ich euch recht“, stimmt Phil uns zu. „Motörhead war eine Maschine. Sie hat einem kaum Freiraum gelassen. Motörhead war einfach fantastisch. Ich habe eine großartige Zeit gehabt und die Arbeit mit Lemmy und Mikkey geliebt. Aber das Buch ist nun geschlossen und es gibt nichts, was dies ändern könnte, leider. Nun starte ich ein neues Kapitel in meinem Leben. Das ist eine neue Band mit großartigen Musikern und einem fantastischen Sänger. Wir haben ein tolles Album am Start und ich bin sicher, dass es nun weiter vorangeht.“
„Ihr müsst wissen, als Lemmy gestorben ist, hat Phil echt gelitten“, unterbricht der Sänger seinen Chef. „Phil ist durch eine harte Zeit gegangen. So etwas kann man als Musiker nur mit einer Sache überwinden: Mit neuer Musik! Wir haben zusammengesessen und uns überlegt, was wir machen, da hat auch schon jeder ein Instrument in der Hand gehabt.“

Nun haben Phil Campbell und seine Söhne im letzten Jahr ein erstes Lebenszeichen von sich gegeben.
„Ja, das war aber nur eine EP“, antwortet Phil. Nach einer kurzen Pause fügt er lachend hinzu: „Aber, diese EP war schon um Längen besser als die meisten Alben, die in den letzten zehn Jahren erschienen sind.“

Wann genau hat denn die neue Band mit den Arbeiten losgelegt?
„Das kann man gar nicht so genau sagen“, sagt Phil zögerlich.
Auch sein Sänger muss lange nachdenken: „Ich kann auch bei längerem Nachdenken keinen fixen Zeitpunkt ausmachen“, gibt Neil zu. „Das mag vielleicht auch daran liegen, dass wir alle ständig an Songs arbeiten. Also, wenn man es genau nimmt, haben die Arbeiten am nächsten Album auch schon begonnen. Ich kann lediglich sagen, dass die Arbeiten sehr schnell vorangingen. Wir haben alles in allem gute sechs Monate gebraucht, dann war alles im Kasten.“

Jetzt, da Neil bereits ein neues Album angesprochen hatte …
„Oh, im Moment konzentrieren wir uns erst einmal auf dieses Album“, blockt Phil unsere Frage gleich ab. „Aber klar haben wir allesamt schon Ideen für weitere Musik im Kopf.“

Nun kann man sich vorstellen, dass jemand, der bereits so lange im Business ist wie Phil Campbell, ein riesiges Musikarchiv hat mit tausenden von Ideen, die für Motörhead oder andere Projekte gedacht waren und nie genutzt wurden.
„Das stimmt, mein Archiv ist groß“, lacht Phil. „Ich laufe oftmals schon Gefahr, den Überblick zu verlieren, wenn ich meine Jungs nicht hätte.“

Also hören wir auf diesem Album eventuell auch Ideen, die ursprünglich für Motörhead gedacht waren?
„Nein, diese Songs sind alle ganz frisch“, verrät uns Phil. „Klar kamen manchmal Gedanken auf, diese oder jene Idee verwenden zu können. Doch dann kam wieder einer meiner Jungs und hat eine seiner Ideen vorgespielt und dann ist es dabei geblieben.“

Also keine Chance, irgendwann doch noch Songs zu hören, die einstmals für Motörhead gedacht waren?
„Doch, die Chance habt ihr bestimmt“, antwortet Phil sofort. „Ich schreibe ja keine Musik, nur damit ich sie in einer Schublade verrotten lasse. Ich will, dass sie gespielt und gehört wird. Aber im Moment hat es einfach nicht gepasst. Außerdem sollte sich die Welt erst einmal auf Phil Campbell & The Bastard Sons konzentrieren. So würde nur jeder nach Songs suchen, die ich ursprünglich für Motörhead geschrieben hatte. Aber ja, bestimmt werden wir in Zukunft auch alte Motörhead-Ideen verwenden.“
„Das sehe ich genauso“, stimmt Neil mit ein. „Ein gutes Riff ist ein gutes Riff. Warum sollte man es dann nicht auch verwenden?“
 „Aber das Schöne ist, dass man diese Ideen dann wahrscheinlich nicht als Motörhead-Idee identifizieren würde“, setzt Phil fort. „Es ist wie bei einer Adaption. Du kannst ein Riff nehmen, das ähnlich klingt wie eines, das es bereits gibt. Wenn du eine andere Gesangslinie drüberlegst oder einen anderen Rhythmus, wird es ein komplett anderer Song. Das ist das Tolle am Rock ’n’ Roll: Es gibt keine Regeln.“
Text: Pat St. James

 

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