Beyond The Black

Stürmische Zeiten

Das Debüt „Songs Of Love And Death“ der Mannheimer Band Beyond The Black vor drei Jahren ist ein Brett gewesen, der Nachfolger „Lost In Forever“ hat mich dann komplett umgehauen. Das ist perfekter Symphonic Metal und kann ganz locker mit den Großtaten von Nightwish und Within Temptation mithalten. Und jetzt geht mit „Heart Of The Hurricane“ Album Nr. 3 an den Start! Habe mich richtig gefreut, als ich gehört habe, dass ich dafür eingeteilt worden bin. Endlich mal wieder eine persönliche Plauderei mit Jennifer Haben, bei herrlichen Temperaturen in einem Mannheimer Biergarten vielleicht ... Pustekuchen! Das Mädel ist mittlerweile in Leipzig sesshaft, was auch seine Gründe hat.
„Ich studiere da Musikwissenschaft“, erklärt sie mir an der Strippe. „Ich habe ja vorher im Saarland Musikmanagement studiert und hoffe, dass ich in einem Jahr fertig bin.“

Der dritte Streich „Heart Of The Hurricane“ begeistert mich voll und ganz, aber es hätte auch anders laufen können, immerhin sind ja alle Mitstreiter neben Jennifer in der Band neu. Aber es wird direkt an „Lost In Forever“ angeknüpft. Richtige Hymnen, geile Melodien, Abwechslung ohne Ende ... somit alles beim Alten! Großartige Veränderungen kann ich nicht entdecken, was ich natürlich sehr gut finde. Da ist die stimmgewaltige Frontfrau allerdings anderer Meinung.
„Ich glaube, dass sich schon etwas verändert hat. Und zwar zum Positiven. Ich weiß nicht, ob dies jetzt beim Titelsong ‘Heart Of The Hurricane’ so rauskommt, aber ich finde schon, dass man hört, dass andere Leute am Start sind. Die neuen Jungs haben sich sehr stark am Album beteiligt und auch selbst alles eingespielt. Einen Song hat unser Bassist im Alleingang geschrieben. Die Zeit für Details war für mich auch sehr wichtig, so dass nicht genau in drei Monaten alles fertig werden musste. Alles ist sehr entspannt abgelaufen, und wir mussten auch keine Kompromisse eingehen. Und das ist für mich eine sehr positive Entwicklung, die vielleicht nicht direkt hörbar ist. Aber die Detailarbeit schon, hoffe ich zumindest.“

Trotz der herausragenden Klasse der musikalischen Leistung hat es auch Schelte und unschöne Seitenhiebe von der Metal-Presse gegeben. Stichwort: Casting-Band! Ist eher im Pop-Sektor der Fall, bei Metallern aber richtig verpönt. Mir persönlich ist das schnurz, wenn die musikalische Leistung stimmt.
„Ja, ja, das ist immer noch gang und gäbe, dass man das sagt. Mal ganz ehrlich: Natürlich können wir nicht sagen, wir kennen uns seit 10 Jahren und haben in der Garage angefangen. Aber wenn man sich in der Musikbranche umschaut, ist dies nicht mehr so häufig. Ich glaube, dass das der Punkt war, an dem man die Band angreifen konnte. Ich weiß nicht, musikalisch scheint es wohl nicht kacke gewesen zu sein, hahaha. Dann wundern sich die Leute, wie wir gleich in Wacken spielten. ‘Hey, wie kann das passieren?’Aber da ist so viel im Vorfeld passiert ... vielleicht nicht als Band. Aber ich habe so vier, fünf Jahre Songs geschrieben, die in verschiedene Richtungen tendierten. Habe ein Team zusammengestellt, das an mich geglaubt hat. Ich habe dann angefangen, in die Richtung BTB zu schreiben. Das hat mir gefallen, das hat funktioniert! Und wenn ich die Mucke mache, dann brauche ich auch eine Band. Das fand ich geil, weil ich ja auch touren will. Und ich finde, diese fünf Jahre vorher darf man nicht verschweigen.“

Ich muss zugeben, dass ich damals auch völlig baff gewesen bin. Da entert eine Band aus meiner Heimat die Charts ... und ich habe vorher noch nie etwas von ihr gehört!
„Es ist nicht so gewesen, dass ich gefragt worden bin, ob ich Bock hätte, in einer Metal-Band zu singen, die dann gepusht wird ... So stellen sich die Leute das vor. So war es aber nicht! Es war Arbeit! Es ist genauso, als wenn man fünf Jahre im Proberaum zusammensitzt und das im kleinen Rahmen macht. Es ist die gleiche Arbeit, nur hat das in der Öffentlichkeit keiner mitbekommen.“

Für einen Newcomer habt ihr gleich mächtig für Furore gesorgt. So etwas habe ich bei einer deutschen Metal-Band in den letzten zehn Jahren nicht erlebt. Speziell auf dem Live-Sektor! Festivals wie Wacken und das gleich mehrmals, Support für die Scorpions und andere Hochkaräter, dann noch Shows in Japan und Russland. Finde ich echt einen Hammer! Davon können so sämtliche neueren Bands nur träumen!
„Da ich die vier Jahre im Vorfeld von BTB schon viel mit Universal zu tun hatte, konnte ich mit meinem Team, das ich schon vorher hatte, direkt durchstarten, weil sie meinten, das sei so gut, so dass wir Alarm machen müssen. Aber natürlich müssen wir auch sehr viel investieren. Und wir müssen uns alles erarbeiten. Da ist auch Glück dabei, aber wenn wir die Leute um uns drum herum nicht überzeugen würden, mit dem, was wir machen, würde das auch nicht funktionieren. Ich bin aber immer noch überrascht, was wir für krasse Sachen machen konnten. Das hätte ich niemals gedacht, nicht mal in meinen Träumen.“

Kommen wir auf eine unschöne Sache zu sprechen. Von einem Tag auf den anderen – so hat es den Anschein – ist die komplette Begleitgruppe entsorgt worden. Wenn einer mal geht und ersetzt wird, ist das kein so großes Ding, aber alle auf einmal?! Das würde ich schon als sehr krass bezeichnen!
„Wenn man entsorgen sagt“, meint Jennifer lachend, „dann kann ich verstehen, dass du das so empfindest. Aber es war ja tatsächlich so, dass wir über die Zeit – du sagst ja selbst, dass wir sehr viel erreicht haben – sehr viel investiert haben, was auch immer noch so ist. So eine kleine Anekdote nebenbei: Wir haben unseren Musikvideodreh gerade innerhalb von zwei Tagen organisieren müssen. und unser Basser hatte eine 24-Stunden-Schicht, und da war alles ein bisschen schwierig, aber es geht im Moment nicht anders. Da muss man halt auch Abstriche machen. Bei den alten Jungs war es halt so, dass wir uns einmal zusammengesetzt und über alles geredet haben, was wir für Shows spielen und wie es weitergehen soll. Wir haben gerade einen internationalen Deal bekommen, so dass es bestimmt nicht weniger werden wird, eher mehr. Darüber musste man reden. Und da gab es viele Gespräche über Monate, und da hat sich im Endeffekt herausgestellt, dass den Jungs andere Sachen noch am Herzen lagen. Einer ist gerade Vater geworden, ein anderer wollte es werden. Mein Baby war ja schon immer Beyond The Black, und sie haben auch eingesehen, dass es Quatsch ist, jetzt auf die Bremse zu drücken. Deswegen wollten sie mir auch nicht im Weg stehen. Im Endeffekt ging es um die Entscheidung, ob man diesen Weg weiter mitgehen will. Und da wir darüber so lang geredet haben, war halt jedem bewusst, wo die Reise hingehen wird. Dann war es leider so – ich finde das auch extrem schade – dass keiner gesagt hat, ich kann das so weiter mitgehen. Da stand ich auf einmal da und dachte: ‘Oh Gott, was mache ich jetzt?’ Aber ich habe ja mein starkes Team noch, das meinte, wir machen trotzdem weiter.“

In den sozialen Medien gab es richtig Schelte nach dieser Bekanntgabe.
„Am Anfang wurde das zerrissen. Ich habe erst mal zwei Wochen nicht bei Facebook oder in anderen sozialen Medien reingeguckt. Das war auch sehr schlimm für mich und keine schöne Zeit.“

Aber irgendwie kann ich das Ganze nicht nachvollziehen bei deinen ehemaligen Mitstreitern. Da haben sie die einmalige Chance, bei einer absolut angesagten und erfolgreichen Band unter professionellen Bedingungen zu arbeiten, wo man sicherlich auch seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das ist doch ein Traum! Hast du zu den Jungs noch Kontakt?
„Teilweise habe ich noch Kontakt. Erst vor kurzem habe ich mit Christopher geschrieben, der ja quasi mein Bandbruder damals war. Da hat sich privat bei ihm etwas getan, was ich sehr, sehr schön finde. Da haben wir ein bisschen hin und her geschrieben. Bei den anderen verfolge ich auch, was bei denen los ist. Für mich stand ja die Frage nicht im Raum, ob das jetzt alles zu viel ist, Für mich war es klar, dass ich alles investiere, weil es mein Baby ist. Dass Beyond The Black so viel machen darf und so viel Zeit beanspruchen wird, das wussten wir ja am Anfang nicht. Wir sind davon überrumpelt worden ... Ich weiß nicht, ob das vielleicht das Ding war. Ich kann es dir nicht ganz beantworten, weil ich es selbst noch nicht ganz verstanden habe, aber ich hoffe, es wird irgendwann klarer für mich.“
Text: Chris Glaub
Pic: Airforce 1 Records

 

 

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