Avenged Sevenfold

Überraschungsangriff

Avenged Sevenfold können auf jeden Fall noch überraschen, so viel steht fest. Während die halbe Musikwelt inklusive der Presse halb durchdreht, weil Metallica nach acht Jahren ein neues Album auf den Markt bringen, veröffentlichen A7X, wie sie auch gerne genannt werden, quasi über Nacht ihr neues Album „The Stage“ – komplett ohne jede Vorankündigung. Auch der Wechsel der Band von ihrem einstigen Stammlabel Warner zu Universal hat viele überrascht. Zeit also, Sänger M. Shadows in Berlin zu einem Gespräch zu bitten.

Bei Avenged Sevenfold geht es Schlag auf Schlag: Erst die Über-Nacht-Veröffentlichung von „The Stage“, ein paar Wochen später folgte der Überraschungsbesuch in Berlin, um Fans mit einer Autogrammstunde zu beglücken. Von Marketing halten die Jungs aus dem sonnigen Kalifornien wohl nicht viel.
„Das kann man eigentlich so nicht sagen“, lacht der Sänger. „Es ist vielmehr so, daß uns die Art, wie Musik heutzutage veröffentlicht wird, gelangweilt hat. Es gab in der Vergangenheit ja schon öfter mal Überraschungsveröffentlichungen, das ist nur in den letzten Jahren echt zurückgegangen. Wir wollten ein wenig über den Tellerrand schauen. Mal etwas wagen. Die Art und Weise, wie die Fans Musik konsumieren, hat sich geändert und damit auch das komplette Business. Man muß einfach mutig sein in der heutigen Zeit. Deshalb wollten wir das album genau auf diese Art und Weise veröffentlichen, wie wir es getan haben, quasi als eine der ersten Bands weltweit. Letztendlich haben es Metallica mit ihrem neuen Album ähnlich gemacht, nur daß die Veröffentlichung halt nicht wie bei uns sofort auf den Markt gekommen ist. Aber die Art und Weise, wie sie es angekündigt hatten, kam wie ein Einschlag. Plötzlich, ohne Vorwarnungen. Das hatte uns auch beeindruckt, wir wollten nur noch einen Schritt weiter gehen, wollten sehen, wie die Fans darauf reagieren, und wir haben es nicht bereut.“

Das letzte Album liegt genau drei Jahre zurück, und wenn man die Karriere der Jungs mal genau betrachtet, ist der Veröffentlichungsrhythmus der Band seit ihrem 2007 erschienenen Album „Avenged Sevenfold“ bei exakt drei Jahren bei jedem Album. Ist das eher Zufall oder ein Teil des Plans zur Übernahme der Rock-Weltherrschaft?
„Rock-Weltherrschaft gefällt mir“, schmunzelt M. Shadows. „Nein, eigentlich ist das eher Zufall. Wir haben keine konkreten Zeitpläne ein Album zu veröffentlichen. Wenn das seit ‘Avenged Sevenfold’ jetzt eine Regelmäßigkeit bekommen hat, dann ist das nicht gewollt. Es spielen ja auch viele Faktoren mit: Früher konnten wir die Alben in kleineren Abständen zueinander veröffentlichen. Aber nun, ab dem Zeitpunkt, da man sich einen gewissen Status erarbeitet hat, werden unsere Tourneen auch größer und dauern länger. Außerdem haben wir alle in der Band auch Familien, auf die wir Rücksicht nehmen müssen, und Kreativität kann man halt auch nicht wirklich erzwingen. Ich würde sogar sagen, daß wir mit ‘The Stage’ die größte Zeitdifferenz haben, denn ‘Hail To The King’ erschien Anfang 2013, und ‘The Stage’ kam jetzt Ende 2016 heraus. Das sind also beinahe vier Jahre Wartezeit, aber die hat sich gelohnt, würde ich sagen.“

Für diejenigen unter den Lesern, die das Album bisher noch nicht gehört haben, auf was sollten die sich einstellen? Was können sie von dem Album erwarten?
„Ich würde sagen, sie können sich darauf einstellen überrascht zu werden“, gibt der Sänger verschmitzt zu Protokoll. „Nein, ganz ehrlich: Wir haben bisher schon viele Fans gehört, ob nun persönlich oder über Facebook und Twitter, die das Album anfangs nicht verstanden haben. Das Album ist ein sogenannter ‘Grower’. Es wächst von Mal zu Mal, je öfter du es hörst. Man muß sich darauf einlassen, soviel ist klar. Aber wer dem Album diese Chance einräumt, wird definitiv belohnt werden. Jeder einzelne Track steht für sich, was großartig ist. Die Fans werden es lieben, davon bin ich überzeugt.“

Jetzt hat M. Shadows ja bereits berichtet, daß die Tourneen immer größer werden und auch immer länger dauern. Für das letzte Album hat Avenged Sevenfold weltweit 155 Shows bestritten. Wann hat die Band Zeit gehabt, sich mit einem neuen Album auseinanderzusetzen?
„Das ist das, was ich meinte“, antwortet M. Shadows sofort. „Aus diesem Grund ist es eigentlich unmöglich, feste Veröffentlichungsrhythmen einzuhalten, auch wenn ein Label das gerne sehen würde, aber wir sind viel unterwegs. Das letzte Konzert hatten wir jetzt Ende Oktober gespielt. Und unsere Familien fordern halt auch ihr Recht mit uns ein, was vollkommen okay ist und auch sein muß, damit man die Akkus wieder auflädt. Aber, um auf eure Frage zurückzukommen, im Sommer 2015 hatten wir die ersten Ideen bereits zusammengetragen, hatten dann aber noch mit einem Besetzungswechsel zu kämpfen. Wir haben unseren Drummer ausgewechselt und mußten unseren neuen Mann, Brooks Wackerman, erst einmal einarbeiten. Wir haben mit ihm mehrere Jam-Sessions veranstaltet um zu sehen, ob wir überhaupt mit ihm arbeiten können. Das hält natürlich auch auf. Aber so in dem Zeitraum Juni bis August haben wir unsere Ideen gesammelt, und im Oktober fingen wir damit an, sie zusammenzufügen und auszuarbeiten. Anfang des Jahres ging es dann ins Studio für dieses Album.“

Für das letzte Album „Hail To The King“ mußten Avenged Sevenfold viel Kritik über sich ergehen lassen. Vielen war dieses Album zu sehr auf „Nummer Sicher“ produziert worden, es gab auch nicht wenige Stimmen, die der Band vorwarfen, einfach nur das Guns N’ Roses-Album „Appetite For Destruction“ mit dem „Black Album“ von Metallica vermischt zu haben. Machine Head-Sänger Robb Flynn hat sich einen Spaß daraus gemacht, Avenged Sevenfold als durchschnittliche Metallica-Tributeband zu bezeichnen. Nun bringt die Band mit „The Stage“ das vielleicht vielseitigste Album ihrer Karriere heraus. Hier haben die Jungs mehrere Stile miteinander verbunden: Sei es, daß sie sich ihrer frühen Metalcore-Wurzeln bedient haben oder sogar Black Metal-Elemente für sich vereinnahmt haben. Mit „Exist“ ist sogar ein astreines knapp sechszehn-minütiges Prog-Epos auf der Scheibe gelandet. Ist dieses Album quasi der gestreckte Mittelfinger in Richtung all der Kritiker, um zu zeigen, daß deutlich mehr in der Band steckt, als jeder vermutet?
„Nein, das ist nicht der Grund“, relativiert der sympathische Sänger unsere Vermutung. „Die Sache ist die, Kritiker wird es immer geben. Wer etwas kritisieren will, der findet was. Die können sagen, was sie wollen, das stört uns nicht. Wir verkaufen jetzt seit knapp siebzehn Jahren Alben, und jedes davon hat Platin-Status erreicht. Das alleine sollte eigentlich schon reichen, um diese Leute verstummen zu lassen. Wenn man sich all unsere Alben im Kontext anhört, wird man schnell feststellen, daß wir eine unglaublich vielseitige Band sind. Das Schöne an der Sache ist, ob man jetzt vorher sich ‘Nightmare’ anhört oder ‘Avenged Sevenfold’ oder halt ‘Hail To The King’, und du kommst danach zu ‘The Stage’, wird man feststellen, daß man sich nicht wirklich bei uns festlegen sollte. Man weiß als Fan nicht, was man erwarten kann. Selbst wir als Musiker wissen anfangs nicht, in welche Richtung es geht, aber das ist richtig toll, weil damit die Sache spannend bleibt. Man wird mit jedem Album aufs Neue überrascht, und das macht die Sache Interessanter. Diejenigen, die ständig am Meckern sind, werden auch weiterhin meckern. Sollen sie, das kümmert uns nicht. Solange man über uns redet, sind wir interessant. So einfach ist das. Wir wollten einfach verschiedene Stilarten miteinander vermischen, auch wenn diese auf den ersten Blick hin nicht wirklich zueinander passen. Nehmen wir einfach mal das Beispiel Black Metal. Der klassische Black Metal wird dominiert von harten Gitarrengeschrammel und Gekreische und Gegrummel. Wir wollten aber die Rhythmik mit ihren Blastbeats haben und in einen melodischen Kontext einbauen. Klingt erstmal merkwürdig, haut aber hin. Wir haben halt mit verschiedenen Stilistiken gearbeitet, die uns selber beeinflußt hatten. Dieses Album entstand zum Großteil aus Jam-Sessions mit Brooks. Wir wollten das Album sehr melodisch halten, aber auch gleichzeitig sehr energetisch. Man sollte die Power spüren. Da kamen uns solche Stilrichtungen gerade gelegen, um damit zu experimentieren.“
Text: Pat St. James

 


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