Bush

Zwischen den Zeilen

Bush-Frontmann Gavin Rossdale traf ich zuletzt anläßlich der Veröffentlichung des damaligen Comebackalbums „The Sea Of Memories“ in Berlin. Damals – vor etwa sechs Jahren – war die Welt für Gavin – und nicht zuletzt die Band – noch in Ordnung. Eine neue Plattenfirma gab dem Neuanfang von Bush den notwendigen neuen Schub, das Konzert in Huxley’s Neue Welt war umjubelt, und alle Zeichen standen auf Sturm. Doch Dinge ändern sich bekanntlich. Das nachfolgende Album „Man On The Run“ erschien nicht nur bei einer neuen Plattenfirma, sondern kam mehr oder weniger pünktlich zu einem Zeitpunkt raus, an dem Gavin seine Ehe mit Gwen Stefani retten wollte. Über den mehrfach erwähnten und von der Gossip-Presse perfekt ausgeschlachteten Seitensprung, der der Auslöser der ganzen Sache war, müssen wir an dieser Stelle nicht mehr berichten. Tatsache ist aber, daß danach nichts mehr so war wie vorher, und so spreche ich im März dieses Jahres mit einem zwar gut aufgelegten Gavin, aber zugleich mit einem Gavin, an dem die Ereignisse der letzten Jahre nicht spurlos vorbeigingen. Das neue, inzwischen siebte Bush-Album „Black And White Rainbows“ steht wiederum für einen Neuanfang. Neue Plattenfirma, neues Management. Lediglich die Band ist die gleiche. Der ursprüngliche Bush-Schlagzeuger Robin Goodridge hat bislang auf jedem Album gespielt. Gitarrist Chris Traynor ist Gavins treuer Wegbegleiter seit vielen, vielen Jahren. Und Bassist Corey Britz ist seit „The Sea Of Memories“ dabei.

„Es mag wie ein Klischee klingen“, holt Gavin aus, „aber die Band gab mir in den letzte Jahren einiges an Halt. Klar habe ich Mist gebaut und klar ist meine Ehe geschieden. Aber es haben auch schon andere Menschen vor mir Mist gebaut. Es sind andere Ehen geschieden worden. Und manchmal führen schlechte Dinge auch zu guten Dingen!“

Manch einer hätte eventuell erwartet, daß die Trennung von Gwen zu einer breit angelegten Verarbeitungsarie in den neuen Songs führt. Klar finden sich auf „Black And White Rainbows“ viele Hinweise zu dem Thema. Allerdings sehr subtil und sehr „zwischen den Zeilen“. Gwen Stefani hat sich auf ihrem letzten Album „This Is What The Truth Feels Like“ ein wenig anders und weniger dezent verhalten. Ähnlich wie nach der ersten Trennung von Gavin. Damals – vor siebzehn Jahren – „widmete“ sie ihm mit ihrer Band No Doubt den Song „Ex-Girlfriend“.
„Ich habe nach der Trennung sehr viele neue Songs geschrieben“, erinnert sich der begeisterte und richtig gute Tennisspieler. „Vor allem die, die direkt nach der Trennung entstanden sind, waren aber so traurig und stellenweise depressiv, daß ich sie einfach nicht veröffentlichen konnte. Oder wollte. Das neue Album ist immer noch recht ruhig. Aber hätte ich es früher herausgebracht, wäre es noch viel ruhiger [lacht]. Eine Trennung ist schlimm, eine Scheidung noch schlimmer. Aber alles hat bekanntlich zwei Seiten. Dennoch bleibt eine Sache – die Kinder. Sobald dein erstes Kind geboren worden ist, gibst du dein Leben auf. Für dein Kind. Meine Kinder sind für mich das Wichtigste auf der Welt. Alles andere kommt danach.“

Gavins Texte waren schon immer vieldeutig. Auf „Black And White Rainbows“ kann man ebenso eine verflossene Liebe erahnen – siehe „Water“ – wie eine neue Liebe – siehe „Peace-S“. Diese Tatsache übergeht der Brite mit Wohnort Los Angeles mit einem Lächeln. Doch gehen wir zurück zu „Man On The Run“. Einem sehr experimentellen Album, das recht brutal unterging. Und sich in der Diskographie der Band dennoch nicht zu verstecken braucht. Gavin erinnert sich.
„‘The Sea Of Memories’ war ein logisches Album zu unserer Wiedergeburt. Anscheinend genau das, was die Leute von uns hören wollten. Eventuell haben wir unser Publikum mit ‘Man On The Run’ ein wenig zu stark beansprucht. Das Hauptproblem war damals aber … Alles stand in den Startlöchern, Tourneen waren gebucht, europäische Festivals waren fest im Visier. Und ich habe alles stehen und liegen lassen, um meine Ehe zu retten. Aus der heutigen Sicht weiß ich, daß diese Rettungsversuche komplett umsonst waren und daß ich diese Energie lieber in Bush hätte stecken müssen. Aber das weiß ich erst heute.“

Im letzten Dezember ist „Razorblade Suitcase“ in einer neuen Version auf den Markt gekommen – zum zwanzigsten Geburtstag des Albums. Mit zusätzlichen Songs wie „Old“, „Broken TV“ und „Bubbles“, Liner-Notes, aufgewertetem Artwork und einem neuen Mastering. Gavin erwähnte mir gegenüber einmal, daß ein Berliner Journalist in dem Interview, das die beiden anläßlich der Veröffentlichung von „Razorblade Suitcase“ führten, eine Gratulation aussprach zum depressivsten Album, das jemals auf Platz 1 der Billboard Charts landete.
„Das war ein unvergessener Spruch! Ich weiß noch, daß er Franz hieß. Ich hoffe, es geht ihm gut! Die Neuauflage des Albums ist wirklich gut gelungen. Ich muß allerdings checken, ob sie auch auf CD erscheinen wird. Darauf haben mich zuletzt einige Leute angesprochen. Bislang gab es nämlich nur eine LP. Steve Albini [der Albumproduzent] lieferte dafür einen unglaublichen Brief ab. Sozusagen seine Abrechnung mit dem Album. Alleine der rechtfertigt schon den Kauf. Und wir fügten einige alte B-Seiten hinzu. Aber auch den Song ‘Sleeper’, der bis dahin nicht veröffentlicht worden ist. Lustigerweise gibt es Stimmen, die besagen, daß er zu den absoluten Albumhighlights zählt. Aber das ist das alte Problem mit dem Abstand zu den Dingen. Damals hielt ich ‘Sleeper’ für eine recht normale Nummer.“

Ähnlich wie vor sechzehn Jahren auf dem Album „Golden State“. Damals setzten Plattenfirma, Management und wohl auch die Band auf die recht unscheinbare erste Single „The People That We Love“ und viel zu spät und viel zu undeutlich auf die Megaballade „Inflatable“. Die offensichtlichen Tracks „Headful Of Ghosts“ und vor allem „Superman“ sind niemals als Singles veröffentlicht worden. Und wohl genau deswegen blieb „Golden State“ wohl weit hinter den Erwartungen zurück. Und wohl deswegen hat Gavin damals die Band auf Eis gelegt.
„Ich sprach bereits davon, daß man aus der heutigen Sicht manche Dinge gerne anders machen würde. Das geht aber nicht, weil sie bereits passiert sind. Damals ist einfach so viel schiefgelaufen. Du weißt, daß der ursprüngliche Titel von ‘The People That We Love’ ‘Speed Kills’ war – die Phrase kommt in dem Songtext vor. Und das Single-Cover zeigte damals ein Flugzeug und einen Wolkenkratzer ... Und dann passierte der Anschlag auf das World Trade Center. So etwas wirft dich meilenweit zurück. Wir mußten die Single einstampfen, umbenennen, schnell ein neues Cover entwerfen …“

Nach dem vorläufigen Ende von Bush tauchte Gavin wieder mit der Band Institute auf. Das exquisite Album „Distort Yourself“ fand aber nicht den erhofften Anklang.
„Ich arbeite mit Chris Traynor seit der Tournee zu ‘Golden State’ zusammen. Eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Institute sollte eigentlich nur ein Projekt sein. Aber die Produktion [übrigens unter der Ägide von Helmet-Kopf Page Hamilton; d. Verf.] verschlang sehr viel Zeit und Geld, und als das Album endlich erschien, war es klinisch tot.“

Daraufhin ging es in Richtung Bob Rock und in Richtung von Gavins erstem und einzigem Soloalbum „Wanderlust“, das vor neun Jahren auf den Markt kam.
„Zu dem Zeitpunkt dachte ich bereits wieder an Bush. Aber – und wir kommen wieder zu dem Begriff heute – das hätte das erste Bush-Album nach sieben Jahren werden sollen – und nicht ein Soloalbum. Das ist mir heute klar. Chris liegt mir sehr oft in den Ohren, daß wir mit Bush einige ‘Wanderlust’-Songs spielen sollten. Aber zumindest die Single ‘Love Remains The Same’, die zu den größten Hits meiner Karriere gehört. Ich überlege immer noch, ob ich es machen sollte oder nicht. Aber Chris liegt da wohl nicht ganz falsch. Die meisten Fans assoziieren meine Person eh mit Bush. Eventuell können wir ja eines Tages auch den einen oder anderen Institute-Song live spielen. Oder vielleicht sogar ‘Adrenaline’. Meine Solosingle, die damals in dem Vin Diesel-Film ‘XXX’ vorkam.“
Text: Nikolas Krofta


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