Farmer Boys

Fruchtbare Ernte

Als ich die freundliche Anfrage von Markus Wosgien bekomme, ob ich Bock hätte, zur Listening-Session der Farmer Boys ins Nuclear Blast-Hauptquartier zu kommen, antworte ich ihm wahrheitsgemäß, dass ich noch nie was von dieser Band gehört habe. Dann lausche ich via Apple Music den alten Alben der Stuttgarter Crossover-Metaller, die echt geil sind, und nehme das Angebot an, was sich definitiv als eine weise Entscheidung erweist, denn die Comeback-Scheibe „Born Again“ ist ein grandioses Meisterwerk!

Nach freundlicher Begrüßung der Schreiberling-Meute in den heiligen Hallen von Nuclear Blast halten Sänger Matthias Sayer und Gitarrist Alex Scholpp eine kleine Ansprache:
„Dieses Album ist für uns eine Wiedergeburt, nicht nur eine Fortsetzung, sondern ein richtiger Neuanfang. Die Zusammenarbeit ist jetzt schöner und positiver für uns, und wie es sich gehört, sagen wir natürlich auch, dass ‘Born Again’ das beste Farmer Boys-Album aller Zeiten ist.“ Dieses Statement löst bei den Beiden schallendes Lachen aus. „Wenn wir nicht dieser Meinung wären, bräuchten wir das Teil gar nicht veröffentlichen. Wir sind mächtig stolz auf das Album. Das war jetzt eine lange Zeit, da sind viele Inspirationen dazugekommen, und wir haben das Rad sozusagen neu erfunden, na ja wir haben es zumindest probiert. Wir wünschen euch jetzt viel Spaß!“

Den haben wir definitiv, denn eine grandiose Soundorgie vom Allerfeinsten tönt uns aus den Boxen entgegen. Mit „Born Again“ haben die Jungs eine wahrhaft fruchtbare Ernte eingefahren. Nach der Listening-Session stehen Matze und Alex der wissbegierigen Rock-Journaille für Einzelinterviews zur Verfügung. Natürlich gestehe ich ihnen meine bisherige Ahnungslosigkeit über die Band und stelle die Vermutung an, dass es vielen BO-Lesern ebenso ergeht wie mir.

Die Beiden sind saugut drauf, denn wieder ertönt schallendes Gelächter. Matthias erzählt über die Anfänge der Farmer Boys:
„Ich erinnere mich noch daran, als ich damals in meinem Jugendzimmer saß, das erste Band-Logo gemalt habe und mir der Gedanke kam, dass es die Band irgendwann nicht mehr geben würde. Der zweite Gedanke war: ‘Nee, die Farmer Boys wird es immer geben!’ Irgendwie scheint sich dieser Gedanke jetzt zu bestätigen. Das ist eine lustige Sache, über so alte Begebenheiten zu sinnieren. Schon als Kind habe ich Hörspiele aufgenommen, damals zusammen mit unserem Keyboarder, bevor wir in der zehnten Klasse unsere Schülerband gründeten, mit all den Träumen, die man da so hat, wie: ‘Geil, lass uns auf der Bühne mal ordentlich Krach machen, dann kriegen wir die ganzen Mädels ab!’ Der Alex war da schon viel professioneller unterwegs, den hab ich kennengelernt, weil er mir eine Gitarre verkaufte, bei seinem damaligen Arbeitgeber, dem großen Musikaliengeschäft Barth in Stuttgart. Ich stellte recht bald fest, dass die Gitarre ziemliche scheiße war, später habe ich sie gewinnbringend weiterverkauft. Alex war uns allen sympathisch, und eines Tages spielte er ein Konzert mit uns. Wir stellten fest, dass er erheblich mehr Pepp in unsere Mucke brachte. Als leidenschaftlicher Fußballmanager auf dem C 64 beziehungsweise Amiga habe ich das gemacht, was ein Fußballmanager tut: Man wirbt ab! Ab da ging es los, und zwar ganz schön rabiat. Zwischen den Abiturprüfungen haben wir ein Demo aufgenommen, auf der Popkomm gespielt, ich habe mein Abitur bestanden, und wir haben eine Karriere losgelegt. Unser Engagement auf der Popkomm resultierte in drei Angeboten von Major-Labels. Damals ging die Crossover-Zeit los mit H-Blockx und so, wir legten jedes Jugendhaus in unserer Region in Schutt und Asche und verkauften etliche hundert Musikcassetten-Demos bei den Plattendealern in Stuttgart. Beim Rock Hard wurden wir als die ‘Best Unsigned European Band’ gekürt. Wir bekamen einen Anruf vom Götz Kühnemund vom Rock Hard: ‘Hi, hier ist Götz vom Rock Hard. Ihr habt gewonnen und spielt in LA, das ist doch geil!’ Dann sind wir dahin geflogen und haben den Metal im Foundations Forum noch im totalen Glanz erlebt, mit Rob Halford, der den Alex ganz verliebt in den Arm genommen hat, es war großartig. Nachdem wir dort gespielt hatten, sind wir direkt ins Studio und haben das erste Album ‘Countrified’ aufgenommen, das schon fast gechartet hat. 15.000 Scheiben wurden abgesetzt, das wäre heute ein Traumziel von vielen Bands. Dann haben wir einfach weitergemacht und mit ‚‘Til The Cows Come Home’ das zweite Album veröffentlicht. Wir waren auf Tour mit Rammstein, mit Killin’ Joke, haben mit Metallica zusammen Open-Airs gespielt. Zu dieser Zeit begann das langsame Sterben der Tonträgerfirmen, was sich bemerkbar machte in Verkleinerungen und Umstrukturierungen. Wir wechselten von BMG zum Universal-Label Motor von Petra Husemann, die auch Rammstein betreute. Das war ein ganz großer Schritt, weil Motor eines der ambitioniertesten Labels in Deutschland war. Das war der Durchbruch: ‘The World Is Ours’ hat knapp 60.000 Stück verkauft. Es war irre! In den Charts bedeutete das damals Platz 27. Als wir uns aufs neue Album vorbereiteten, zerbrach Universal. Da bekamen wir einen Anruf vom Markus Staiger von Nuclear Blast, der von Beginn an ein Fan von uns ist. Wir konnten uns gütlich mit Universal einigen und wechselten zu NB. Zu dieser Zeit waren wir aber total ausgelaugt. Wir haben schon beim Songwriting für ‘The Other Side’ gemerkt, dass es nicht mehr diese Spannung gab. Natürlich lieferten wir trotzdem gute Qualität ab. Aber wir traten auf hohem Niveau auf der Stelle. Wir hatten untereinander Querelen wegen Nichtigkeiten, waren komplett fertig, hatten keinen Bock mehr und Anrufe von Markus Staiger, ob wir nicht mal wieder eine neue Scheibe aufnehmen wollten, ignorierten wir einfach. So kam unsere lange kreative Schaffenspause zustande.“
Text: Martin Pietzsch
Pic by Nuclear Blast Records

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