Halestorm

Hauptsache, nicht betrügen

Februar 2012. Halestorm machen als Special-Guest dem Headliner Shinedown im Berliner Kesselhaus das Leben schwer. Die aus Pennsylvania stammende Band um das Geschwisterpaar Lzzy und Arejay Hale dreht mächtig auf, und ich ahne bereits: Von dieser Band werden wir noch viel hören.
Oktober 2012. Halestorm spielen an diesem Tag auf dem legendären Loudpark-Festival in Tokyo, und ich staune nicht schlecht, als anlässlich der Skid Row-Coverversion „Slave To The Grind“ Sebastian Bach auf die Bühne kommt, um mit Lzzy ein beeindruckendes Duett anzustimmen. Später am Tage spielt Sebastian mit seiner Soloband den gleichen Song und diesmal stürmt Lzzy auf die Bühne, um mitzusingen.
Wenige Monate später gewinnen Halestorm den Grammy mit dem Song „Love Bites (So Do I)“.
Es folgt der Weg nach oben, hunderte Konzerte, Festivals und nicht zuletzt das aktuelle, vierte Studioalbum „Vicious“, das die Band vor ein paar Monaten auf einer fast durchgehend ausverkauften Europatournee präsentierte.
Ortstermin in München. Lzzy und Joe erinnern sich sehr wohl noch an das Tokyo-Intermezzo. Ebenso an die legendäre Aftershow-Party, an die sich viele Anwesende sicherlich nicht mehr erinnern können.
 
Joe: „Das war ein denkwürdiger Tag. Und es hat sehr viel Spaß gemacht, einen unserer Lieblingssongs aus den Neunzigern zusammen mit Sebastian zu zocken. Er ist ein guter Typ. Und die Veranstaltung war natürlich erstklassig. Typisch Japan eben. Du sagst, die Halestorm-Version von ‘Slave To The Grind’ war damals besser als die von Sebastians Band?! Das freut mich natürlich, aber ich will das nicht kommentieren. Warst du damals auch auf der Party?“

Ja. Es passiert nicht aller Tage, dass man Jack Daniels Cola bestellt und einen volle Flasche Jack Daniels vor die Nase gestellt bekommt und eine Literflasche Cola … Und das war nur der Anfang des Abends in Gesellschaft von Slayer, In Flames oder Buckcherry.
Lzzy: „Bis zu dem Zeitpunkt haben wir von solchen Partys mehr oder weniger nur gehört. Zum ersten Mal haben wir in Japan 2010 gespielt. Aber das Jahr 2012 war dort für uns in allen Belangen besser.“

Apropos Skid Row. Euch gibt es seit den neunziger Jahren. Aber ihr wart schon immer eine Band, die sich zu den Achtzigern bekannte. Zu Bands und Künstlern wie Whitesnake, Lita Ford und vor allem Cinderella und ihrem Sänger Tom Keifer. Und Lzzy hat auch einen Song auf dem neuen Kane Roberts-Album mitgeschrieben.
Joe: „In jedem Jahrzehnt gab es gute und schlechte Musik. Wer etwas anderes behauptet, ist ein Ignorant.“
Lzzy: „Joe hat vollkommen recht. Deswegen covern wir auf unseren EPs ‘Reanimate’ auch Songs aus verschiedenen Jahrzehnten. Songs von Lady Gaga, Temple of the Dog, Heart oder Guns N’ Roses. Dazu die Beatles, Judas Priest, AC/DC, Marylin Manson oder Joan Jett und Metallica.“
Joe: „Oder etwas von Sophie B. Hawkins … Unsere Musik ist von sehr vielen unterschiedlichen Stilen beeinflusst.“
Lzzy: „Cinderella ist eine meiner absoluten Lieblingsbands. Wenn nicht sogar meine absolute Lieblingsband. Vor allem live war das immer eine totale Macht. Als ich Tom Keifer kennenlernte, war ich erstaunt, wie sehr in Ordnung er ist. Über die Jahre sind wir gute Freunde geworden. Wir sind auch schon zusammen aufgetreten. Und als er mich bat, mit ihm zusammen ‘Nobody’s Fool’ [einer der größten Cinderella-Hits] einzusingen, war ich im siebten Himmel.“
Joe: „Cinderella liegen jetzt leider auf Eis. Aber auch Toms Soloband ist super. Welch großartige Sänger und Instrumentalisten. Die spielen alles live. Und müssen nicht betrügen.“

Ihr betrügt bekanntlich auch nicht.
Lzzy: Wir spielen live. Wir singen live. Bei uns kommt weder ein Orchester vom Band noch Chorgesänge noch zusätzliche Gitarrenspuren. Und Arejay spielt auch nicht auf Klick. Wenn wir betrügen würden, müssten wir uns zu sehr darauf konzentrieren, zusammen mit einem Computer zu spielen.“
Joe: „Auf Festivals habe ich bereits oft gehört, dass eine Band nicht spielen konnte oder abbrechen musste, weil der Computer nicht mehr ging. Ohne Worte!“

Immerhin kann man mit so einer „Unterstützung“ auch ein Konzert zu Ende spielen, wenn der Sängerin die Stimme versagt.
Lzzy: „Das passiert mir zum Glück nicht besonders oft. Wenn es dann tatsächlich passieren sollte, verschieben wir das Konzert. Oder aber das Publikum singt das Set für mich zu Ende. Was während dieser Europatournee bereits passiert ist. Und das war dann auch eines der besten Konzerte, die wir in den letzten Jahren gespielt haben. So etwas kann man nicht planen. Oder programmieren.“

Weshalb haben denn Bands eigentlich angefangen zu betrügen?
Joe: „Ich kann mich nicht einmal mehr daran erinnern, wann das angefangen hat. Ich traf damals auf einem Festival eine junge, sehr angesagte Band, deren Namen ich nicht nennen möchte. Da kam sehr viel vom Band. Ich habe sie gefragt, weshalb sie das machen, weil mir klar war, dass sie richtig gute Musiker sind. Und sie meinten, sie möchten perfekt klingen. Und ihr Management würde es auch von ihnen erwarten. So etwas passt einfach nicht zu uns. Als Arejay seinerzeit auf Klick gespielt hat, habe ich mich damit schrecklich unwohl gefühlt. Das war mechanisch und langweilig. Und deshalb haben wir es gelassen.“
Lzzy: „Wir improvisieren auch viel bei Konzerten. Die Songs enden manchmal anders, als man es gewohnt ist. Aber gerade diese Spontanität ist doch super!“

Hast du eigentlich jemals Gesangsunterricht genommen?
Lzzy: „Das hängt wiederum mit den Achtzigern zusammen. Steve Whiteman von der Band Kix hat mir beigebracht, richtig zu singen. Wir spielen mit Halestorm oft sechs Konzerte pro Woche. Und Steve hat mich auf so etwas sehr gut vorbereitet.“
Text: Nikolas Krofta
Pic: Jimmy Fontaine

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