
KXM
Zwei Seiten der Medaille
Bisher sind KXM nur ein Insider-Tipp, obwohl alleine schon
das Line-up großartige Musik verspricht. Das „K“ steht für den
Korn-Schlagzeuger Ray Luzier, das „X“ für Sänger/Bassist dUg Pinnick und
King’s X, das „M“ dann für den Gitarristen George Lynch, früher bei Dokken
und seit vielen Jahren trotz Unterbrechungen mit Lynch Mob aktiv. 2013
traf sich das Trio, um bei KXM gemeinsame Sache zu machen. Im Break Out
haben wir KXM von Anfang an begleitet und freuen uns darüber, mit dem
Release des dritten Werkes „Circle Of Dolls“ dem Projekt endlich eine
größere Plattform bieten zu können.
Da behaupte mal einer, Männer könnten kein Multitasking.
George Lynch wirkt zwar ein wenig gestresst, da er sich mitten in den
Vorbereitungen auf eine Tournee mit Lynch Mob befindet, die morgen starten
wird, ist aber dennoch vom Kopf her frei genug, um zum dritten
KXM-Longplayer „Circle Of Dolls“ einiges sagen zu können.
„Auf der einen Seite bin ich wirklich über das Ergebnis sehr froh, dass
wir mit dem Ding fertig sind. Da wir neben KXM alle noch etliche andere
Dinge laufen haben, ist’s zeitlich immer wieder anspruchsvoll, dies alles
entsprechend eintakten zu können. Glücklicherweise können wir da auf die
Unterstützung unseres Labels bauen, was keine Selbstverständlichkeit
darstellt. Die schwierige Phase, in der sich die Musikbranche befindet,
brauche ich dir sicherlich nicht näher zu erläutern, und somit ist’s kein
Selbstläufer, dass ein Projekt wie KXM nun schon seit etlichen Jahren
funktioniert. Ein gewichtiger Umstand dafür ist aber auch, dass dUg, Ray
und ich befreundet sind, denn das erleichtert im gemeinsamen Agieren
vieles. Freude über ‘Circle Of Dolls’ ist jedoch nur die eine Seite der
Medaille, denn darüber hinaus bin ich frustriert, dass es bisher noch
nicht gelungen ist, die Sache auf die Straße, live zu den Fans zu bringen.
Ich bin keiner, der sich damit zufriedengibt, im Studio die Songs für eine
Platte aufzunehmen und sich dann von ihnen zu verabschieden. Ich möchte
unterwegs sein, die Reaktionen der Fans bei Konzerten erleben. Sicherlich
gab’s bisher schon Interesse, KXM für eine Tournee zu verpflichten, doch
aus unterschiedlichen Gründen hat’s bisher leider nicht geklappt. Nun
hoffe ich mit dem ‘Circle Of Dolls’-Release diesbezüglich auf Besserung“,
übt sich George Lynch in Optimismus.
In den Staaten ist man ja bei Rat Pak Records unter
Vertrag, während zu „Circle Of Dolls“ KXM für Europa bei Frontiers
gelandet sind. George Lynch klingt überrascht:
„Wir sind bei Frontiers untergekommen, das sind ja tolle Neuigkeiten,
aber ich wusste bis jetzt überhaupt nichts davon. Das bietet natürlich für
Europa weitaus bessere Möglichkeiten, um KXM bekannter zu machen.“
„Circle Of Dolls“ gefällt durch eine großartige
Vielfältigkeit, beginnend bei der ersten Singleauskopplung „War Of Words“,
einem richtigen Kracher, bis hin zu Tracks wie „Time Flies“ und „Twice“,
die fast einen Pop-Touch besitzen.
„Die Unterschiedlichkeiten sind im Vorfeld nicht geplant gewesen; es
gab zwischen uns dreien keinerlei Diskussionen. Wir sind ganz klassisch
vorgegangen: Zusammen in einem Raum für einige Tage und dabei schauen, was
herauskommt. Mit dem Resultat sind dann alle zufrieden gewesen, wobei du
mit deiner Einschätzung schon richtigliegst, dass die stilistische
Bandbreite größer als bei den Alben zuvor ausgefallen ist. Wir hatten im
Vorfeld überhaupt nicht die Möglichkeit, uns groß darüber Gedanken zu
machen, wie ‘Circle Of Dolls’ denn musikalisch ausfallen könnte. Das
Zeitkontingent ist extrem limitiert gewesen: ein Tag für jedes Stück, mehr
Spielraum gab’s nicht, denn danach musste jeder von uns seinen anderen
musikalischen Aktivitäten nachgehen, standen Tourneen an. Live-Aktivitäten
sind extrem wichtig, um überleben zu können. Der Großteil deines
Verdienstes wird mit Auftritten gemacht. Von dem Cash, das du durch
Plattenverkäufe, Downloads und so weiter bekommst, das ist so niedrig,
dass niemand alleine davon existieren kann. Wie gesagt: Die Zeiten haben
sich extrem verändert, wobei ich das Thema des illegalen Runterladens von
Musik jetzt nicht ins Spiel bringen möchte, denn das verschärft natürlich
alles zusätzlich. Zurück zu KXM: Logistisch gesehen ist’s immer wieder
eine Meisterleistung, dUg, Ray und mich für knapp zwei Wochen für einen
Studioaufenthalt zusammenzubringen, sodass wir schon deshalb gezwungen
sind, dass jede Idee zu einem Stück weiterentwickelt wird. Ein großes und
langwieriges Experimentieren können wir uns bei KXM nicht erlauben.“
George Lynch ist ja in viele Dinge eingebunden: Lynch Mob,
The End: Machine, Platten mit Stryper-Frontmann Michael Sweet und noch
etliches mehr. Da muss einem doch der Kopf schwirren, von der genauen
zeitlichen Planung für alles mal ganz abgesehen?
„KXM ist jetzt nicht die große Baustelle, was das Eingebundensein
betrifft, ist’s trotz genauer Planung doch übersichtlich. So sind zum
Beispiel die Videoclips zu ‘Circle Of Dolls’ an einem Tag entstanden. Der
war dann natürlich extrem ausgefüllt mit wenig Schlaf, da ich noch
Liveaktivitäten drumherum hatte. Flughafen, Video, Flughafen. Dazu in der
Phase noch das Signieren von rund 5.000 Exemplaren der neuen
Veröffentlichung, etliche Interviews und mehr. Es zwingt mich ja niemand
dazu, aber ich bin von KXM so überzeugt, dass ich mir das alle zwei Jahre
gerne gebe. Andere Projekte dauern da deutlich länger als die zwölf Tage,
die wir uns für KXM gegeben haben. Auch mit Lynch Mob brauche ich länger,
zwar nicht so lange wie für Dokken seinerzeit, aber doch eine gewisse
Zeitspanne. Ich muss ökonomisch an alles rangehen, sonst würde alles im
Chaos enden. Zeit ist Geld, besonders heute, und so ist klar, dass ich
schnell, aber auch gründlich arbeiten muss, wenn ich bei einer Sache
mitwirke.“
Text: Marco Magin
Pic: William Hames
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